28.01.2013, 20:10 Uhr | AFP
Das Haus im oberbayrischen Notzing wurde Tatort eines an Grausamkeit kaum zu übertreffender Doppelmordes. (Quelle: dpa)
Ein an Grausamkeit kaum zu übertreffender Doppelmord wird ab Dienstag vor dem Landgericht Landshut verhandelt. Angeklagt ist ein 22-jähriger Heizungsbauer, der die Eltern seiner Ex-Verlobten für das Scheitern der Beziehung verantwortlich gemacht und sie deshalb getötet haben soll.
Mit Messern, einer Axt und Kaminbesteck soll Christoph W. laut Anklage seine Opfer attackiert und sie dann verbluten lassen haben. Makaber gerieten die Versuche, die Leichen verschwinden zu lassen: W. versuchte sie unter anderem zu verbrennen und ließ sich dabei von seiner Ex-Freundin helfen.
Christoph W. und Cornelia R. waren seit Ende November 2009 ein Paar, im Februar 2010 verlobten sie sich - er war damals 19, sie 15 Jahre alt. Der junge Mann baute sogar schon an einem Haus für sich und seine Verlobte. Am 16. März vergangenen Jahres beendete die junge Frau aber die Beziehung. Er machte dafür ihre Eltern verantwortlich.
Zwei Wochen später suchte Christoph W. laut Anklageschrift Rache: Als am 30. März sowohl die Eltern als auch seine Ex-Freundin das Haus im Dorf Notzing im Landkreis Freising verlassen hatten, soll er in das Gebäude eingestiegen sein. Bewaffnet mit zwei Küchenmessern der Familie soll Christoph W. im Wohnzimmer auf die Rückkehr des 60-jährigen Vaters gewartet und ihn dann unvermittelt angegriffen haben. Der vor Wut rasende Angreifer soll mehrmals auf sein Opfer eingestochen haben. Dann soll er den blutenden Mann in den Keller geschleift und mit einem eisernen Kaminbesteck auf ihn eingeschlagen haben, bis er tot war.
Den Ermittlungen zufolge putzte W. anschließend zwei Stunden lang das Haus vom Blut seines Opfers. Als kurz danach die Mutter zurückkehrte, griff er die 54-Jährige ebenso unvermittelt an und verletzte sie mit Messern, einem Handbeil, einem Wetzstahl und einem Schürhaken. Vor ihrem Tod habe die aus über 30 Wunden blutende Frau noch "Warum?" gefragt. Seine Antwort sei gewesen: "Weil ihr mir meine Frau genommen habt."
In der Anklageschrift macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben dazu, wie die Eltern tatsächlich zu der Beziehung standen - dies werde im Prozess zur Sprache kommen, sagte ein Behördensprecher. Auch nach der Trennung scheinen Christoph und Cornelia eine enge Verbindung gehabt zu haben. Denn als die junge Frau aus der Schule nach Hause zurückkehrte, drohte Christoph W. ihr zwar, sie zu ermorden, falls sie ihm nicht bei der Beseitigung der Leichen helfe. Doch danach half sie in einem Maß, das nicht allein mit dem Zwang erklärbar ist.
Cornelia selbst habe vorgeschlagen, die Leichen zu verbrennen. Im Rohbau seines Hauses habe Christoph W. die Leiche des Vaters im Keller mit Spiritus und Benzin übergossen, angezündet und das Feuer mit Holz angeheizt. Über zwei Stunden schürte das Paar das Feuer, bis es erkannte, dass die Leiche nur verkohlte.
Dann versuchten die beiden, die Leiche des Vaters an einem See zu vergraben. Dieser Plan scheiterte jedoch am starken Wurzelwerk. Danach vergruben sie die Leichen der Eltern in deren Garten.
Außerdem fassten beide laut Anklage gemeinsam den Plan, das Verschwinden der Eltern mit einer Reise zu erklären - dazu parkten sie das Auto der Eltern am Erdinger Bahnhof.
Erst als mehr als zwei Tage nach den Taten der nicht mehr zu Hause lebende Sohn der Ermordeten nach seinen Eltern suchte und trotz Maler- und Reinigungsarbeiten die Blutspuren entdeckte, verriet die junge Frau das grausame Geschehen.
Das Amtsgericht Freising hat die inzwischen 18-Jährige wegen Beihilfe zur Strafvereitelung mittlerweile zu einem halben Jahr Jugendhaft auf Bewährung verurteilt, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
In dem Prozess gegen ihren Ex-Freund tritt sie zusammen mit ihrem Bruder als Nebenklägerin auf - für Christoph W. muss das ein Zeichen sein, dass auch seine Wahnsinnstat ihm seine Freundin nicht zurückbringen konnte.
Quelle: AFP
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