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Israel setzt Roboter zur Grenzkontrolle ein

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Israel setzt Roboter zur Grenzkontrolle ein

23.11.2012, 20:09 Uhr | Spiegel Online

. Zunächst wird die Drohne nur mit Sensoren ausgestattet, doch wird die Maschine bald zum Tod auf vier Rädern? (Quelle: G-Nius)

Zunächst wird die Drohne nur mit Sensoren ausgestattet, doch wird die Maschine bald zum Tod auf vier Rädern? (Quelle: G-Nius)

Die israelische Armee lässt ferngesteuerte Autos an der Grenze zum Gaza-Streifen patrouillieren. Die Maschinen sollen derzeit nur mit Sensoren ausgerüstet sein - können aber jederzeit bewaffnet werden. Damit wären sie die ersten einsatzfähigen fahrenden Kampfroboter.

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In manchen Kriegsgebieten werden inzwischen beinahe täglich Menschen von ferngesteuerten Maschinen getötet: Fliegende Drohnen sind in den vergangenen Jahren von einer Randerscheinung zur Standardwaffe der US-Streitkräfte geworden. In Afghanistan haben sich die unbemannten Kampfflugzeuge der Typen "Predator" und "Reaper" als so effektiv erwiesen, dass eine Reihe weiterer Staaten bemüht ist, sich bewaffnete Flugdrohnen zuzulegen - auch Deutschland.

Am Boden sind Kampfroboter dagegen noch eine Seltenheit. Doch das dürfte sich demnächst ändern. Seit Jahren entwickeln Rüstungskonzerne in aller Welt laufende und rollende Waffenplattformen, die nur noch aus der Ferne von Menschen gesteuert werden. In Israel ist seit kurzem ein Roboter dieser Art erstmals im militärischen Einsatz angelangt: der "Guardium", der aussieht wie eine Kreuzung aus einem Kleinwagen und einem Stealth-Kampfjet.

Die israelische Armee hat ihre Roboter-Initiative nach eigenen Angaben bereits 2008 begonnen. Seitdem habe man den "Guardium" nach und nach in den militärischen Alltag eingeführt. Die Drohne wird demnach vor allem für autonome Patrouillen an der Grenze zum Gaza-Streifen eingesetzt. Die israelische Armee prahlt bereits mit dem "Phantom am Zaun".

"Wir patrouillieren oft gemeinsam mit Infanterie-Einheiten", wird Leutnant Kai Hajbi auf der Website der israelischen Streitkräfte (IDF) zitiert. "Guardium" helfe bei der Grenzkontrolle und könne dabei auch Positionen einnehmen, die für Soldaten zu gefährlich wären. "Es ist eine symbiotische Beziehung", sagte Hajbi. Der Roboter habe "in verschiedenen Szenarien seine Effizienz bewiesen".

"Guardium" kann bewaffnet werden

Allerdings kann "Guardium" nicht nur als Beobachter fungieren, sondern auch als todbringende Kampfmaschine. Hersteller G-NIUS, ein Joint Venture der israelischen Rüstungsfirmen Israel Aerospace Industries und Elbit Systems, zählt in der Produktbroschüre minutiös auf, wie der Roboter ausgerüstet werden kann. Auf der Liste befinden sich nicht nur diverse Sensoren, sondern auch fernbedienbare Waffenstationen.

Sie werden, meist bestückt mit Maschinengewehren und Granatwerfern, schon seit Jahren auf militärischen Fahrzeugen eingesetzt, sowohl bei der Bundeswehr als auch bei anderen Armeen. Der Vorteil: Der Schütze kann im Fahrzeug bleiben und per Fernsteuerung Ziele anvisieren. Ob eine solche Waffenstation aus dem Innern des Fahrzeugs oder per Funk aus größerer Entfernung bedient wird, ist prinzipiell egal. Israel etwa hat schon 2008 solche ferngelenkten Waffenstationen auf Türmen entlang des Gaza-Streifens stationiert.

Doch "Guardium" kann nach Angaben der IDF noch viel mehr - nämlich "autonom handeln, selbsttätig fahren und auf Hindernisse und Ereignisse reagieren". Sollte der Roboter bei seinen Patrouillen "verdächtige Aktivitäten" registrieren, könne er "autonom reagieren" und "verschiedene gewaltsame Methoden anwenden, um die Bedrohung zu eliminieren". In diesem Fall würden "spezifisch programmierte Richtlinien" greifen, die sich am Einsatzort und der "Sicherheitsdoktrin" orientierten.

Bemerkenswert: Unklar bleibt an dieser Stelle, ob in einem solchen Szenario ein Mensch die Waffen auslösen würde oder nicht. Schon der Alltagseinsatz eines ferngesteuerten bewaffneten Landroboters wäre ein Novum. Eine Maschine aber, die automatisch Ziele erfassen und selbst über Leben und Tod entscheiden könnte, wäre für Kritiker eine Horrorvision.

Automatischer Wächter an der Grenze zu Nordkorea

Derzeit gelten solche vollautomatische Waffensysteme noch als Zukunftsmusik. Doch ob sie wirklich noch 20 oder 30 Jahre entfernt sind, wie manche Experten glauben, ist offen. So hat die südkoreanische Armee schon 2006 im Irak den "Security Guard Robot" erprobt. Der SGR-1, entwickelt von Samsung Techwin und der Korea University, ist mit einem Maschinengewehr bewaffnet und soll in der Lage sein, Feinde automatisch zu erkennen und zu bekämpfen. Ein martialisches Video wirbt für seine Fähigkeiten.

Allerdings ist der Roboter in den bisherigen Versionen nicht mobil. Als stationärer Wächter soll der SGR-1 bei der extrem personalintensiven Überwachung der Grenze zu Nordkorea helfen. Südkoreas Regierung hat nach Angaben des Rüstungs-Informationsdiensts globalsecurity.org seit 2003 mehr als eine Milliarde Dollar in das Programm gesteckt. 2010 wurde der SGR-1 erstmals an der demilitarisierten Zone erprobt.

Zwar soll der SGR-1 wie auch der "Guardium" in der Regel von Menschen bedient werden: "Um mögliche Ziele zu identifizieren und zu definieren, ist ein Mensch notwendig", sagt G-NIUS-Mitarbeiter Gabi Davidson zu SPIEGEL ONLINE. "Jemand muss den Roboter steuern."

Doch schon in naher Zukunft werde es technologisch möglich sein, "Roboter zu bauen, die ohne direkte Autorisierung oder Kontrolle eines Menschen töten können", warnte Uno-Sonderberichterstatter Philip Alston 2010 in einem Report an die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Zwar sei manches an dieser Technologie "eindeutig positiv" - etwa die Möglichkeit, Leben von Zivilisten und Soldaten zu schonen. Doch dass Roboter tödliche Fähigkeiten bei herabgesetzter menschlicher Kontrolle erlangen könnten, wecke Bedenken, die "von Menschenrechtlern bisher fast vollkommen unbeachtet geblieben sind".

Das immerhin scheint sich gerade zu ändern. Erst diese Woche hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch einen Bericht über die Killerroboter der Zukunft veröffentlicht. Ihr Votum: Derartige Maschinen gehören verboten. Sie wären vermutlich niemals in der Lage, schwierige Situationen richtig zu beurteilen und Gewalt verhältnismäßig einzusetzen. "Vollständig autonome Roboter wären unfähig, humanitäre Standards einzuhalten", heißt es in dem Bericht. Zudem seien wichtige Fragen ungeklärt - etwa wer zu bestrafen wäre, wenn ein vollautomatischer Roboter ein Kriegsverbrechen beginge.

Bei der israelischen Armee schreitet die Entwicklung derweil voran. Innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre werde man die nächste Generation der Wachroboter erhalten, sagte IDF-Leutnant Hajbi. "Sie wird noch größere Fähigkeiten bieten, mehr Missionspakete, eine größere Plattform und für längere Zeiträume operieren können." Die IDF werde das Roboter-Programm ausweiten: "Das ist nur eine Frage der Zeit und des Geldes."

Eines der kommenden Modelle ist der "Avantguard", ebenfalls entwickelt von G-NIUS. Er ist nach Angaben der Firma bereits von der israelischen Armee erprobt und zertifiziert. Am Zweck der Maschine lässt der Hersteller diesmal keinen Zweifel: Es handele sich um ein "Unmanned Ground Combat Vehicle" (UGCV), ein unbemanntes Kampffahrzeug.

 
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