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"Hart aber fair": "Salafisten sind heute viel radikaler"

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Plasberg-Talk zum Islam  

"Salafisten sind heute viel militanter als früher"

12.04.2016, 09:13 Uhr | Nico Damm, t-online.de

"Hart aber fair": "Salafisten sind heute viel radikaler". Dominic Musa Schmitz (rechts) war zu Gast bei Frank Plasberg und berichtete über seine Radikalisierung. (Quelle: WDR / Oliver Ziebe)

Dominic Musa Schmitz (rechts) war zu Gast bei Frank Plasberg und berichtete über seine Radikalisierung. (Quelle: WDR / Oliver Ziebe)

"Terror im Namen Gottes - hat der Islam ein Gewaltproblem?", fragte die "Hart aber fair"-Redaktion angesichts der Anschläge von Paris und Brüssel. Es war einer dieser Polit-Talks, bei denen die Positionen schon vorher klar waren.

Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), war bemüht zu vermitteln, seine Behörde habe alles im Griff. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, wehrte sich gegen pauschale Verurteilungen von Muslimen und plädierte für mehr Prävention. Gleiches galt für Abdassamad El-Yazidi vom Zentralrat der Muslime. Der konservative Historiker Michael Wolffsohn hielt den Muslimen vor, sie täten nicht genug gegen die Extremisten. Und Constantin Schreiber, Moderator auf n-tv, lag irgendwo dazwischen.

Gut, dass Plasberg noch einen besonderen Gast eingeladen hatte: Dominic Musa Schmitz. Deutsche Eltern, in Mönchengladbach aufgewachsen, konvertierte er im Alter von 18 Jahren zum Islam – und radikalisierte sich zunehmend (hier Schmitz im Interview mit t-online.de). 

"Ich war ein Mitläufer"

Er hatte Übergewicht, kiffte, hatte Probleme in der Schule. Dann nahm ihn ein Freund, ein Salafist, mit in die Moschee. Später sagte er sich von der radikalen Gemeinde los und schrieb ein Buch über seine Erfahrungen. Wie man denn Salafist werde, wollte Moderator Frank Plasberg von dem heute 28-Jährigen wissen.

Das habe wahrscheinlich schon mit der Trennung seiner Eltern angefangen. "Ich war ein Mitläufer, der aber sehr gerne stark gewesen wäre." Schonungslos ehrliche Antworten waren das von einem, der heute klüger ist – und einen ähnlichen Hintergrund hat wie die Befragten einer BKA-Studie zu Extremismus, die Präsident Münch zitierte. Die Wissenschaftler hatten linke, rechte und islamistische Extremisten zu ihrem Hintergrund befragt. Ergebnis: Mehr als die Hälfte von ihnen hatten Probleme in der Schule oder keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Rechts- oder linksextrem oder Salafist - reiner Zufall

Letztendlich sei es reiner Zufall, in welcher Art von Extremismus solche abgehängten jungen Menschen landeten, so die Erkenntnis. Das bestimmte mehr das jeweilige Umfeld und weniger konkrete Überzeugungen.

In dieselbe Kerbe schlug Göring-Eckhardt: "Salafisten sind manchmal die besseren Sozialarbeiter." Die Radikalen gäben Menschen, die sich verloren fühlten, eine Heimat, ein Gefühl, etwas wert zu sein. Und missbrauchten später deren Vertrauen, um Hass zu schüren. Da müsse man präventiv ansetzen: "Wir brauchen mehr Islamunterricht an deutschen Schulen und wir müssen hier auch Imame ausbilden."

Nicht genug Abgrenzung

Die friedliche Mehrheit der Muslime täte zu wenig, um den Fundamentalisten entgegen zu treten, warf Journalist Schreiber El-Yazidi vom Zentralrat der Muslime vor: "Auf Ihrer Webseite gibt es keinen einzigen Hinweis zu radikalen Muslimen." Das stimmte jedoch nicht ganz, denn am Montag stand ein Kommentar des Vorsitzenden Aiman Mazyek ganz oben, der sogar direkt auf den Titel der Plasberg-Sendung Bezug nahm.

Historiker Wolfssohn drängte El-Yazidi in einer hitzigen Diskussion immer wieder in die Defensive. Anders als Christen und Juden hätten sich die Muslime nicht von den frühen, teils sehr gewalttätigen heiligen Schriften gelöst: "Das ist das Problem." Ohnehin sei der Zentralrat der Muslime nur eine von vielen Stimmen im Islam. Das bestritt El-Yazidi auch gar nicht: "Wir haben genau so große Probleme, Zugänge zu schaffen, wie andere auch." In bestimmten Foren von radikalen Muslimen im Netz würden Namen von Imamen aufgeführt, vor denen man nicht beten dürfe, weil sie Ungläubige seien.

Problem ist nicht die Religion

Trotz einiger Differenzen fand die Runde einen gemeinsamen Nenner: Fundamentalismus ist das Problem, nicht die Religion. Ein besonnener BKA-Chef fasste treffend zusammen: "Ich bin dankbar, wenn wir weniger darüber reden, wie man sich distanziert, sondern auch darüber, wie man sich engagiert." Glaubt man Ex-Salafist Schmitz, wird es dafür höchste Zeit. Denn Salafisten, gab er zu Protokoll, seien heute viel radikaler als früher.

 

 

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