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Dachbodenfund in Diepholz: Mumie enthält menschliche Knochen

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Kurioser Dachbodenfund  

Diepholzer Mumie enthält Menschenknochen

02.09.2013, 22:25 Uhr | Rainer Leurs, Spiegel Online

Dachbodenfund in Diepholz: Mumie enthält menschliche Knochen. Mumie, Diepholz, Niedersachsen (Quelle: dpa/Lutz Wolfgang Kettler)

Souvenir, Scherz oder Kriminalfall? Die Diepholzer Mumie wirft auch nach einer ersten Untersuchung noch viele Fragen auf. (Quelle: Lutz Wolfgang Kettler/dpa)

Aus dem kuriosen Mumienfund auf dem Dachboden eines Hauses in Niedersachsen wird womöglich ein Kriminalfall: Röntgen-Untersuchungen haben ergeben, dass in den Bandagen menschliche Knochen stecken. Für deren Alter interessiert sich jetzt auch die Polizei.

Die Aufregung war groß, als der Zufallsfund eines Jungen bekannt wurde: eine Mumie samt Sarkophag, entdeckt auf einem Dachboden mitten in Niedersachsen. Genauso groß allerdings war die Erwartung, dass der Wirbel vorbei sein würde, wenn das Innere der Mumie auf Röntgenbildern erscheint. Eine Fälschung, irgendein Nepp. Harmlos, aber gut gemacht. Es kam anders.

Souvenir vom Opa?

Denn nach der radiologischen Analyse steht fest: Unter den Bandagen befindet sich ein menschlicher Schädel mit Pfeilspitze in der Augenhöhle, außerdem mit Hieroglyphen verzierte Platten und in Metallfolie gewickelte Knochen. Die Untersuchung hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert.

Gefunden hatte der Zehnjährige den Sarkophag Anfang August, beim Stöbern auf dem Speicher seiner Großmutter. Offenbar hatte die schwere Kiste zuvor jahrzehntelang gut versteckt auf dem Dachboden gestanden.

Den Ursprung der Mumie vermutet der Vater des Jungen in der eigenen Familiengeschichte. Womöglich, sagte Lutz-Wolfgang Kettler nach dem Fund, habe der Großvater die Kiste in den fünfziger Jahren zusammen mit weiteren Souvenirs aus Nordafrika mitgebracht. Unklar war nun, ob es sich um echte menschliche Überreste handelt - und falls ja, aus welcher Zeit sie stammen. Klärung schaffen sollte ein Termin in der Radiologie des Diepholzer Krankenhauses.

"Alle dachten, es handelt sich um einen Fake"

Der örtlichen "Kreiszeitung" zufolge wurde die Mumie bereits am Donnerstag per Computertomograf und Röntgengerät untersucht. Dass auf den dort entstandenen Aufnahmen menschliche Knochen zu sehen sind, überraschte nach eigenen Angaben auch Kettler.

"Damit hatte keiner gerechnet", sagt der Diepholzer, der selbst als Zahnarzt praktiziert und bei der Untersuchung dabei war. "Alle dachten, es handelt sich um einen Fake." So hatte ein Berliner Archäologe im Vorfeld festgestellt, dass das Verbandmaterial der 1,49 Meter großen Mumie aus dem 20. Jahrhundert stammt. Keine altägyptischen Leinwand- oder Baumwollbinden also, sondern profane Bandagen aus maschineller Produktion.

Knochen stecken in Metallfolie

Nach dem Röntgenscan im Diepholzer Krankenhaus weiß man nun: In dem sorgfältig verklebten Verbandzeug steckt ein Schädel, außerdem ein relativ vollständiges Skelett. Bis auf den Kopf sind alle Knochen mit einer Art Metallfolie umhüllt, die die genauere Untersuchung per Röntgengerät unmöglich macht. Auffallend sind zudem ein Diadem aus Metall, das um den Schädel gewickelt ist, sowie die Pfeilspitze, die in einer der Augenhöhlen steckt.

Von einer altägyptischen Mumie kann keine Rede sein, sagt Andreas Nerlich, Chefarzt der Pathologie am Münchner Klinikum Bogenhausen. "Es handelt sich um eine Fälschung. Dazu ist wohl ein menschlicher Körper verwendet worden, womöglich aber auch mehrere davon."

Ein Indiz dafür, dass es sich um die Knochen verschiedener Personen handeln könnte, sei die fehlende Halswirbelsäule: Jemand hat sie entfernt - womöglich, weil der Kopf nicht zum übrigen Körper passt. "Der Schädel jedenfalls ist zweifellos echt", sagt Nerlich, "und ich glaube, die übrigen Knochen sind es auch.

"Das Ding muss man aufmachen"

Rätselhaft ist für den Mumienexperten die Metallbeschichtung des Skeletts. "Jemand hat sich extreme Mühe gemacht, die Knochen in diese Hülle zu wickeln", sagt er. "Vielleicht, weil er mit einer Röntgenuntersuchung gerechnet hat. Denn die ist dadurch natürlich erschwert." Die Frage sei nun, wer die Überreste auf diese Weise präpariert hat - und wann.

Für diesen Aspekt dürften sich auch Polizei und Staatsanwaltschaft interessieren. Denn während ein 3000 Jahre altes Pharaonengerippe die Ermittler kalt ließe, haben sie es jetzt womöglich mit einem unbekannten Toten aus der Neuzeit zu tun.

"Wenn wir Anhaltspunkte haben, dass die Knochen etwa aus den fünfziger Jahren stammen, werden wir sicher Ermittlungen aufnehmen", kündigte ein Sprecher der Polizei in Diepholz an. Weitere Untersuchungen müssten folgen, bei denen das Alter bestimmt werde. "Das Ding muss man aufmachen und eine Probe entnehmen", sekundiert Pathologe Nerlich.

Riesenscherz oder Kriminalfall?

Einem möglichen Engagement der Behörden sieht Zahnarzt Kettler mit gemischten Gefühlen entgegen - schließlich ist er derjenige, der einen Haufen menschlicher Knochen ungeklärter Herkunft besitzt. "Das ist eine etwas unangenehme Konstellation", gibt er zu. "Ich setze darauf, dass man noch weitere Untersuchungen durchführt."

Den 53-Jährigen interessiert vor allem, wie sein Vater damals an die Mumie kam. Selber fragen kann er ihn nicht mehr: Kettler Senior starb vor zwölf Jahren. Möglich ist aber, dass es sich bei dem eigenartigen Nordafrika-Souvenir ursprünglich um einen makabren Jux handelte. "Meine Vermutung ist: Jemand hat sich da einen Riesenscherz erlaubt", sagt Pathologe Nerlich.

Für Kettler bleibt dennoch vieles mysteriös. "Ich frage mich, warum der Sarkophag so versteckt gelagert wurde, warum niemand darüber gesprochen hat." Diese Dinge aufzuklären, sehe er als seine Aufgabe. Und wenn die Ermittler demnächst vorbeikommen und die rätselhaften Knochen beschlagnahmen? Halb so wild, sagt Kettler. "An der Mumie selber hänge ich nicht."

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