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Maybrit Illner: Özdemir wirft Merkel "Wahlkampf für Erdogan" vor

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Außenpolitik bei "Illner intensiv"  

Özdemir wirft Merkel "Wahlkampf für Erdogan" vor

07.09.2017, 09:31 Uhr | David Heisig, t-online.de

Maybrit Illner: Özdemir wirft Merkel "Wahlkampf für Erdogan" vor. Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. (Quelle: dpa)

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. (Quelle: dpa)

"Die Welt ist aus den Fugen geraten. " In Runde zwei von "Illner intensiv" geht es um Außenpolitik. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die Türkei und Erdogan.

Die Gäste

  • Katja Kipping, (Die Linke), Parteivorsitzende
  • Cem Özdemir (B‘90/Die Grünen), Spitzenkandidat zur Bundestagswahl
  • Peter Altmaier (CDU), Kanzleramtsminister

Das Thema

Zum Start passte eine kleine Collage von Politikeraussagen mit dem immer gleichen Tenor: „Die Welt ist aus den Fugen geraten.“ Zum Wort gemachte Ratlosigkeit, wie Illner befand. Wie aus einer solchen wieder Politik werden könne, entwarf sie für ihre Gäste, nicht ohne Grund Kandidaten genannt, die Ausgangsfrage. Denn die waren Teilnehmer eines Assessment-Centers, einer Prüfhölle für zukünftige Leistungsträger. Geprüft wurde in drei Bereichen: Türkei, Nordkorea und Putin. Im Hintergrund tickte die Zeit. Alle drei hatten ein nur begrenztes Zeitkonto, mussten schnell antworten.

Die Fronten

Das fiel ihnen stellenweise schwer. Zu oft kitzelte es sie, auf Kommentare des jeweils anderen direkt zu antworten. Dabei wollte Illner ihre Themen abgehandelt wissen. Das tat man auch. Wobei es über schon Bekanntes aus den Parteiprogrammen und in der Öffentlichkeit Gesagtes nichts Neues von den Kandidaten gab. Beispiel Türkei: Kipping betonte, die Wende von Martin Schulz und Angela Merkel im TV-Duell sei „nur bedingt glaubwürdig“. Die militärische Zusammenarbeit mit der Türkei müsse beendet werden. Mit Präsident Recep Erdogan könne es keinen EU-Beitritt geben, aber vielleicht mit der türkischen Opposition.

Özdemir forderte eine gemeinsame europäische Linie – wie er es im Übrigen für alle Themenkomplexe des Abends tat – und das Zudrehen von Geldhähnen. So müssten die Hermes-Bürgschaften für riskante Exporte auf Eis gelegt werden. Ein Aussetzen der EU-Beitrittsverhandlungen dagegen sei „ein Muster ohne Wert“, da es zum EU-Beitritt ohnehin nicht käme. Sprach’s und drehte sich energisch zu Altmaier um. Der konnte nur in das gleiche Horn wie seine Chefin blasen. Abbruch der Verhandlungen sei EU-Sache.

Aufreger des Abends

In dieser Talkshow fielen keine Politikerinnen übereinander her oder verließen entrüstet das Studio. Ein wenig hoch kochte die Stimmung dann und wann aber schon. Etwa als Kipping, vielleicht ermutigt durch Özdemir, der eine ähnliche Position vertrat, Altmaier zur Türkei anging: „Die militärische Zusammenarbeit wollen sie nicht beenden?“ Der Unions-Mann stammelte etwas vom geostrategischen Interesse Europas. Özdemir legte nach. Man dürfe in den Forderungen an Erdogan keine Abstriche bei den Menschenrechten machen, nur weil es den Flüchtlingsdeal gebe. Das „Reiseprogramm der Kanzlerin“ habe dabei aber wie „Wahlkampf für Erdogan“ gewirkt, so der Grüne.

Altmaier konterte, der Deal sei vor allem zum Wohl der Flüchtlinge abgeschlossen worden. Ob das diplomatisch oder scheinheilig sei, fragte Illner provokant. Altmaier schluckte. Punkte dagegen sammelte er, als er Kipping die Forderung ihrer Partei unter die Nase rieb, die NATO aufzulösen. Das sei „in einer Welt voller Krisen unverantwortlich“. Das „2%-Ziel“ der EU in Bezug auf das Bündnis, dessen Bestätigung die Bundesregierung „am Parlament vorbei“ beschlossen habe, bedeute jährliche Mehrausgaben für Rüstung von 35 Milliarden Euro, so die Linke. „Sie sollten diese Debatte nicht mit Lügen führen“, echauffierte sich Altmaier und rechnete anders. Zwei bis drei Milliarden bis 2024 hätten mit Aufrüstung nicht zu tun.

Illner-Moment

Illner blieb Herrin der Lage. Wie bei einem Schachspiel, bei dem man durch Drücken der Stoppuhr den Gegner zum Handeln zwingt, forderte sie zielgerichtet Antworten ein. Schade nur, dass dadurch nicht viel Diskussion entstand. Emotionale Ausbrüche konnten sich die Beteiligten nicht leisten, weil Illner sie immer wieder einfing. Jedenfalls beinahe. Stellenweise schimmerte ein wenig Reibung durch und Illner musste – ganz Politik-Talkerin und nicht Prüferin – ihre Gäste gewähren lassen. Etwa als Kipping und Özdemir über Auslandseinsätze der Bundeswehr streiten wollten. Ob die es nicht wert gewesen sei, wenn Chemiewaffen aus Syrien rausgeholt wurden, so der Grüne. Die Pazifistin konterte: Der Krieg gegen den Terror habe nichts gebracht. Es gebe mehr gewaltbereite Terroristen denn je, so Kipping. Zeitkonto voll? Geschenkt.

Was vom Abend blieb

Brächte man das Thema Außenpolitik mit dem Attribut staatsmännisch in Relation und würde man daran die Kandidaten messen, wäre Özdemir am besten weggekommen. Er war fokussiert, hatte Zahlen parat und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Kipping wirkte stellenweise unsicher, sprach viel mit ihren Armen und wirkte zwischen den Politik-Alt-Hasen ein wenig gehemmt. Altmaier bewies erneut, dass er keine Rampensau ist. Eher der Mann hinter den Kulissen, der versucht, Inhalte seiner Kanzlerin zu verkaufen. Das tat er mit einer erstaunlichen Portion Aufgeregtheit. Dass er vom Publikum den meisten Szenenapplaus bekam, musste Balsam für seine Seele sein.

Die Sendung war knackig, kurzweilig, weil den Protagonisten nicht viel Zeit zur Antwort blieb. Die schnellen Themenwechsel ermöglichten dem Zuschauer eine Weltreise in 30 Minuten. Nur: war das intensiv? Erleben Touristen aus Fernost, die in drei Tagen Amsterdam, Neu-Schwanstein und Wien sehen Europa intensiv? Wohl kaum.

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