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Flüchtlinge: "Mehrheit glaubt, Regierung hat die Kontrolle verloren"

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Demoskopin zur Flüchtlingskrise  

"Die Mehrheit glaubt, dass man die Kontrolle verloren hat"

14.11.2015, 11:42 Uhr | t-online.de

Flüchtlinge: "Mehrheit glaubt, Regierung hat die Kontrolle verloren". Flüchtlinge warten an der österreichischen Grenze darauf, ins Land gelassen zu werden. (Quelle: AP/dpa)

Flüchtlinge warten an der österreichischen Grenze darauf, ins Land gelassen zu werden. (Quelle: AP/dpa)

Kanzlerin Merkel gerät in der Flüchtlingskrise zunehmend in die Kritik. In der Großen Koalition, aber auch in der Bevölkerung. Allensbach-Chefin Renate Köcher glaubt zu wissen, wie das deutsche Volk tickt. Ihre Analyse der Krise im "Welt"-Interview klingt nüchtern - aber vielleicht gerade deshalb auch teilweise beängstigend.

"Die Mehrheit der Bevölkerung hat den Eindruck, dass man die Kontrolle verloren hat", sagt Köcher der "Welt". Die Folge des Eindrucks, dass die Regierung die eigenen Grenzen nicht verteidigen und den Zustrom nicht kontrollieren könne, sei "eine tiefe Beunruhigung in der Bevölkerung".

Die Sorgen der Deutschen wirkten sich auch auf die Umfragewerte aus. "In der Flüchtlingsfrage geht die Bevölkerung auf Distanz", so Köcher. Die Mehrheit sei über die Entwicklung besorgt und etwa die Hälfte habe den Eindruck, dass die Interessen der Deutschen unzureichend berücksichtigt würden.

"Merkels Beliebtheit hat nur begrenzt gelitten"

Doch zurzeit verliere dadurch vor allem die CDU an Zustimmung. Die Union stehe unter enormem Erwartungsdruck. "Die Zufriedenheit mit dem Kurs von Frau Merkel abseits der Flüchtlingsthematik hat nur begrenzt gelitten", gibt Köcher im "Welt"-Interview zu bedenken.

Der Kurs der CSU, die der Kanzlerin mit ihren Forderungen nach einer härteren Linie das Leben schwer macht, ist für Köcher völlig nachvollziehbar: "Wenn man die Probleme vor Ort klar benennt und die Sorgen der Mehrheit ernst nimmt, dann ist das zunächst einmal Realitätswahrnehmung und Volksnähe. Populismus wird es erst dann, wenn ein Anliegen oder Problem nur aus taktischen Gründen aufgenommen wird."

"Merkel wurde emotionaler wahrgenommen"

Angesichts der enormen Herausforderungen sei jedoch sicher nicht die Zeit für Taktik, sondern für eine schonungslose Situationsanalyse und eine harte, aber konstruktive Diskussion über die Optionen, die das Land habe.

Die Meinungsforscherin behauptet in der "Welt", dass Merkel in der Flüchtlingsfrage emotionaler und empathischer wahrgenommen wurde als sonst. "Das verunsichert teilweise diejenigen, die sich über die zahlenmäßige Entwicklung Sorgen machen", so Köcher.

Kritik an öffentlicher Diskussion

Die Demoskopin zeigt Verständnis für die Sorgen der Menschen und kritisiert die Bipolarität der öffentlichen Diskussion: "Wenn Menschen Angst haben müssen, wegen ihrer Sorgen über den Zustrom an Flüchtlingen in die rechte Ecke gestellt zu werden, dann stimmt etwas nicht in der öffentlichen Diskussion. Denn dann wird der, der am Münchner Hauptbahnhof die Flüchtlinge willkommen heißt, gegen den gesetzt, der bei Pegida mitmarschiert."

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