08.12.2012, 14:18 Uhr | dapd, dpa
Auf einem Flusskreuzfahrtschiff in Wiesbaden sind Passagiere plötzlich schwer erkrankt. Als Ursache wird ein Virus vermutet. (Quelle: dpa)
Die Zahl der Erkrankten auf einem Hotelschiff in Wiesbaden ist auf 60 geklettert. Ursache ist vermutlich ein Virus, der bei Passagieren und einem Teil des Schiffspersonals In der Nacht zum Samstag Durchfall und Erbrechen auslöste, wie die Feuerwehr mitteilte.
Die Betroffenen - sie seien alle über 60 Jahre alt - litten unter den genannten Symptomen. Am frühen Morgen waren vier Erkrankte in ein Krankenhaus gebracht worden, Lebensgefahr bestehe aber nicht. Die Ursache für die Erkrankung auf dem holländischen Flusskreuzfahrtschiff "MS Bellriva" sei unklar, Proben würden derzeit analysiert. Die Feuerwehr schätzte, dass nach Aufhebung der Quarantäne bis zu 20 Menschen in Kliniken gebracht werden müssten.
Möglicherweise haben sich die Passagiere eine Infektion mit dem Norovirus zugezogen. "Wir hoffen, dass wir am frühen Nachmittag den Erreger gefunden haben", sagte ein Sprecher der Feuerwehr und erläutert die große Gefahr der Erkrankung: "Die größte Gefahr bei dieser Infektion ist, dass man dehydriert".
Weil eine Lebensmittelvergiftung als Ursache der Beschwerden derzeit noch nicht ausgeschlossen werden kann, liefern die Einsatzkräfte auch Mahlzeiten für Passagiere und Crew an. Die Reisenden seien angewiesen, ihre Kabinen nicht zu verlassen, sagte der Wiesbadener Gesundheitsdezernent Arno Goßmann.
Seit dem späten Freitagabend stehe das niederländische Schiff unter Quarantäne. Die Rettungsdienste waren gegen Mitternacht mit einem Großaufgebot angerückt, um die erkrankten Hotelgäste mit Medikamenten und Infusionen zu versorgen. Der Einsatz dauere vermutlich noch bis Montag, hieß es.
Alle Passagiere sind offenbar deutsche Staatsbürger, die einen dreitägigen Ausflug auf dem Rhein gebucht hatten, der in Köln begann und dort eigentlich am Samstag auch wieder enden sollte.
Zunächst waren die Einsatzkräfte von vier und später dann von mindestens 30 Erkrankten ausgegangen - im Laufe des Samstagmorgen kletterte die Zahl weiter auf 60. Insgesamt befinden sich laut dem Feuerwehrsprecher 145 Passagiere und 42 Crewmitglieder auf dem Schiff.
60 Einsatzkräfte, darunter drei Notärzte, Veterinärmediziner und Vertreter des Gesundheitsamtes, seien vor Ort. Das Schiff sei so umfunktioniert worden, dass die Erkrankten medizinisch betreut werden können, ergänzte er.
Ein Teil der Passagiere hatte den Angaben der Feuerwehr zufolge noch am Freitagabend einen Weihnachtsmarkt besucht. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Bummel über den Markt gebe, könne aber nicht gesagt werden. Vielmehr sei zu vermuten, dass die Ursache für die kurzfristige Erkrankung auf dem Schiff liege, da bereits Nachforschungen im Umland angestellt worden seien und nichts ergeben hätten.
Das Veterinäramt überprüfe derzeit Lebensmittelproben aus der Bordkantine, sagte der ärztliche Leiter des Wiesbadener Gesundheitsamts, Holger Meireis. Gleichzeitig untersuche in den städtischen Horst-Schmidt-Kliniken ein ärztliches Team Stuhlproben der Erkrankten, um den Erreger zu identifizieren.
Quelle: dapd, dpa
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