25.02.2013, 16:21 Uhr | Beatrix Boldt, dapd
Weil er unbedingt mit einem Reporter über seine finanziellen Problemen reden wollte, brachte ein Obdachloser einen Bankangestellten in seine Gewalt. Nur zwei Monate später ist der 68-jährige Täter zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.
Die Geiselnahme sei der "besonderen Lebenssituation des Angeklagten" geschuldet. Er habe keinen anderen Ausweg für sich gesehen, hieß es im Urteil des Landgerichts Berlin.
Der Mann hatte im Prozess gestanden, im Dezember vergangenen Jahres einen 49-jährigen Bankangestellten als Geisel genommen zu haben, um ein Interview mit einem Fernsehteam vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zu erzwingen. "Das war absoluter Mist", räumte der Angeklagte im Prozess ein.
Während der knapp eineinhalbstündigen Geiselnahme hatte er den Kundenberater mit einer Schreckschusswaffe bedroht. Dem Filialleiter der Bank gelang es, die Polizei zu verständigen. Zwei Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos, die sich als Fernsehteam ausgaben, konnten den Mann überwältigen.
Vor Gericht sagte der 68-Jährige, er sei seit 1994 bei dem Sozialunternehmen Treberhilfe als Haushandwerker beschäftigt gewesen. Seinen Angaben zufolge hatte er im vergangenen Jahr aber kein volles Gehalt mehr bekommen, sondern "nur noch kleine Summen". Er habe daher seine Miete nicht mehr zahlen können und die Wohnung verloren.
Im August vergangenen Jahres habe er dann die Arbeit gänzlich eingestellt. Da ihm offiziell nicht gekündigt wurde, blieben jedoch alle Bemühungen, von offiziellen Stellen Geld zu bekommen, erfolglos. "Ich wollte darüber unbedingt mit einem Reporter reden", betonte der Mann.
Das Gericht ging von einem "minderschweren Fall der Geiselnahme aus". Der Angeklagte habe seine Drohung nicht umsetzen können, da die Waffe funktionsuntüchtig gewesen sei, hieß es. Zudem habe der 68-Jährige keine weitere Gewalt angewendet, sondern nur über seine Probleme reden wollen.
Nach Aussage des Bankangestellten hatte ihm der Angeklagte während der Geiselnahme "sein ganzes Leben geschildert". Dem Filialleiter gegenüber sagte der 68-Jährige dann, er solle nicht "böse" auf ihn sein. Er wolle kein Geld, sondern mit dem RBB sprechen. "Für den Mann schien das der letzte Ausweg zu sein. Ich hatte fast Mitleid mit ihm", sagte der 28-jährige Filialleiter im Prozess.
Quelle: Beatrix Boldt, dapd
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