22.03.2013, 18:04 Uhr | t-online.de, AFP, dpa
Mehr als 20 Jahre saß der New Yorker David R. im Gefängnis - für einen Mord, den er nie begangen hat. Nun ist er frei. Der mittlerweile 58-Jährige nannte seine Freilassung "überwältigend".
R. war 1991 zu 37 Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann war damals für den Mord an einem Rabbi im Februar 1990 verantwortlich gemacht worden, der bei einem missglückten Raubüberfall erschossen wurde.
Um mit ihm einen Täter präsentieren zu können, soll die Polizei Zeugen massiv beeinflusst haben. Der Angeklagte hatte die Tat stets bestritten.
Eine Richterin in Brooklyn entließ R. nun offiziell aus der Haft. "Mr. R., zu sagen, Sie hätten eine Entschuldigung verdient, wäre sehr untertrieben", sagte sie. "Ich sage dennoch heute, bitte verzeihen Sie."
R. selbst konnte nach Medienangaben kaum sprechen. "Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich nichts mit diesem Fall zu tun habe", sagte der 58-Jährige nach seiner Freilassung. "Im Moment fühle ich mich wie unter Wasser", fügte er hinzu. "Das ist überwältigend."
Laut CNN waren auch seine Frau und seine Tochter da. Die Tochter war bei der Verurteilung ihres Vaters zwei, jetzt ist sie selbst im siebten Monat schwanger.
"Wir freuen uns so sehr", sagte der 38 Jahre alte Sohn des ehemaligen Häftlings der "Daily News". Die Schwester des Justizopfers hofft nun, dass er zunächst in ihr Haus ziehen wird. "Ich habe keine Worte, einfach keine Worte. Ich weiß nicht, wie er wieder neu anfangen soll", sagte die Frau den Medien.
Nicht nur, dass es 1990 keinerlei Beweise gegen R. gegeben hatte. Die Polizisten hatten nach einem Bericht der "New York Times" auch viele Indizien gefälscht.
Zwei gefährlichen Kriminellen seien Rauschgift und Prostituierte versprochen worden, wenn sie gegen R. aussagten. Nur ein Zeuge habe ihn identifiziert - und dem sei vorher gesagt worden, auf wen er zeigen solle.
Laut dem Bezirksstaatsanwalt erbrachte eine "interne Untersuchung" Beweismittel, die zu Zeiten des Prozesses nicht berücksichtigt worden seien. "Daraus erschließt sich, dass die Grundlage, auf der Herr R. verurteilt wurde, falsch war. Es gibt keine Beweise gegen ihn."
Der damalige Ermittlungschef, inzwischen im Ruhestand, zeigte CNN gegenüber Unverständnis gegenüber der Freilassung. Er habe sich nichts vorzuwerfen, und R. habe die Tat damals gestanden. Aufgezeichnet habe er die entscheidende Aussage aber nicht.
Nach Informationen der Zeitung "New York Times" kam der mutmaßliche wahre Mörder bereits im Jahr 1990 wenige Monate nach dem Überfall auf den Rabbi bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei ums Leben.
Quelle: t-online.de, AFP, dpa
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