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Biologe prophezeit: "In 100 Jahren ist der Homo sapiens ausgestorben"

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Biologe prophezeit  

"In 100 Jahren ist der Homo sapiens ausgestorben"

28.06.2010, 09:25 Uhr | ckr

Biologe prophezeit: "In 100 Jahren ist der Homo sapiens ausgestorben". Eine Fußgängerzone in Deutschland: Nach den Prognosen des Australiers Frank Fenner wird sie in rund 100 Jahren verödet sein. (Foto: dpa)

Eine Fußgängerzone in Deutschland: Nach den Prognosen des Australiers Frank Fenner wird sie in rund 100 Jahren verödet sein. (Foto: dpa)

Erstmals prophezeit ein Wissenschaftler ganz konkret, was viele befürchten: Die Menschheit könnte vom Angesicht der Erde verschwinden - und das schon bald.

In Sachen Vernichtung ist Frank Fenner Experte: Durch den Einsatz des Myxoma-Virus’ besiegte der australische Nationalheld und Mikrobiologe in den 50er Jahren die Kaninchenplage auf dem fünften Kontinent. In den 60er Jahren war er an führender Stelle an der weltweiten Ausrottung der Pocken beteiligt.

Jetzt sieht der mittlerweile 95 Jahre alte Wissenschaftler für eine wesentlich höhere Lebensform schwarz: Das Kapitel "Menschheit", so ist Fenner überzeugt, habe sich in rund 100 Jahren erledigt. Verantwortlich sind laut Fenner "Bevölkerungsexplosion und ungezügelter Konsum".

"Die Situation ist unumkehrbar"

"Wir alle werden das gleiche Schicksal erleiden, wie die Bewohner der Osterinseln", prophezeite der Virologe in der vergangenen Woche dem "Australian". Die Eingeborenen der Hauptinsel Rapa Nui sollen durch die gedankenlose Abholzung des Waldes ihr blühendes pazifisches Eiland zum Ödland gemacht haben.

Der Klimawandel, so Fenner weiter, stehe erst am Anfang. "Doch schon jetzt sehen wir auffallende Veränderungen beim Wetter." "In vielleicht hundert Jahren ist der Homo sapiens ausgestorben", glaubt der Wissenschaftler. "Für viele andere Tiere gilt das gleiche. Die Situation ist unumkehrbar. Ich glaube, es ist zu spät", urteilt der greise Gelehrte.

Bevölkerungsexplosion und gescheiterte Klimakonferenzen

Versuche zur Schadensbegrenzung könnten die Entwicklung lediglich bremsen. Doch die Weltbevölkerung sei bereits zu stark gewachsen. "Die Menschheit wird den selben Weg gehen, wie viele Spezies, deren Verschwinden wir beobachtet haben", ist Fenner überzeugt.

Nur der Pessimismus eines alten Mannes? Laut UN-Schätzungen wird die Zahl der Menschen in diesem Jahr die Schwelle von 6,9 Milliarden erreichen - ein Ende der Vermehrung ist nicht in Sicht. Auch die Liste der gescheiterten Klimakonferenzen - zuletzt im Dezember vergangenen Jahres in Kopenhagen - lässt selbst Berufsoptimisten verzweifeln: Vor allem aufstrebende Industrienationen wie China und Indien denken offenbar nicht im Traum daran, ihre frisch erwachten Konsumwünsche zugunsten der Umwelt und des Klimas einzuschränken.

Das notwendige Wissen ist vorhanden

Dennoch teilen die meisten Wissenschaftler nicht die ungezügelte Untergangsgewissheit Fenners. Auch sein Freund und Kollege, der Immunologe Stephen Boyden, hält den Pessimismus des alten Mannes für verfrüht: "Frank könnte durchaus Recht haben", so Boyden im "Australian". "Aber viele von uns haben immer noch die Hoffnung, dass die Menschheit sich der Situation bewusst wird und die notwendigen revolutionären Veränderungen einleitet, um die ökologische Nachhaltigkeit herzustellen."

Wie Fenner sei er sich des Ernstes der Lage bewusst. "Ich akzeptiere aber nicht die Ansicht, dass es deshalb notwendigerweise zu spät ist", so Boyden. So lange es einen Hoffnungsschimmer gebe, müsse man an einer Lösung arbeiten. Das Wissen dafür sei ja vorhanden. Was fehle, sei der politische Wille, das Problem zu lösen.

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