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Meerwasserentsalzung: Australien stillt seinen Durst aus dem Meer

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Meerwasserentsalzung

Australien stillt seinen Durst aus dem Meer

03.09.2010, 12:16 Uhr | Christiane Oelrich, dpa, dpa

Australien stillt seinen Durst aus dem Meer. Meerwasserentsalzungsanlage in Port Stanvac bei Adelaide (Foto: dpa)

In Port Stanvac bei Adelaide entsteht eine Meerwasserentsalzungsanlage (Foto: dpa)

 

Australien leidet unter akutem Wassermangel: Der trockene Kontinent hat zehn Jahre lang eine verheerende Dürre erlebt. Die fünf größten Städte setzen jetzt trotz hohem Energieverbrauch auf Meerwasserentsalzung.

Auf den Klippen von Port Stanvac an der südaustralischen Küste weht eine steife Brise. Ein Frachtkahn liegt vor der Küste, mit riesigen Felsbrocken an Bord. Oben an Land herrscht emsiges Treiben: Hier entsteht eine Anlage zur Meerwasserentsalzung, die den chronischen Wassermangel in Australiens fünftgrößter Stadt Adelaide mit rund einer Million Einwohnern beheben soll. "Der Lagertank ist fertig, die Pumpstation ist fertig", sagt Mauro Farinola vom staatlichen Wasserversorger SA Water. "Wir hoffen, im Dezember das erste Glas Wasser kredenzen zu können."

Zehn Jahre Dürre

Nicht nur Adelaide, auch die anderen Großstädte Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth mit zusammen zwölf Millionen Einwohnern setzen auf das Meer als Trinkwasserlieferant. Eine zehnjährige Dürre hat die Behörden das Fürchten gelehrt. In diesem Jahr regnete es zwar wieder, aber sie wollen sich angesichts des Klimawandels nicht mehr auf das Wohlwollen eines Wettergottes verlassen.

Enorme Kosten

Wenn die Anlagen alle fertig sind, soll ein Drittel des Trinkwassers der größten Städte aus Meerwasser gewonnen werden. Perth in West-Australien machte 2006 den Anfang. Brisbane und Sydney folgten. In zwei Jahren dürften sechs Entsalzungsanlagen zur Trinkwasserversorgung in Betrieb sein. Die Kosten sind enorm. "In Südaustralien ist diese Anlage das größte Investitionsprojekt aller Zeiten", sagt Farinola. 1,8 Milliarden australische Dollar sind veranschlagt - 1,2 Milliarden Euro. Alle Entsalzungsanlagen zusammen kosten mehr als neun Milliarden Euro.

Riesiger Stromverbrauch

Die Aufbereitung von Meerwasser zu Trinkwasser ist unter Umweltschützern heftig umstritten. "Strom aus der Flasche" nennt das Mark Parnell, ein grüner Abgeordneter im Parlament von Südaustralien, weil der Prozess Unmengen Energie verbraucht. Die Anlage in Adelaide dürfte auf 4,5 Kilowattstunden pro 1000 Liter kommen, sagt Farinola. Der Strom ist nötig, um das Wasser im sogenannten Umkehrosmose- Verfahren unter Hochdruck durch halbdurchlässige Membranen zu pressen. Schadstoffe, Viren und Salz bleiben zurück, übrig bleibt Trinkwasser.

Farinola zeigt weit aufs Meer hinaus. "1500 Meter vor der Küste sind die Ansauganlagen. Das Wasser gelangt durch einen Tunnel unter dem Meeresboden in die Anlage." Der Durchlauf dauert nur eine halbe Stunde, dann ist das Trinkwasser fertig. Der Rest, Wasser mit einem doppelt so hohem Salzgehalt wie vor der Prozedur, wird 1000 Meter vor der Küste zurück ins Meer gepumpt. Der Frachtkahn auf dem Wasser deponiert gerade Felsbrocken, die die ein bis zwei Meter hohen Anlagen am Meeresboden vor Strömungen schützen sollen.

Auf Verlangen der Regulierungsbehörde muss die Anlage für Adelaide ihren Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken. "Wir sind hundertprozentig grün", sagt Projektleiter Milind Kumar. Eine Milchmädchenrechnung, meint Stuart White vom "Institut für eine nachhaltige Zukunft" an der Technischen Universität Sydney. Die Anlage ist nämlich an das ganz normale vor allem durch Kohlekraftwerke gespeiste Stromnetz angeschlossen. Die Wasserwerke finanzieren zwar im Umfang ihres Verbrauchs Strom aus erneuerbaren Energien. Doch könnten damit ohne Entsalzungsanlage zehntausende Haushalte versorgt werden, sagt White.

Umweltschützer: "Anlage verschärft das Problem"

"Die Ironie ist doch, dass diese Anlagen zum Klimawandel beitragen, der die Niederschläge in Australien weiter reduziert - und dass sie damit das Problem verschärfen, das ihren Bau in den Augen der Politiker überhaupt erst nötig gemacht hat", meint James Hitchcock von der Umweltschutzorganisation "Friends of the Earth". Australien hat zwar viel Potenzial für Wind- und Geothermischer Energie, produziert seine Energie aber zu 80 Prozent mit Kohle - weil es billiger ist.

White und Umweltschutzorganisationen sind überzeugt, dass ein umweltfreundliches Aufbereiten von Regen- und Abwasser einen Großteil des Wasserbedarfs decken würde. Zusätzlich müssten die Australier zum Wassersparen erzogen werden. SA Water ist nicht überzeugt. "Entsalzung ist und bleibt die einzige klimaunabhängige Lösung", sagt Kumar. Den Preis zahlen die Verbraucher: In Adelaide soll sich der Wasserpreis innerhalb von fünf Jahren verdoppeln.

 
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