29.06.2013, 14:50 Uhr | dpa
Staub aus der Sahara wird durch die Luft tausende Kilometer weit getragen - und beeinflusst dabei das Klima. (Quelle: Nasa/dpa)
Winzige Partikel aus Abgasen, aus Vulkanausbrüchen und aufgewirbeltem Staub beeinflussen das Klima. Wüstenstaub hat einen großen Anteil daran. Seine Wirkung ist aber kaum erforscht. Das Deutsche Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersucht nun den Flug des Saharasandes über tausende von Kilometern.
Derzeit untersuchen die Forscher den Sandstrom aus der Sahara bis in die Karibik ganz direkt auch per Flugzeug. Die Ergebnisse sollen Klimamodelle präzisieren, sagt Markus Rapp, Leiter des Instituts für Physik in der Atmosphäre beim DLR in Oberpfaffenhofen bei München.
Die genauen Einflüsse auf die Bewölkung und das Wetter sind schon deshalb unklar, weil verschiedene Mechanismen wirken. "Da gibt es riesengroße Unsicherheiten", beteuert Rapp. "Es geht jetzt darum, die Unsicherheiten signifikant zu reduzieren."
Die feinen Gemische aus Staubpartikeln und Luft, Aerosole genannt, absorbieren Sonnenstrahlen, reflektieren sie aber auch. Sie wirken so sowohl klimaerwärmend als auch abkühlend. Zudem gibt es einen indirekten Effekt: Die Teilchen führen zu kleineren Wassertropfen in den Wolken, verstärken so die Reflexion des Lichts und damit die abkühlende Wirkung. Unklar ist die Stärke dieser Faktoren. Als gesichert gelte nur: "Der Nettoeffekt ist negativ, Aerosole führen insgesamt zu einer Abkühlung."
Die Teilchen, die 100 bis 1000 Mal dünner sind als ein menschliches Haar, stammen teils aus Abgasen von Industrie und Verkehr, teils aus natürlichen Quellen wie Waldbränden, Vulkanausbrüchen oder eben Wüstenstürmen.
Schätzungen zufolge gelangen jährlich fünf Milliarden Tonnen Aerosolpartikel in die Atmosphäre; dabei nimmt die Staubmenge weltweit zu. Allein der Staub aus der Sahara macht derzeit 1,5 Milliarden Tonnen aus.
Das DLR hat diese Wolken bereits in der Sahara selbst und beim Flug bis zu den Kapverden westlich der afrikanischen Küste untersucht. Beim "Saltrace-Projekt" begleitet das Forschungsflugzeug Falcon nun seit knapp zwei Wochen die Staubwolken bis in die Karibik. "Wir schauen uns an, wie sich der Staub auf dem Flug verändert und wie er in den Tropen ankommt", sagt Rapp.
Teils werde die Wolke von oben mittels Laserradar untersucht, teils sammle das Flugzeug direkt in der Wolke Staub, der dann auf seine Zusammensetzung untersucht wird. Bei der dritten Komponente messen Satelliten die Wolke aus der Ferne.
Am 14. Juli soll das Forscherteam nach Deutschland zurückkehren und bis Jahresende erste Ergebnisse gewinnen. Möglicherweise müssten bisherige Klimaprognosen dann korrigiert werden. Dass die abkühlende Wirkung der Staubteilchen den Anstieg der Temperatur durch die Treibhausgase jedoch ganz aufwiegen könnte, sei "extrem unwahrscheinlich".
29.06.2013, 14:50 Uhr | dpa
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