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Wahlen 2017: Experte: "Wird der letzte traditionelle Wahlkampf sein"

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Politikprofessor warnt  

"2017 wird der letzte traditionelle Wahlkampf sein"

16.12.2016, 14:19 Uhr | Sebastian Bronst, AFP

Wahlen 2017: Experte: "Wird der letzte traditionelle Wahlkampf sein". Das Internet ist aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Aber soziale Netzwerke bergen auch Gefahren für die Demokratie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Internet ist aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Aber soziale Netzwerke bergen auch Gefahren für die Demokratie. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Werden die Wahlen künftig in den sozialen Netzwerken entschieden? Der Münchener Politikwissenschaftler Simon Hegelich geht zumindest davon aus, dass gezielte Wählerbeeinflussung über diese Kanäle demokratische Prozesse auch in Deutschland schon bald gravierend verändern wird.

"2017 wird der letzte traditionelle Wahlkampf sein", ist Hegelich überzeugt. Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA habe gezeigt, wie wichtige Teilgruppen der Wählerschaft oder sogar einzelne Wähler mit speziell auf ihr Persönlichkeitsprofil zugeschnittenen Botschaften angesprochen werden könnten, indem auf soziale Netzwerke und sogenannte Big-Data-Analysen zurückgegriffen werde.

Die heutige Technologie erlaube es, Kommunikations- und Wahlkampfstrategien nicht mehr allgemein auf die Mehrheit der Bevölkerung zuzuschneiden. Stattdessen könne man das Verhalten von Menschen durch sogenanntes Nudging (etwa: Anstupsen durch subtile Botschaften) "auf der Mikroebene" ändern und die für den eigenen Erfolg zentralen Gruppen jeweils separat ins Visier nehmen, so Hegelich. Mit solchen Strategien "kann ich die Ungleichheiten, die ein Wahlsystem bietet, plötzlich gezielt für mich nutzen." Damit gehe das Risiko großangelegter Manipulationskampagnen einher.

Allerdings betonte der Professor für Political Data Science an der Technischen Universität München, dass solche Ansätze nicht leicht umzusetzen seien. Experten für die Wählerbeeinflussung durch Social Media und Big Data seien sehr teuer. Er gehe auch deshalb davon aus, dass sie im Wahlkampf der deutschen Parteien für 2017 keine entscheidende Rolle spielen. 

Welche Beeinflussungsmethoden gibt es?

Plattformen wie WhatsApp, Twitter oder Facebook sind für viele Menschen ein zentraler Umschlagplatz für Informationen. Das schafft neue Möglichkeiten, um manipulativ in politische Prozesse einzugreifen.

Eine Variante besteht darin, Meinungsbilder durch Social Bots zu verzerren und falsche Nachrichten zu streuen. Komplexere Möglichkeiten bieten neue Methoden zur gezielten Wähleransprache in sozialen Netzwerken. Außerdem erweitert das Internet das Arsenal der Informationskriegsführung, etwa durch Datendiebstahl und kompromittierende Hacks.

Wie arbeiten Social Bots?

Social Bots sind kleine Hilfsprogramme, die automatisch Nachrichten bei Twitter oder anderen sozialen Netzwerken absetzen. Sie eignen sich unter anderem dazu, jede Wortmeldung sofort mit Gegen-Tweets zu beantworten oder massenhaft Propaganda ins Netz zu speisen.

Dadurch können sie irreführende Informationen verbreiten oder einen falschen Eindruck der Stimmung erzeugen. "Sie verzerren Trends", erläutert Simon Hegelich. Generell aber hält er sie für überschätzt. Meist seien es Spam-Schleudern. "Die beeinflussen niemanden."

Was ist mit den Persönlichkeitsprofilen?

Weltweit für Schlagzeilen sorgt derzeit das Unternehmen Cambridge Analytica, das durch Wählerdatenanalysen und individuelle psychologische Kategorisierung Profile von Millionen US-Bürgern erstellt, diese per Internet gezielt mit Wahlwerbung versorgt und so die Kampagne von Donald Trump unterstützt haben soll. Experten warnen vor den Folgen solcher Methoden.

Sie ermöglichen es, Wähler nach Persönlichkeitsmerkmalen zu sortieren und gezielt mit politischen und emotionalen Botschaften zu mobilisieren - oder nur zu verunsichern. So lassen sich Gräben in einer Gesellschaft viel zielgerichteter ausnutzen. "Auch eine Wahl ist heute käuflich", meint Hegelich. Extremere gesellschaftliche Frontstellungen wie in den USA ließen sich aber nicht aus dem Nichts schaffen, sie entstünden aufgrund realer politischer oder ökonomischer Faktoren. "Das haben wir in Deutschland so nicht."

Wie groß ist die Gefahr durch Hacker?

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen warnt vor möglichen russischen Attacken. Im politischen Bereich gebe es "eine zunehmend aggressive Cyberspionage", betont er. Aber auch andere Akteure verfügen über die nötigen Mittel. Wie schon im US-Wahlkampf, wo Hacker E-Mails von Trumps Rivalin Hillary Clinton veröffentlichten, könnten Geheimdienste oder Aktivisten eine Seite mit erbeutetem Material schwächen.

Welche Rolle spielen Fake-News?

"Das geänderte Informationsverhalten der Nutzer in sozialen Netzwerken ist ein ideales Einfallstor für gezielte Desinformation", sagt Maaßen. Für dubiose Nachrichtenportale, bezahlte Propagandatrolle oder radikale "Wutbürger" ist es leicht, gefälschte Studien oder erfundene Zitate zu verbreiten, wo sie in sozialen Netzwerken einen "Nährboden" finden und ihre Wirkung unter Gleichgesinnten "wie in einer Echokammer" verstärken, erklärt der Hamburger Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt.

Dem Experten des Hans-Bredow-Instituts zufolge weicht heute ein "substanzieller Teil der Bevölkerung" aufgrund eines Vertrauensverlusts in etablierte Institutionen auf Informationskanäle aus, in denen es um "Empörungsdiskurse" statt faktenbasierte Diskussionen geht. Fake-News könnten diesen Vertrauensverlust verstärken - auch dadurch, dass sie generell Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit von Informationen säten. Soziale Netzwerke drückten sich vor der Verantwortung. "Das ist gefährlich."

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