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Asiatische Buschmücke auf dem Vormarsch

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Asiatische Buschmücke auf dem Vormarsch

19.11.2012, 15:01 Uhr | dpa

Die asiatische Buschmücke ist Überträger des in Einzelfällen tödlichen West-Nil-Virus.

Die asiatische Buschmücke ist Überträger des in Einzelfällen tödlichen West-Nil-Virus. (Quelle: dpa)

Riems/Müncheberg (dpa) - Die als Krankheitsüberträger bekannte Asiatische Buschmücke brütet mittlerweile in größerem Umfang in Deutschland als bislang belegt.

Forscher des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf der Insel Riems und des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg (ZALF) haben eine größere Population der Mücke Aedes japonicus im Süden von Nordrhein-Westfalen und im Norden von Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Das betroffene Gebiet umfasst rund 2000 Quadratkilometer zwischen Köln und Koblenz.

Die Mücke sei nicht nur besonders aggressiv, sondern zudem als Überträger des auch Menschen krankmachenden West-Nil-Virus und möglicherweise anderer Viren bekannt, teilte das FLI am Montag mit. Bislang wurde sie im südlichen Baden-Württemberg, in der Nordschweiz und lokal in Belgien nachgewiesen.

"Der Fund war absolut überraschend", sagte der Leiter des FLI-Labors für Entomologie (Insektenkunde), Helge Kampen, der dpa. "Wir haben es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit einer größeren und offenbar isolierten Population zu tun." Auf die Spur der Buschmücke waren die Forscher gekommen, weil fünf Einwohner des Großraums Bonn im Juli 2012 unabhängig voneinander sieben Exemplare an das Online-Projekt "Mückenatlas" gesandt hatten.

Die Forscher besuchten im August die Einsender und fanden in 36 von 123 begutachteten Ortschaften Exemplare der Asiatischen Buschmücke. Angesichts der Größe des Ausbreitungsgebietes leben die Tiere nach Einschätzung Kampens nicht erst seit diesem Jahr in der Region. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Eier in der Lage sind, den Winter zu überstehen."

Obwohl die Buschmücke als Überträger des West-Nil-Virus, möglicherweise auch des Erregers des Dengue-Fiebers und des Chikungunya-Fiebers infrage kommt, warnen die Wissenschaftler vor Panikmache. Die Asiatische Buschmücke sei als Krankheitsüberträger nicht so effektiv wie die weitaus gefährlichere Asiatische Tigermücke.

Die Hürde einer Übertragung ist zudem an mehrere Voraussetzungen gekoppelt: Die Mücke müsse zunächst einen bereits Infizierten stechen. Dabei müssten Mücken und der Betroffene im richtigen Stadium aufeinandertreffen. Vor allem müsse die Mücke lange genug leben, damit sich der Erreger in ihr vermehren und dann an andere Menschen weitergegeben werden könne.

In Deutschland leben den Angaben zufolge 49 Stechmückenarten. Drei der zwischen Alpen und Ostsee nachgewiesenen Arten wurden erst nach 2007 in Deutschland gefunden: die Asiatische Tigermücke, die Asiatische Buschmücke und Culiseta longiareolata, die keinen deutschen Namen trägt. Die Asiatische Buschmücke wurde 2008 erstmals an der deutsch-schweizerischen Grenze, später auch südlich von Stuttgart nachgewiesen.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Schiffstransport von Reifen aus Asien eine wesentliche Rolle bei der Einschleppung der exotischen Mückenarten nach Europa spielt. In den Wasserpfützen der Reifen legen die Mücken ihre Eier ab, die so nach Europa gelangen. In Deutschland wurden die Forscher auf Friedhöfen und Gärten fündig.

Die Mücken brüteten in vergleichbaren Habitaten - in Blumenvasen, Gießkannen oder anderen Wasserbehältern. "Es sieht so aus, als ob die Buschmücke die heimischen Arten verdrängt", berichtete die Biologin Doreen Werner vom ZALF. Auf einigen Friedhöfen sei nur noch die asiatische Art vorgefunden worden.

Um die Ausbreitung exotischer Mücken besser beurteilen zu können, starteten das FLI und das ZALF im Frühjahr das Online-Projekt Mückenatlas. Nach Angaben des ZALF haben Hobbyjäger seitdem 1724 Einsendungen an die Forscher geschickt, von denen 850 bislang ausgewertet wurden. In knapp 600 Einsendungen befanden sich Stechmücken.

Bislang wiesen die Hobbyjäger 25 Arten nach - bis auf die Asiatische Buschmücke alles heimische Arten. Mit den gesammelten Mückendaten können Forscher das Gefährdungspotenzial besser abschätzen und eventuelle Bekämpfungsstrategien entwickeln.

Quelle: dpa

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