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Ämter untersuchen Ausmaß des Futter-Skandals

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Ämter untersuchen Ausmaß des Futter-Skandals

03.03.2013, 19:48 Uhr | dpa

Ämter untersuchen Ausmaß des Futter-Skandals. Rohmilch-Proben im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Hannover.

Rohmilch-Proben im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) in Hannover. (Quelle: dpa)

 

Berlin/Hannover (dpa) - Mit Massenkontrollen haben die Behörden am Wochenende versucht, das ganze Ausmaß des neuen Futtermittel-Skandals in Deutschland aufzudecken. Allein in dem am stärksten betroffenen Bundesland Niedersachsen hatten tausende Bauernhöfe verseuchten Mais aus Serbien erhalten.

Dort dürfen mittlerweile mehr als 75 Höfe wieder Milch ausliefern, weil Tests keine Auffälligkeiten bei der untersuchten Milch ergeben haben, wie das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Laves am Sonntag mitteilte.

In anderen Ländern sollen in den nächsten Tagen Ergebnisse vorliegen. Unklar blieb zunächst, ob der Skandal auch Innereien wie Leber und Niere betrifft. Anfang der Woche werde das Bundesinstitut für Risikobewertung eine Einschätzung dazu geben, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Politiker forderten bessere Kontrollen, deren Millionenkosten möglicherweise die Industrie übernehmen soll.

In Niedersachsen waren mehr Betriebe von dem Skandal betroffen als zunächst angenommen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministerium von Samstagabend erhöhte sich die Zahl von 3560 auf knapp 4500. Neue Milchviehbetriebe seien aber nicht hinzugekommen.

Bis zum Sonntagnachmittag wurden in Niedersachsen 800 Proben von Milchbetrieben genommen, die alle unauffällig waren, wie die Landesvereinigung der Milchwirtschaft mitteilte. Darunter seien 79 amtliche Proben des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz Laves, der Rest seien Eigenkontrollen, sagte eine Laves-Sprecherin.

Politiker drohten der Industrie mit Kontrollgebühren in Millionenhöhe. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) brachten am Samstag die Gebühren ins Gespräch. Wenn die Kosten der Wirtschaft in Rechnung gestellt würden, könne der Staat 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr sparen, sagte Meyer dem Magazin "Focus". Aigner warf den Herstellern Versagen bei den Eigenkontrollen vor.

Zu den Kontrollen sagte Aigner: "Es gab frühzeitig Hinweise von verschiedenen Seiten, doch diese wurden offenbar ignoriert." Die zuständigen Länderbehörden müssten "deutlich schärfer als bisher" überwachen, ob die Unternehmen ihre Pflichten einhielten. "Wenn die Bundesländer ausreichende Kontrollen nicht leisten können, liegt es auf der Hand, die amtlichen Kontrollen in Zukunft stärker als bisher durch Gebühren zu finanzieren."

Der Bundesrechnungshof habe festgestellt, dass die finanzielle und personelle Ausstattung der zuständigen Stellen in den Ländern oft unzureichend sei, sagte Aigner. "Kontrolle nach Kassenlage, das darf nicht sein."

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) will die Verursacher des jüngsten Futtermittel- Skandals finanziell zur Verantwortung ziehen. Der schleswig- holsteinische Agrarminister Robert Habeck (Grüne) schloss sich dem am Sonntag an: "Wenn der Staat da mit mehr Kontrollen rein muss, weil die Privaten es nicht auf die Reihe kriegen, dann ist die Industrie bei der Finanzierung in der Pflicht."

Für den Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure ist es Zeit, den Bundesländern die Verantwortung für Lebensmittelkontrollen abzunehmen. Der Vorsitzende Martin Müller forderte in der "Passauer Neuen Presse" (Samstag) europaweit intensivere Kontrollen von Lebensmitteln: "Wir brauchen eine Art Lebensmittel-Europol."

Am Freitag war bekanntgeworden, dass aus Serbien importierter Mais mit einem krebserregenden Schimmelpilz vergiftet ist. Der Mais wurde auch an Rinder verfüttert. Das Pilzgift Aflatoxin gelangte so in Milch. Futtermittel mit verseuchtem Mais wurden auch an Höfe und Betriebe in andere Bundesländer geliefert. Bio-Betriebe sind nach ersten Erkenntnissen nicht betroffen.

 
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