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Horst Seehofer über WDR-Journalisten: "Die müssen raus aus Bayern"

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Seehofer gegen Preißn

"Die müssen raus aus Bayern"

27.08.2013, 10:40 Uhr | Von Björn Hengst, Spiegel Online

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (Quelle: imago)

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (Quelle: imago)

Horst Seehofer hat ein zwiespältiges Verhältnis zu Journalisten: Mal dürfen sie "alles senden", mal sind sie "wie Bluthunde". Über WDR-Reporter hat sich der bayerische Ministerpräsident jetzt nach echter Gutsherrenart aufgeregt. Chefredakteur Jörg Schönenborn reagierte kühl.

Ein Holztisch mit Hockern auf einer Wiese der Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld, zwei Gläser Wasser und dazu Horst Seehofer, der sich über weite Strecken im Plauderton mit ZDF-Mann Thomas Walde unterhält: Es waren beschauliche Bilder zum Sommerinterview mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef, die der Sender am Sonntagabend ausstrahlte. Seehofer wirkte entspannt und gut gelaunt. Auch wenn Walde Fragen zu der für die CSU eher lästigen Verwandtenaffäre stellte, blieb der 64-Jährige gelassen.

Dass er auch anders kann, zeigte Seehofer dagegen zuletzt in Würzburg. Es gab in diesem Fall zwar keine Fernsehkamera, die auf den bayerischen Regierungschef gerichtet war. Aber nach der Wahlkampfveranstaltung "Seehofer direkt" standen zwei Journalisten der "Main-Post" neben ihm. Sie notierten seine Worte, über die jetzt selbst Seehofers Koalitionspartner, die FDP, empört ist. Die Liberalen sprechen von einem "unerhörten Vorgang" und werfen den Christsozialen Selbstherrlichkeit vor.

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Nur fünf Wörter hat der Satz, der Seehofer wie einen Politiker erscheinen lässt, der nach Gutsherrenart zu entscheiden können glaubt, wer sich in seinem schönen Freistaat bewegen darf und wer nicht: "Die müssen raus aus Bayern." Diesen Satz sagte Seehofer dem Zeitungsbericht zufolge über ein WDR-Team, das für das ARD-Politmagazin "Monitor" drehte und dessen Redaktion in Köln sitzt. Offenbar war er verärgert über das Vorgehen der Journalisten.

Unbequeme Fragen, barsche Antworten

Das WDR-Team war vergangenen Freitag nicht wegen Seehofer nach Würzburg gekommen. Vielmehr wollten sie Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) zu einem Bericht des Obersten Bayerischen Rechnungshofes befragen, den die Behörde wegen der Verwandtenaffäre erstellt hatte. Die Angelegenheit hatte bereits eine Vorgeschichte: Telefonischen Anfragen von WDR-Journalist Stephan Stuchlik war Stamm nach dessen Angaben zuvor ausgewichen, schließlich habe sie abgesagt, weil sie die Sorge habe, in einem falschen Licht dargestellt zu werden. So sagte es Stuchlik SPIEGEL ONLINE.

Der WDR-Mann fuhr dennoch mit seinem Team nach Würzburg, wo Stamm am Freitag bei dem Seehofer-Termin erwartet wurde. Die ARD-Journalisten waren ordnungsgemäß akkreditiert, gingen nach eigenen Angaben auf Stamm zu und baten die CSU-Politikerin um die Beantwortung zweier Fragen. Stamm sagte, das Team sei mit laufender Kamera auf sie zugekommen, ohne vorher um ein Interview zu bitten. Stamm habe daraufhin "unwirsch" reagiert und erklärt, dass dies "kein guter Stil" sei, sagt Stuchlik. Die CSU-Politikerin hat sich zuletzt vehement dagegen gewehrt, die Namen von Abgeordneten zu nennen, deren Finanzgebaren vom Obersten Rechnungshof kritisiert worden waren. Betroffen sind - wie zuletzt auch in der Verwandtenaffäre - unter anderem auch Politiker der CSU.

"Selbstherrliches Denken"

Seehofer wurde in Würzburg offenbar darüber informiert, was sich am Rande der Wahlkampfveranstaltung abgespielt hatte. Jedenfalls kam er irgendwann in den Hof des Veranstaltungslokals Luisengarten und fragte nach den WDR-Leuten, die zu dem Zeitpunkt nicht mehr dort waren. "Das geht so nicht", sagte Seehofer laut der "Main-Post" über das Auftreten der WDR-Journalisten. Er werde sich sofort darum kümmern. Und dann folgte der Satz: "Die müssen raus aus Bayern."

Der bayerische Ministerpräsident, der vor seinem Auftritt in Würzburg bereits in Kinzingen aufgetreten war und einen anstrengenden Wahlkampftag hinter sich hatte, sei in dem Augenblick "richtig genervt" gewesen, sagte Henry Stern, einer der beiden Autoren des "Main-Post"-Artikels, SPIEGEL ONLINE. Dann war Seehofer zusammen mit seinen CSU-Begleitern auch schon wieder weg.

Der Vorfall sorgt für Ärger, auch bei der FDP, dem Koalitionspartner der CSU. Sollten die Berichte zutreffen, "wonach Horst Seehofer die Berichterstattung des ARD-Politmagazins 'Monitor' beeinflussen wollte, ist das ein unerhörter Vorgang", erklärte Bayerns FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß. Ein weiteres Mal zeige sich "das selbstherrliche Denken einer Partei, die politische Macht viel zu lange als ihr Eigentum betrachtet hat".

WDR-Chef: "Auch in Bayern gilt die Rundfunkfreiheit"

Seehofer trete "demokratische Grundprinzipien wie Presse- und Demonstrationsfreiheit mit Füßen", erklärten die Grünen. Auch die CSU in Bayern könne "nicht einfach Journalisten rauswerfen, die ihr nicht passen", hieß es von der SPD.

Am Montagabend reagierte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn auf Seehofer: "Mag sein, dass unsere Fragen für hohe politische Amtsträger manchmal unbequem sind. Aber wir stellen sie, auch in Bayern", erklärte Schönenborn. "Auch dort gilt die Rundfunkfreiheit."

Das Verhältnis zwischen der CSU und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk war zuletzt nicht ganz einfach: Erst im vergangenen Jahr hatte Seehofers Sprecher Hans Michael Strepp zurücktreten müssen, weil er versucht haben soll, Einfluss auf das ZDF zu nehmen. Seehofer kommt normalerweise gut mit Journalisten aus. Legendär ist etwa sein Satz: "Sie können das alles senden", als er vor laufender Kamera über Norbert Röttgen von der CDU lästerte. Als ihm vor wenigen Wochen die Berichterstattung über den Fall Hoeneß jedoch zu weit ging, sprach er von "Bluthunden".

Zu dem Vorfall in Würzburg erklärte am Montag ein CSU-Sprecher, dass Parteichef Seehofer "sein Missfallen über das unangemessene Auftreten des 'Monitor'-Teams zum Ausdruck gebracht" habe. "Es ging nicht um Inhalte, sondern um die Einhaltung der Anstandsregeln." Seehofer werde den Intendanten des WDR um Stellungnahme bitten.

WDR-Journalist Stuchlik hat erst durch die Medienberichterstattung von dem Seehofer-Satz erfahren, der unter anderem ihm galt. Stuchlik lebt in Köln, ist aber in Landshut geboren und in Passau aufgewachsen: "Dass Seehofer mich, einen gebürtigen Bayer, aus Bayern ausweisen will, finde ich reichlich seltsam."

27.08.2013, 10:40 Uhr | Von Björn Hengst, Spiegel Online

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