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Hoher Benzinpreis: Der Osterhase ist unschuldig

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Kommentar  

Benzinpreis: Der Osterhase ist unschuldig

26.04.2012, 14:22 Uhr | Ein Kommentar von Hans-Josef Fell

Benzinpreis: Der Osterhase ist unschuldig. Der Osterhase ist unschuldig (Quelle: dpa)

Der Osterhase ist unschuldig (Quelle: dpa)

Die Benzinpreise, aber auch die Heizöl- und Dieselpreise sind auf Rekordniveau. Und wie zu jedem Osterfest, werden auch in diesem Jahr die Ölmultis dafür angegangen, dass sie zum Osterreiseverkehr den Autofahrern das Geld aus der Tasche ziehen würden. Doch der Rohölpreis richtet sich nicht nach deutschen oder europäischen Ferienzeiten. Ergo: Ostern hat mit dieser Entwicklung nichts zu tun, aber auch gar nichts. Der Osterhase ist unschuldig, wirklich.

Die Rohölpreise folgen dem ökonomischen Grundgesetz, wonach das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Preis bestimmt. Die weltweite Rohölnachfrage steigt weiter unvermittelt, während die Rohölförderung stagniert. Eine kleine Fördersteigerung gab es lediglich durch unkonventionelle, aber sehr teure und ökologisch besonders schädliche Tiefseeöle und Ölsande aus Kanada.

Warnung vor Peak-Oil

"Peak-Oil" nennen Experten den Zeitpunkt, an dem die Welt die maximale Förderrate der globalen Erdölproduktion erreicht hat. Grob gesagt: Mehr geht nicht. Experten sagen, dieser Punkt sei längst erreicht, das Öl wird knapper. Selbst die Bundeswehr hat in einer alarmierenden Studie auf die sicherheitspolitischen Gefahren für Deutschland durch den "Peak-Oil" hingewiesen und warnt davor, einfach so weiterzumachen.

Da schon die heutige Verknappung den Rohölpreis stabil über 100 Dollar hält (was noch vor wenigen Jahren als Marke für einen Crash der Weltwirtschaft galt), stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Rohölförderung nicht mehr nur auf dem jetzigen Niveau stagniert, sondern sogar zurückgeht? Dann müssen wir Rohölpreise von weit über 200 oder gar 300 Dollar befürchten. Schon heute steigt die Ölrechnung Europas jährlich massiv an; alleine im Jahr 2010 auf das Jahr 2011 von 280 Milliarden Euro auf 400 Milliarden Euro.

Doch die Bundesregierung möchte den hohen Benzinpreis lieber aussitzen und diskutiert Scheinlösungen. Anstatt eine Steuererleichterung für nachhaltige und reine Biokraftstoffe wieder einzuführen oder eine Industriestrategie für die Elektromobilität anzugehen, fordern nun viele in der Regierung die Erhöhung der Pendlerpauschale oder das Senken der Mineralölsteuer. Diese Maßnahmen führen aber lediglich zu einer steigenden Haushaltsverschuldung, aber doch nicht zu einem sinkenden Ölpreis.

Subventionen sind keine Lösung

Es wäre ein Fehler, auf den "Peak-Oil" einfach nur mit höheren Subventionen zu reagieren. Weltweit hat die Subventionierung der fossilen Energien zugenommen, von 312 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 auf 409 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010. Der Grund ist die Hoffnung vieler Politiker, soziale Spannungen wegen hoher Energiepreise zu vermeiden. Dies führt aber auf Dauer nur zu höheren Staatsverschuldungen bis hin zu Staatsbankrotten, aber eben nicht zu billigen Spritpreisen.

Die einzige Lösung, dieser Preisspirale zu entkommen, ist diese Strategie: Schnell weg vom Öl. Dazu muss der Verbrauch sinken, zum Beispiel über Hausdämmungen und regionale Warenkreisläufe. Vor allem aber brauchen wir einen Ersatz für die Nutzung des Erdöls in allen Bereichen: Nachhaltig erzeugte Biokraftstoffe, Elektrifizierung des Verkehrs mit Ökostrom für Busse, Bahnen und Autos. Auch mit Erneuerbaren Energien erzeugter Wasserstoff kann als Antriebsenergie wichtig sein. Zwingend erforderlich ist also die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien so schnell als möglich und die Abkehr vom Erdöl und anderen fossilen Rohstoffen.

Hans-Josef Fell: Der Sprecher für Energie der Grünen-Bundestagsfraktion ist Gymnasiallehrer und seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestags. Gemeinsam mit anderen Parlamentariern schrieb er 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und setzte es politisch durch. Er war bis 2011 Vize-Präsident von "Eurosolar" und engagiert sich beständig für eine Ausweitung von erneuerbaren Energien und für den Klimaschutz.

Quelle: The European

 
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