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GLS weist Wallraff-Vorwürfe zurück

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Zusteller GLS weist Wallraff-Vorwürfe zurück

01.06.2012, 09:43 Uhr | dpa

Wallraff war ab Ende 2011 unter falscher Identität an mehreren Standorten des europaweit tätigen Paketzustellers GLS als Paketbote im Einsatz.

Wallraff war ab Ende 2011 unter falscher Identität an mehreren Standorten des europaweit tätigen Paketzustellers GLS als Paketbote im Einsatz. (Quelle: dpa)

Düsseldorf/Neuenstein (dpa) - Nach den Vorwürfen des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff über unmenschliche Arbeitsbedingungen beim Paketzusteller GLS hat die SPD Aufklärung verlangt.

Parteichef Sigmar Gabriel forderte, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) müsse die Vorhaltungen gegen das Unternehmen umgehend untersuchen, "gemeinsam mit Gewerkschaften, Berufsgenossenschaft und Rentenversicherung". Das Unternehmen wies die massive Kritik Wallraffs zurück.

Gabriel schrieb auf Facebook am Donnerstag: "Wir müssen Wallraff für seine Recherchen dankbar sein. Wichtiger noch: Die Bundesregierung muss die Missstände, die er aufgedeckt hat, restlos aufklären - und dafür sorgen, dass Recht und Ordnung endlich auch auf dem Arbeitsmarkt herrscht."

GLS erklärte im hessischen Neuenstein, es handele sich bei dem Beitrag, den der 69-jährige Wallraff für RTL und das "Zeit-Magazin" verfasst hatte, um eine "einseitige und verkürzte Berichterstattung". Das Unternehmen verpflichte Transportfirmen "zur Beschäftigung von Fahrern in rechtskonformen, sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen." Der Paketzusteller mit Sitz in Amsterdam, der in Deutschland zu den vier größten Paketlogistikern gehört, "bedauerte" den Bericht.

Der Schriftsteller Wallraff hatte nach Recherchen und mehreren Undercover-Einsätzen mit falscher Identität "Menschenschinderei mit System" und "eine Form von moderner Sklaverei" angeprangert. Der GLS-Konzern arbeite ausschließlich mit Subunternehmern - meistens selbst Fahrer oder frühere Fahrer - und verpflichte diese zu ruinösen und schwer durchschaubaren Bedingungen. Damit stehle sich das Unternehmen rechtlich aus der Verantwortung. Den Fahrern würden Dumpinglöhne gezahlt, es werde Ausbeutung betrieben und regelmäßig gegen arbeitsrechtliche Vorschriften verstoßen.

"Wir kennen die Probleme, die die Branche hier hat", sagte der Sprecher der Deutschen Post, Dirk Klasen, zu den Darstellungen Wallraffs. "Im Bereich der Subunternehmer gibt es einen harten Wettbewerb." Trotz vieler Missstände in der Branche sei die Arbeit des Paketnetzwerks DHL aber auf einem "absolut vorzeigbaren Niveau", sagte Klasen. Bei der Fremdvergabe von Aufträgen seien letztlich die Subunternehmer dafür verantwortlich, ihre Fahrer angemessen zu entlohnen.

"In diesem System ist etwas nicht in Ordnung", räumte der Sprecher des Paketverbands Hermes, Thomas Voigt, in einer Diskussionsrunde mit Wallraff bei "stern TV" am Mittwochabend ein. Voigt kündigte Verbesserungen für die Hermes-Paketfahrer an. "Wir sind bei Hermes grundlegend dabei, das ganze System umzubauen. Wir werden die Bezahlung pro Paket abschaffen und einen Stundenlohn einführen." Die Hauptkritik Wallraffs gilt zwar GLS, aber auch den oft inakzeptablen Zuständen in der Branche allgemein. Auch ein früherer Fahrer von Hermes kommt zu Wort.

01.06.2012, 09:43 Uhr | dpa

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