18.04.2012, 17:20 Uhr | AFP, dapd, dpa
Ausweichend, unsicher, genervt: Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hat sich vor dem Osloer Gericht geweigert, tiefergehende Fragen von Staatsanwältin Inga Bejer Engh zu seiner angeblich existierenden Organisation "Tempelritter" zu beantworten. Er erklärte lediglich, Norwegen solle mit weiteren Anschlägen rechnen.
Zwei weitere "Zellen" seien zu Angriffen bereit, sagte der Rechtsextremist am dritten Tag seines Prozesses. Auf die Frage von Staatsanwältin Engh, ob die Norweger weitere Attacken dieser "Zellen" zu befürchten hätten, antwortete er "ja".
Bereits am Dienstag hatte Breivik vor Gericht auf weitere angeblich existierende "Zellen" verwiesen: Er sei ein "Kommandeur", der "lose Verbindungen" mit zwei weiteren unabhängigen Ein-Mann-Zellen unterhalte. Breivik hatte in der Vergangenheit in seinem im Internet veröffentlichten 1500 Seiten starken Manifest erklärt, Mitglied einer Tempelritterorganisation zu sein, die er 2002 mit drei Verbündeten gegründet haben will. Der norwegische Geheimdienst hat jedoch keine Hinweise auf die Existenz einer solchen Organisation.
Der 33-Jährige selbst warf der Polizei bei ihren Ermittlungen Versagen vor. Zweifel der Staatsanwaltschaft an der Existenz der "Tempelritter" seien lediglich ein Zeichen, dass die Polizei nicht ausreichend nach ihr gesucht habe, sagte Breivik.
Weitere Fragen der Anklage wies er zurück. "Ich möchte das nicht kommentieren. Sie können dieses Thema einfach überspringen", sagte Breivik mehrmals. "Wenn Sie nicht antworten, kann das gegen Sie verwendet werden", bemerkte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen.
Breivik wirkte erschöpft und etwas resigniert. "Ich hoffe, Sie legen weniger Gewicht darauf, mich lächerlich zu machen, und mehr auf die Sache", sagte er an Engh gerichtet. Der 33 Jahre alte Islamhasser muss sich in Oslo für den Tod von 77 Menschen verantworten. Er ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt.
Falls ihn das Gericht nicht für geisteskrank erklärt und in eine geschlossene Psychiatrie einweist, droht eine Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis. Eine Strafe, die der Norweger selbst als "erbärmlich" bezeichnet. Es könne nur zwei gerechte Urteile geben: Freispruch oder Todesstrafe, so Breivik. "Ich will die Todesstrafe nicht, aber ich hätte das Urteil respektiert."
Am Mittwoch wollten sich die Staatsanwälte auf die Zeit von 2001 bis 2006 konzentrieren, in der Breivik seinen Hass auf alles Multikulturelle und seine politische Ideologie entwickelte. Er habe vor allem über das Internet Kontakt zu Gleichgesinnten gesucht, erklärte Breivik.
Welche Personen dies waren, wollte er nicht sagen. Er soll einen gesuchten serbischen Nationalisten in Liberia getroffen haben. "Ich möchte keine Informationen geben, die zu weiteren Festnahmen führen könnten", sagte Breivik. "Mein Eindruck war, dass die meisten militanten Nationalisten in Norwegen unter Beobachtung standen", sagte Breivik. Das sei für ihn ein großes Problem gewesen. "Wenn es zu vermeiden ist, möchte man nicht erfasst werden", ergänzte er.
Sein 1500 Seiten starkes Manifest betrachtet der Massenmörder als "Terrorschule". Man müsse nicht sonderlich begabt sein, um Anschläge wie im Osloer Regierungsviertel und auf der Insel Utoya zu begehen, sagte er.
Quelle: AFP, dapd, dpa
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