10.11.2012, 19:02 Uhr | t-online.de, AFP
Harsche Kritik an der eigenen Partei. Der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg, Ole von Beust, ledert mächtig gegen die CDU los.
Nach dem Bundestagsvotum für das Betreuungsgeld wirft von Beust der Partei Rückständigkeit vor. Anders als die Grünen beziehe die Union ihre Zukunftsvisionen nach wie vor aus der Zeit des kalten Krieges und gebe die Antwort auf Fragen, die keiner mehr stelle.
Der CDU fehle der Respekt insbesondere vor großstädtischen Realitäten, sagte er im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
Das am Freitag mit den Stimmen der Koalition beschlossene Betreuungsgeld sei ein "fatales Symbol", weil es vor allem in Großstädten "völlig an der Lebenswirklichkeit der Leute vorbeigeht". Denen gehe "es doch vielmehr um die Fragen: Wie hoch sind die Kita-Preise? Wie lange die Wartezeiten? Wo ist die beste Kita?", sagte von Beust.
Zudem interessiere sich heute kaum mehr einer für den Anti-Kommunismus der CDU. Im "andauernden Widerstand der Partei gegen die Anerkennung von schwulen Partnerschaften oder in der Rede davon, dass Deutschland kein Einwanderungsland" sei, sieht der 57-Jährige überkommene Reflexe seiner Partei. Von Beust selbst bekannte sich spät zu seiner Homosexualität und der Beziehung zu einem jungen Mann.
Aus Angst vor dem Vorwurf, den konservativen Kern der Partei zu verraten, würden viele Dinge, "die man zeitgeistig nennen mag", nicht gemacht, "obwohl manche hinter vorgehaltener Hand sagen, eigentlich wäre es vernünftig", so ein weiterer Vorwurf von Beusts.
Quelle: t-online.de, AFP
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