Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Parteien >

Zwei Todsünden machen Sigmar Gabriel zum Wählerschreck

...

Keiner mag SPD-Chef Gabriel  

Zwei Todsünden machen ihn zum Wählerschreck

10.12.2015, 14:00 Uhr | t-online.de

Zwei Todsünden machen Sigmar Gabriel zum Wählerschreck. Fern vom Wähler: SPD-Chef Sigmar Gabriel. (Quelle: Reuters)

Fern vom Wähler: SPD-Chef Sigmar Gabriel. (Quelle: Reuters)

Von Christian Kreutzer

Die SPD wird am Freitag auf ihrem Bundesparteitag in Berlin Sigmar Gabriel wieder zum Vorsitzenden wählen. 2017 soll er dann Kanzlerin Merkel ablösen – rein theoretisch, denn seine Chancen gehen gegen null. Die Schuld dafür liegt bei ihm selbst: Keine Nähe zum Volk und ständige Richtungswechsel seien die Gründe, sagen Experten.

Selten war ein SPD-Vorsitzender ein so schwacher künftiger Kanzlerkandidat. Die Umfragen zeigen, wie dramatisch die Lage ist: Die SPD kommt nicht über 25 Prozent hinaus; Gabriel selbst hätten nur 14 Prozent der Deutschen gerne als Bundeskanzler; weniger als die Hälfte der SPD-Anhänger sehen in ihm den richtigen Mann.

UMFRAGE
Halten Sie Sigmar Gabriel für einen geeigneten Kanzlerkandidaten?

Noch schlimmer als bei den Anhängern sieht es bei den Mitgliedern der SPD aus: Nur 35 Prozent der Genossen sind der Meinung, dass der Parteichef auch als Kanzlerkandidat taugt.

"Nur einer hatte noch schlechtere Werte", sagt Manfred Güllner, Chef des Umfrageinstituts Forsa, im Gespräch mit t-online.de. "Das war Kurt Beck – kurz bevor er als SPD-Vorsitzender zurückgetreten ist."

Beim Wähler unbeliebt: SPD-Chefs Sigmar Gabriel und Vor-Vorgänger Kurt Beck. (Quelle: dpa)Beim Wähler unbeliebt: SPD-Chefs Sigmar Gabriel und Vor-Vorgänger Kurt Beck. (Quelle: dpa)

Und doch wird Gabriel, der die SPD seit 2009 führt, antreten müssen. Es ist schlicht kein anderer da. Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist zwar beliebter, hat aber bereits bei der Wahl 2009 gegen Merkel Prügel einstecken müssen: Über elf Prozentpunkte verlor die SPD damals. "Der wird sich das kein zweites Mal antun", ist der Bonner Parteienforscher Tilman Mayer überzeugt. Auch sonst sei niemand in Sicht.

"Ich wollte nicht in seiner Lage sein"

Der Niedersachse müsse also ran. "Da kommt er nicht drum herum", sagt Mayer. Dabei wolle Gabriel durchaus Kanzler werden. Gleichzeitig wisse er aber, dass er keine Chance habe.

Mayer hat geradezu Mitleid mit dem SPD-Chef: "Ich wollte nicht in seiner Lage sein, da in die Bütt‘ zu müssen." Die Situation Gabriels beschreibt er wie die des tragischen griechischen Helden Sysiphos: Der war dazu verdammt, einen Felsen wieder und wieder einen Berg herauf zu wuchten – nur um ihn kurz vor dem Ziel wieder hinunter rollen zu sehen.

Gabriels Problem heißt nicht Merkel sondern Gabriel

Doch was macht den künftigen Kandidaten so schwach? Es ist die Stärke Merkels, sagen viele – vor allem in der SPD. Wahr ist: Merkel besetzt viele sozialdemokratische Positionen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig hatte im Juli bereits infrage gestellt, ob die SPD überhaupt einen eigenen Kanzlerkandidaten brauche.

Doch das Merkel-Argument greift zu kurz: Zwar ist die SPD in der schwierigen Lage des Juniorpartners in der Großen Koalition. Jeden Erfolg kann sich die Kanzlerin auf die eigenen Fahnen schreiben. Aber: "Juniorpartner in einer Großen Koalition war die SPD auch von 1966 bis 1969", sagt Güllner. "Und hat danach mit Willy Brandt die Wahl gewonnen."

Gabriels Problem sei nicht Merkel, so Güllner: "Es ist er selber." Sowohl er als auch Mayer attestieren zwar dem SPD-Chef, er habe nach der Katastrophe von 2009 die Partei zusammen gehalten. "Das Problem ist nur: Das interessiert keinen außerhalb der SPD", erinnert Güllner.

"Näher bei den Menschen"

Beide Experten sehen Gabriel weit vom Volk entfernt: "Es gab mal eine SPD-Wahlformel: 'Näher bei den Menschen'", erinnert Mayer. Da sei Gabriel praktisch außen vor. Er müsse sowohl der "Genosse der Bosse" sein, wie einst Gerd Schröder, gleichzeitig aber die Arbeitnehmer ansprechen.

Genauso sieht es Güllner: "Er müsste in die Betriebe gehen und seine Solidarität mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern gleichermaßen zeigen." Stattdessen agiere er abgehoben und unvorhersehbar. Das Unvorhersehbare, die ständigen, zumindest gefühlten Kurswechsel, seien Gabriels zweites großes Problem, sagt Güllner.

Gabriel: links beim Pegida-Besuch in Dresden - rechts in Heidenau. (Quelle: dpa)Gabriel: links beim Pegida-Besuch in Dresden - rechts in Heidenau. (Quelle: dpa)

"Warum hat er nicht gleich gesagt, dass das Pack ist"

Beispiel 1: "Erst behauptet er im vergangenen Dezember, man müsse die Anliegen der ausländerfeindlichen Pegida 'ernst nehmen'. Ende Januar hat er sich sogar mit ihren Anhängern in Dresden getroffen." Das werte die Bewegung natürlich auf, wenn der Vizekanzler komme.

Dann im August habe er Gewalttäter im sächsischen Heidenau als "Pack" bezeichnet. Die traten zwar nicht im Namen von Pegida auf, waren aber vom selben Ungeist getrieben.

"Warum hat er das nicht gleich gesagt, dass das Pack ist und man sich mit denen nicht gemein macht?" fragt Güllner. "Das wäre ein klarer Kurs gewesen und hätte ihm Glaubwürdigkeit verschafft."

Sigmar Gabriel: Kritik an Saudi-Arabien - und gute Geschäfte. (Quelle: dpa)Sigmar Gabriel: Kritik an Saudi-Arabien - und gute Geschäfte. (Quelle: dpa)

Beispiel 2: Saudi Arabien. Erst genehmige Gabriel der Wahabiten-Diktatur eine Rüstungslieferung nach der anderen. Dann warne er die Saudis medienwirksam davor, den Extremismus zu unterstützen. Auch hier keine Linie: "Die Leute merken das doch", sagt Güllner.

So sieht man es auch in der Partei: Gabriel gelte als "sprunghaft", sagt ein Parteitags-Delegierter. Und: "Es fehlen die großen Linien, an denen man merkt, wofür diese SPD unter Gabriel steht." Auch der Delegierte nennt die Beispiele Pegida und Saudi-Arabien. "Ich wüsste nicht, was an ihm die Öffentlichkeit begeistern sollte", stellt Parteienforscher Mayer fest.

Der Parteitag wird aller Voraussicht nach für Gabriel dennoch tröstlich enden: 2013 in Leipzig hatten ihn nur noch 83,6 Prozent der Parteitagsdelegierten wiedergewählt – nach 91,6 Prozent im Jahr 2011.

Diesmal dürfte das Ergebnis wieder deutlich besser ausfallen, glaubt einer der Delegierten: Schließlich seien Ende März drei Landtagswahlen. Da müsse man Einigkeit demonstrieren.

Liebe Leserinnen und Leser, leider können wir bei bestimmten Themen und bei erhöhtem Aufkommen die Kommentarfunktion nicht zur Verfügung stellen. Warum das so ist, erfahren Sie in einer Stellungnahme der Chefredaktion.

Aktuelle Leserdiskussionen und Kommentare finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die Taille im Mittelpunkt: der Blickfänger im Frühling
zu ESPRIT
Anzeige
Naomi Campbells Kollektion bei TOM TAILOR
entdecken Sie jetzt die exklusive Mode
Klingelbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • erdbeerlounge.de
  • kino.de
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018