10.06.2010, 11:47 Uhr | dpa, t-online.de
Oskar Lafontaine wirft dem Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck vor, er befürworte Sozialabbau (Foto: dpa)
Der frühere Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, hat den rot-grünen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck, scharf angegriffen. "Offenbar weiß die SPD immer noch nicht, was sie will, und präsentiert einen Mann, der Sozialabbau befürwortet", sagte Lafontaine in der "Süddeutschen Zeitung".
In der "Süddeutschen" sagte Lafontaine, Gauck habe gerade erst den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für die sozialen Einschnitte gelobt und praktisch eine Neuauflage der Agenda 2010 und der Hartz-IV-Gesetzgebung gefordert. "Ein solcher Mann ist für Hartz-IV-Empfänger oder Menschen mit niedrigen Renten und Löhnen als Bundespräsident unzumutbar."
Die frühere Tätigkeit Gaucks als Chef der Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Verbrechen in der DDR sprächen für ihn nicht gegen Gauck. "Die Aufklärung der Stasi-Vergangenheit war nach der Wende erforderlich. Die Stasi war eine Krake. Heute sollte aber zählen, was ein Mann zu wichtigen politischen Fragen zu sagen hat", so Lafontaine in der SZ.
Gauck kenne die soziale Dimension der Freiheit nicht. "Was er unter Freiheit und Aufklärung versteht, da stehen mir die Haare zu Berge." Lafontaine stellte in der Zeitung klar, dass aus seiner Sicht Gauck wegen seiner Positionen für die Linke auch in einem möglichen zweiten oder dritten Wahlgang nicht wählbar sei.
Gauck machte derweil deutlich, dass er nicht mit einem Sieg bei der Wahl am 30. Juni rechnet, obwohl er in Umfragen auf größere öffentliche Zustimmung stößt als der Unionskandidat Christian Wulff. Dazu bedürfe es eines Wunders, sagte Gauck als Gast bei einer Veranstaltung des konservativen SPD-Flügels Seeheimer Kreis am Dienstagabend. "Es ist vermessen, wenn sich Menschen auf Wunder einrichten. Dann geht's schief."
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Wulff sieht derweil seine Wahl trotz des heftigen Streits in der Koalition nicht gefährdet. "Ich bin sehr, sehr zuversichtlich (...), dass wir eine breite Mehrheit bekommen", sagte er am Mittwochabend in der ARD.
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Quelle: dpa, t-online.de
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