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Atommülllager Asse: Asche von verstrahlten Leichen gefunden

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Atommülllager Asse  

Offenbar Asche von verstrahlten Arbeitern eingelagert

09.10.2009, 09:19 Uhr | dpa

Im Atommülllager Asse lagern nicht nur Brennstäbe, offenbar wurde auch Asche von verstrahlten Arbeitern hier aufbewahrt (Quelle: AP)Im Atommülllager Asse lagern nicht nur Brennstäbe, offenbar wurde auch Asche von verstrahlten Arbeitern hier aufbewahrt (Quelle: AP)

Im Atommülllager Asse wurden einem Medienbericht zufolge auch die Asche von verbrannten Leichenteilen eingelagert. Dies berichtet die Online-Ausgabe des "Stern". Dem Bericht zufolge wurden den Leichen zweier Mitarbeiter des AKW Gundremmingen, die im November 1975 bei einem Unfall durch heißen radioaktiven Dampf tödlich verletzt wurden, bei einer Obduktion Organe entnommen.

Diese seien später offenbar in einer Anlage des Kernforschungszentrum Karlsruhe verbrannt worden, berichtet der "Stern". Die Asche habe man in das Atommülllager Asse gebracht.

Organe entnommen

Dem Magazin liegt nach eigenen Angaben das Obduktionsprotokoll vor, nach dem einem Kraftwerksschlosser Teile von Lunge, Haut und Hirnhaut und dem zweiten verunglückten Schlosser Schilddrüse, Nieren und Teile von Leber und Milz entnommen wurden. Die radioaktive Belastung der Organe habe allerdings die zulässigen Grenzwerte nicht erreicht, heißt es in dem Bericht. Sie seien zur Untersuchung der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GsF) übergeben worden, die seinerzeit auch Betreiber des Atommülllagers Asse gewesen sei.



Als "klinische Abfälle entsorgt"

Die Leichenteile hätten bis 1976 bei der GsF, dem heutigen Helmholtz-Zentrum München, gelegen und seien dann als "klinische Abfälle" entsorgt worden, heißt es in den Bericht weiter. Alle klinischen Abfälle der GsF seien seinerzeit in einer Anlage des Kernforschungszentrum Karlsruhe entsorgt worden. Das Helmholtz-Zentrum München äußerte sich zu dem Bericht zunächst nicht. Ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz sagte, man habe keine Erkenntnisse über die Einlagerung von menschlichen Überresten in der Asse. Man gehe aber den veröffentlichten Hinweisen nach.

Künast: "Mafiöse Strukturen"

Die Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast erklärte, der Bericht über menschliche Überreste in der Asse lasse sie fassungslos zurück. Sie traue dem atomaren Filz einiges zu, "aber das übersteigt meine Vorstellungskraft", sagte sie. Wer in diesem Land noch von einer Zukunft für die Atomkraft rede, stelle sich schützend vor mafiöse Strukturen.

Laugenzutritt gestiegen

Und noch ein weiterer Zwischenfall im ohnehin umstrittenen Atommülllager beschäftigt die Behörden. Der Zufluss von Salzlauge in die Asse hat sich in kurzer Zeit um ein Zehntel erhöht. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) wurde am Freitag an der Hauptzutrittsstelle der Grube ein täglicher Zustrom von 11,4 Kubikmetern gemessen, dies war ein Kubikmeter mehr als am Vortag. Daraufhin habe man den Zufluss stündlich gemessen, sagte ein BfS-Sprecher in Salzgitter. Bis Freitagnachmittag sei er konstant geblieben. Der erhöhte Laugenzufluss in 658 Metern Tiefe habe "nach derzeitiger Einschätzung keine sicherheitstechnischen Auswirkungen", betonte der Sprecher. Ähnliche Zuflussmengen seien an der gleichen Stelle zuletzt 2003 gemessen worden. Ein unkontrollierter Einbruch von Wasser gilt als die größte Gefahr für die Grube.

Bergbehörden sind alarmiert

Besorgt äußerten sich die niedersächsischen Bergbehörden über die erhöhten Zuflussmengen. Die Bergaufsicht nehme die Steigerung des Zuflusses sehr ernst, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover. Es habe in der Vergangenheit zwar öfter Schwankungen der Zuflussmengen gegeben, aber noch nie binnen 24 Stunden einen Anstieg um zehn Prozent. Eine weitere plötzliche Steigerung sei nicht auszuschließen. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz wird der Laugenzufluss weiter von Fachleuten beobachtet und sicherheitstechnisch bewertet. In dem ehemaligen Salzbergwerk gibt es neben dem Zufluss in 638 Meter Tiefe noch zwei weitere Zutrittsstellen, über die täglich weiter 1,3 Kubikmeter Lauge eindringen.

Nachbargruben mussten aufgegeben werden

Die Herkunft der Zuflüsse in das Atommülllager ist ungeklärt. BfS-Präsident Wolfram König hatte eine schnelle Erhöhung des Laugenzuflusses zwar stets als unwahrscheinlich bezeichnet, aber auch nicht ausgeschlossen. Zwei Nachbargruben des Bergwerks Asse II, in dem sich das Atommülllager befindet, mussten einst wegen unbeherrschbarer Wasserzuflüsse aufgegeben werden.

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