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"Wir haben alles genau berechnet"

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Bergung der "Costa Concordia"

"Wir haben alles genau berechnet"

14.09.2013, 16:07 Uhr | Von Annette Langer, Spiegel Online

Costa Concordia, Giglio (Quelle: dpa)

Die "Costa Concordia" liegt vor dem Hafen von Giglio. (Quelle: dpa)

Am Montag soll die Costa Concordia vor der Küste der Insel Giglio geborgen werden. Im Interview spricht Franco Porcellacchia, Projektleiter der Bergungsaktion, über Chancen und Risiken des Verfahrens.

Vor der komplexen Aktion - das Schiff soll mittels Parbuckling aufgestellt werden - gibt sich der Experte gelassen.

Spiegel Online: Herr Porcellacchia, wo werden Sie sich aufhalten, wenn der Startschuss zum Aufrichten der "Costa Concordia" fällt?

Franco Porcellacchia: Ich werde auf Giglio sein, in unserem Büro, mit dem Management der Reederei Costa Crociere und Behördenvertretern. Meine Rolle wird es sein, die Informationen, die ich live von den Technikern bekomme, an sie weiterzugeben - als eine Art Bote.

Sie werden nicht mittendrin sein, auf dem Wasser?

Doch, zwischendurch schon. Es gibt eine Barge, etwa 50 Meter vom Wrack entfernt. Dort werden sich die Techniker aufhalten, die das Parbuckling steuern und überwachen, die Knöpfe bedienen, wenn Sie so wollen.

Foto-Serie: So soll die "Costa Concordia" geborgen werden

Der Versuch, das 290 Meter lange, über 35 Meter breite und 45.000 Tonnen schwere Wrack aufzurichten, ist eine Premiere mit unbekanntem Ausgang, der öffentliche Druck immens. Können Sie nachts noch schlafen?

Ich schlafe ausgezeichnet. Meine Kollegen und ich sind sehr gelassen. Wir wissen, dass wir das Beste gegeben haben, um diesen Moment vorzubereiten. Wir schauen mit Stolz und Genugtuung auf unsere Arbeit. Natürlich sind wir auch ein wenig angespannt in dieser außergewöhnlichen Situation, in der die Augen der Welt auf uns gerichtet sind. Aber damit kommen wir klar.

Gibt es auf technischer Seite Schwachpunkte, die Ihnen Sorgen machen?

Wir haben alles genau berechnet und evaluiert. Aber der Moment, in dem durch die Wasserbefüllung der Tanks Gewicht auf die Schiffseite kommt, bleibt knifflig. Wir hoffen, dass genug Spannung auf den Stahlleinen ist. Wir brauchen etwa 6000 Tonnen Zugkraft, haben aber 12.000 zur Verfügung - eine ordentliche Reserve.

Und wenn die "Costa Concordia" während der Operation zerbrechen sollte?

Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Das Schiff hält die Belastung aus.

Das sagen Sie, obwohl Sie nicht wissen, in welchem Zustand sich die Steuerbordseite befindet, auf der die "Concordia" liegt?

Sollten im Vorschiff kleinere Risse auftreten, gibt es einen Plan B. In diesem Fall richten wir den Großteil des Schiffes auf und kümmern uns später um den Rest. Es gibt jede Menge Erfahrungsberichte und Literatur zu Parbuckling-Operationen bei kleineren Schiffen. Wir haben es zwar mit einem sehr großen Schiff zu tun, aber keineswegs mit einem unbekannten Verfahren.

Sollte das Parbuckling funktionieren, wird die "Costa Concordia" den Winter aufrecht vor Giglio verbringen, noch mehr rosten, und dann zum Abwracken abgeschleppt werden. Piombino und Palermo werben massiv für ihre Häfen. Wen bevorzugen sie?

Das ist eine schwere Entscheidung. Die "Costa Concordia" ist ursprünglich 35 Meter breit - mit den angeschweißten Tanks aber 60 Meter. Der Tiefgang liegt nicht mehr bei acht, sondern bei 18,5 Metern. Welcher Hafen kann ein solches Schiff aufnehmen? Wer hat die Infrastruktur und die technischen Möglichkeiten, es auseinanderzubauen? Es gibt viele Bewerber, aber nur die wenigsten bringen die Voraussetzungen mit.

Wie kann es sein, dass diese Frage noch nicht geklärt ist? Wird die "Costa Concordia" vielleicht gar nicht mehr transportfähig sein, wenn es so weit ist?

Ich will sie erst mal stehen sehen! Wir brauchen doch zuerst Daten darüber, wie sie sich auf See verhält. Wenn wir die haben, können wir anfangen, uns zu überlegen, wie weit sie überhaupt geschleppt werden kann.

Sie beaufsichtigen nicht nur das Parbuckling-Projekt, Sie haben auch als ehemaliger technischer Direktor von Costa Crociere den Bau des Kreuzfahrtschiffs begleitet.

Ja, das ist Ironie des Schicksals. Mit viel Freude haben wir das Schiff damals gebaut, waren begeistert davon, dass es wintertauglich war, mit überdeckten Bereichen und einer enorm großen Spa-Sektion - das hat uns sehr gefallen. Jetzt muss ich mich mit dem Abwracken der "Concordia" befassen. Das ist traurig, aber ein Teil meines Jobs.

32 Menschen kamen bei der Havarie am 13. Januar 2012 ums Leben. Noch immer werden zwei Menschen vermisst. Was passiert, wenn Sie während der Bergung deren sterbliche Überreste finden?

Daran möchte ich gar nicht denken. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass wir etwas finden, aber wir werden den Ermittlungsbehörden natürlich in jeder Weise zur Seite stehen. Die Reederei hat Kontakt zu den Hinterbliebenen und wird sie auf dem Laufenden halten.

Der Unglückskapitän Francesco Schettino muss sich derzeit in Grosseto vor Gericht verantworten. Wie beurteilen Sie sein Krisenmanagement?

Ich habe keine Meinung zu Schettino. Ich bin nur ein kleiner Ingenieur. Ich werde mich zu seiner Person und seinem Verhalten nicht äußern. Das überlasse ich dem Gericht.

14.09.2013, 16:07 Uhr | Von Annette Langer, Spiegel Online

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