12.05.2011, 10:30 Uhr | dapd, dpa, AFP
Plagiatsvorwürfe erhärtet: Silvana Koch-Mehrin hat in ihrer Dissertation wohl abgeschrieben (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Nach Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit tritt Silvana Koch-Mehrin von ihren politischen Führungsämtern zurück. Die Politikerin war bislang Vorsitzende der FDP-Delegation und eine der Vizepräsidentinnen im Europäischen Parlament. Zudem war sie Präsidiums-Mitglied der FDP.
Diese Ämter werde sie "mit sofortiger Wirkung" niederlegen, erklärte Koch-Mehrin am Mittwochabend in Brüssel. Nach Angaben ihres Pressesprechers will die Politikerin aber Abgeordnete im Europäischen Parlament bleiben.
"Ich hoffe, meiner Partei den Neuanfang mit einem neuen Führungsteam zu erleichtern", erklärte die 40-Jährige. "Ich möchte mit diesem Schritt auch verhindern, dass meine gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet wird."
Die Universität Heidelberg, wo Koch-Mehrin ihre Doktorarbeit zum Thema "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" verfasst hatte, wird der Politikerin offenbar ihren Doktortitel aberkennen. Die Hochschule habe ein förmliches Entziehungsverfahren gegen Koch-Mehrin eingeleitet, meldete der "Tagesspiegel" unter Berufung auf Kreise der Universität.
Der liberalen Spitzenpolitikern soll laut einem Zeitungsbericht wegen Abschreiben ohne Quellenangabe der Doktortitel aberkannt werden. zum Video
Grund seien mehrere festgestellte Plagiate in ihrer Dissertation zum Fach Wirtschaftsgeschichte, die als erheblicher Regelverstoß gewertet würden. Die Verleihung der Doktorwürde sei damit rechtswidrig gewesen und könne zurückgenommen werden.
Derzeit erwarte der zuständige Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät eine Stellungnahme Koch-Mehrins zu den Vorwürfen, meldet die Zeitung. Dazu sei man laut Promotionsordnung verpflichtet, bevor der Titel aberkannt werde. Man sei aber bereits im förmlichen Entzugsverfahren.
Nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen Promotionsausschusses und Dekans der Philosophischen Fakultät, Manfred Berg, ist mit einer "Entscheidung in der Sache" aber nicht vor Ende Mai, Anfang Juni zu rechnen. Laut ihres Sprechers sei Koch-Mehrin verärgert, dass Einzelheiten aus dem laufenden Prüfungsverfahren an die Öffentlichkeit gelangt seien.
Der Sprecher geht zudem nicht davon aus, dass die 40-Jährige am FDP-Bundesparteitag am Wochenende in Rostock teilnehmen wird. Mit ihrem Rücktritt sei ihre Mitgliedschaft im Vorstand und Präsidium der Partei entfallen. Er glaube nicht, dass sie sich dort als Gast anmelden werde.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte in Berlin, die FDP nehme die Entscheidung Koch-Mehrins "mit Respekt zur Kenntnis" und danke ihr "für ihren langjährigen Einsatz für die liberale Sache".
Koch-Mehrin sitzt seit 2004 für die Liberalen im Europaparlament. Einem breiten Publikum wurde die Wirtschaftswissenschaftlerin und Historikerin bekannt, als sie sich 2006 für den "Stern" mit nacktem Baby-Bauch ablichten ließ. Die dreifache Mutter war auch häufig zu Gast in Talkshows.
Quelle: dapd, dpa, AFP
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