Startseite
Sie sind hier: Home > Nachrichten >

Die Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt: Das Syrien-Dilemma

...

Das Syrien-Dilemma

Die Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt

24.04.2012, 13:49 Uhr | Ein Kommentar von Gareth Jenkins

Die Rolle der Türkei im Syrien-Konflikt. Recep Tayyip Erdogan (Quelle: Reuters)

Die Möglichkeiten der Türkei sind limitiert (Quelle: Reuters)

 

Während die Welt abwartet, ob die von der UN in Syrien ausgehandelte Waffenruhe hält, hoffen vermutlich einige türkische Offizielle, dass Präsident Baschar al-Assad sie bricht. Nachdem sich der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan derart resolut gegen seine früheren Verbündeten in Damaskus gestellt hat, ist das Albtraumszenario für Ankara ein Ausgang der Geschichte, bei dem Assad noch über Jahre an der Macht bleibt. Saddam Husseins Machtverbleib nach dem Ersten Golfkrieg 1991 ist dafür ein warnendes Beispiel.

Im Frühjahr 2011, als Syrien erstmals von Massendemonstrationen gegen al-Assads repressive Herrschaft erschüttert wurde, erschien Erdogan im türkischen Fernsehen und verurteilte die Proteste. Er erklärte damals, er hätte das Land mehrfach besucht und dabei erfahren, wie sehr die Syrer ihren Präsidenten liebten. Diese Solidaritätsbekundung fußte auf mehr als nur der engen persönlichen Freundschaft, die die beiden Staatsoberhäupter einst verband. Erdogan und sein Außenminister Ahmet Davutoglu waren davon überzeugt, dass sie im Mittleren Osten den türkischen Einfluss am besten dadurch ausbauen könnten, indem sie al-Assad auf dem stillen Weg dazu bewegen, die Proteste durch liberale Reformen zu entschärfen. Al-Assad jedoch wies den türkischen Rat zurück. Zusätzlich entmachtete er in seinem inneren Zirkel gezielt jene Köpfe, die der Türkei traditionell nahestanden und entschied sich, auf den Iran zu hören, dessen Anraten es war, hart gegen die Protestierenden vorzugehen.

Die Möglichkeiten der Türkei sind limitiert

Abgesehen von einer gewissen Solidarität unter Muslimen und einem gemeinsamen Antagonismus gegenüber dem Westen, waren die Türkei und der Iran stets bittere Rivalen im Mittleren Osten. Beide haben die Ambition, dominante Macht in der Region zu sein. Die spätere heftige Reaktion Erdogans auf die Brutalität, mit der das Regime al-Assads gegen die Proteste vorging, war deshalb auch ein Zeichen von verletztem Stolz.

Bisher sind die Möglichkeiten der Türkei allerdings limitiert. Auch wenn es im Lande offene Spekulationen über die Einrichtung einer Pufferzone auf syrischem Gebiet gibt, ist die Türkei kaum bereit, einen solchen Schritt alleine zu gehen. Das ist zumindest zum Teil praktischen Überlegungen geschuldet, da der logistische Aufwand dafür ebenso hoch ist wie die Angst vor einem Versagen. Doch selbst ein Erfolg würde Gefahren in sich bergen. In einer Phase, in der auf Ankaras Straßen nostalgische Erinnerungen an die osmanische Größe grassieren, würden türkische Truppen, die kein Teil einer internationalen Koalition sind und ihren Fuß auf Boden setzten, der einst zum Osmanischen Reich gehörte, bei den arabischen Nachbarn die Alarmglocken klingeln lassen. Diese sind nämlich wenig enthusiastisch, wenn es um die Möglichkeit einer neuen türkischen Hegemonie geht.

Zeichen der Impotenz

Eines der Hauptprobleme, dem die Türkei und die internationale Gemeinschaft in Syrien gegenüberstehen, ist die Zersplitterung der Opposition. Selbst wenn man sich dazu entschiede, die Aufständischen mit Material und Waffen zu versorgen, wäre es schwer zu entscheiden, wen genau es zu unterstützen gilt. Genauso wenig ist gesichert, dass in Syrien ein stabiler und demokratischer Staat entstünde, wenn al-Assad gezwungen würde, seine Macht abzugeben.

Eine Konservierung des Status quo ist aber ebenso schädlich für die Türkei. Nicht nur bedeutet er anhaltende Unsicherheit. Nach der klaren Positionierung und dem Druck, den Erdogan auf Assad ausgeübt hat, ist dessen Machtverbleib schlussendlich auch eine Demonstration der Impotenz Ankaras in einer Zeit, in der das Land verzweifelt versucht, sich als regionale Macht zu etablieren.

Gareth Jenkins ist Experte für den Islam und den Mittleren Osten. Als Senior Associate Fellow am Central Asia-Caucasus Institute beschäftigt sich der Journalist vor allem mit politischen Reformen in der Türkei. Seine Themenschwerpunkte sind zivil-militärische Beziehungen, Sicherheitspolitik und der politische Islam. Jenkins lebt seit 1989 in Istanbul. Er hat lange Jahre als Journalist für verschiedene Medien gearbeitet, sich in jüngster Zeit aber primär auf wissenschaftliche Analysen fokussiert. Er ist unter anderem Autor des Buches "The Political Islam in Turkey" (2008).

Quelle: The European

 
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
Anzeige
Video des Tages
"Markus Lanz" 
Schöne Unternehmerin verrät ihr Erfolgsgeheimnis

Delia Fischer gründete mit 27 Jahren das sehr erfolgreiche Internet-Start-up Westwing. Video

Shopping 
Coole Styles für kühle Herbsttage - jetzt entdecken!

Glamourös & lässig - das sind die neuen Mode- Trends der Saison von GERRY WEBER. mehr

150 Jahre Mythos 
Spektakulärer Lichterzauber auf dem Berg der Berge

Zum anstehenden Jubiläum wird jetzt schon kräftig gefeiert. mehr

Drei-Tages-Wettervorhersage

Anzeige


Anzeige