13.01.2013, 13:12 Uhr | AFP
Bonner-Bombe: Vom möglichen Bombenleger wurde ein Haar entdeckt. Indessen wachsen Zweifel an islamistischem Hintergrund. (Quelle: dpa)
Im Fall des Sprengsatzes vom Bonner Hauptbahnhof werden immer mehr Details bekannt, die wiederum neue Fragen aufwerfen. Inzwischen gibt es sogar Zweifel an einem terroristischen Hintergrund für den gescheiterten Anschlagsversuch.
Die vor einem Monat auf einem Bahngleis des Bonner Hauptbahnhofs abgestellte Bombe hätte nach einem Zeitungsbericht gar nicht explodieren können. "Die Bombe war nicht sprengfähig, weil ein Zünder fehlte", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" einen hohen Sicherheitsbeamten. Bei den Ermittlungen wachsen laut einem "Spiegel"-Bericht zudem die Zweifel an einem islamistischen Hintergrund.
Auf dem Bonner Hauptbahnhof hatte am 10. Dezember ein Unbekannter eine Sporttasche mit einem Sprengsatz abgestellt. Dieser explodierte nicht, die Bombe wurde von Experten zerstört. Der Täter ist auch einen Monat nach dem Anschlag noch nicht identifiziert. Wichtige Hinweise lieferte die Videoaufnahme einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants am Bahnhof. Darauf zu sehen ist ein bärtiger Mann mit Mütze und Handschuhen, den die Ermittler derzeit im Verdacht haben, der Bombenleger zu sein.
Bislang waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die Bombe tatsächlich hätte detonieren können. Sie sei nur wegen eines Baufehlers nicht explodiert. Darauf hätten ein niedriger Ladestand der Batterien und Schmauchspuren an der Tasche hingewiesen, in der die Bombe transportiert worden war.
Bei der Suche nach den Tatverdächtigen führten dem "FAS"-Bericht zufolge die Spuren in die radikalislamistische Bonner Szene bisher nicht weiter. Es werde davon ausgegangen, dass die Bundesanwaltschaft den Fall in den kommenden Wochen wieder abgeben werde. Diese hatte im Dezember den Fall wegen des Verdachts übernommen, dass es sich um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer radikalislamischen terroristischen Vereinigung handeln könne. Das Bundeskriminalamt (BKA) wurde mit den Ermittlungen beauftragt.
Laut "Spiegel" wachsen die Zweifel, ob die Täter tatsächlich in der islamistischen Szene zu finden sind. Das BKA habe die Ermittlungen "in alle Richtungen" ausgeweitet, berichtete das Magazin unter Berufung auf einen vertraulichen Lagebericht. Die Bundesanwaltschaft habe inzwischen das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet, um mögliche Spuren in die rechtsextreme Szenen zu ermitteln. Denkbar sei aber auch ein unpolitisches Motiv, etwa eines Erpressers oder einer "psychisch erkrankten Person".
Aufschluss über den möglichen Täter erhoffen sich die Ermittler nach einem Bericht der "Welt" durch ein am Tatort gefundenes Haar. Dieses sei in der blauen Sporttasche entdeckt worden, in der die Bombe versteckt war, berichtete die Zeitung. Dem Bericht zufolge handelt es sich um das Haar eines hellhäutigen, männlichen Europäers oder Nordamerikaners. Es sei ersten Untersuchungen zufolge offenbar blond gefärbt worden. Ob es sich für eine DNA-Analyse eignet, sei bislang unklar. Die Ermittler gingen davon aus, dass das Haar von dem Bombenleger stamme.
Bundesanwaltschaft und BKA wollten sich auf Anfrage zu den Berichten nicht äußern. Sprecher beider Behörden verwiesen auf Anfrage auf die laufenden Ermittlungen.
Quelle: AFP
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