15.07.2013, 13:17 Uhr | dpa
Hunderte Berliner sind am Wochenende gegen eine Bustour der NPD zu mehreren Flüchtlingsheimen auf die Straße gegangen. Auch Bundespräsident Joachim Gauck setzte ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit: Er nahm am Sonntag demonstrativ an einem evangelischen Gottesdienst im Berliner Ortsteil Hellersdorf teil. Dort gibt es Widerstand gegen ein geplantes Flüchtlingsheim.
"Es gibt Dinge, die sich mehren, wenn wir sie teilen, zum Beispiel Liebe und Mitgefühl", sagte Gauck nach Angaben von Teilnehmern nach dem Gottesdienst zur Gemeinde. "Wir sind immer mehr als die Rechtsradikalen, und wir müssen immer mehr sein als die Ängstlichen."
Bei den Demonstrationen am Samstag stellten sich mehrere Hundert Menschen immer wieder einem Wagen mit rund 15 NPD-Anhängern in den Weg. Die Fahrt geriet mehrfach ins Stocken, die erste Station in der Nähe eines Flüchtlingscamps im Stadtteil Kreuzberg wurde von der NPD kurzfristig ganz abgesagt.
Laut Polizei verliefen die Aktionen weitgehend ohne Zwischenfälle. Neun Gegendemonstranten wurden vorläufig festgenommen - etwa wegen Beleidigung von Beamten oder Farbbeutel-Würfen, wie ein Polizeisprecher sagte. Am Samstag war zunächst von elf Festnahmen die Rede gewesen.
Seit Tagen wird in Berlin über die Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert. Am Dienstag hatten bei einer Bürgerversammlung in Marzahn-Hellersdorf Zeugenberichten zufolge NPD-Anhänger Stimmung gegen ein dort geplantes Flüchtlingsheim gemacht.
Auch bei der Bustour am Samstag verbreiteten die Rechtsradikalen mehrfach fremdenfeindliche Parolen. In Marzahn-Hellersdorf wurden sie von rund 800 Menschen mit Sprechchören wie "Haut ab!" empfangen. Einige Gegendemonstranten warfen Schuhe, Bananenschalen und Eier auf die NPD-Anhänger, die sich mit Regenschirmen vor den Attacken schützten.
In Reinickendorf, Charlottenburg und Marienfelde protestierten ebenfalls hunderte Menschen gegen den Aufmarsch.
"Wir wollen sagen, dass Flüchtlinge willkommen sind", erklärte die Fraktionschefin der Bundestags-Grünen, Renate Künast, die mit vor Ort war. In Berlin sei es seit Jahren gute Tradition, sich dagegen zu stellen, wenn Nazis die Straße erobern wollten.
15.07.2013, 13:17 Uhr | dpa
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