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Lebenslänglich für "shameless Mick" nach dem Tod von sechs seiner Kinder

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Lebenslänglich für "shameless Mick" nach dem Tod von sechs seiner Kinder

04.04.2013, 18:06 Uhr | t-online.de, dpa, AFP

Lebenslänglich für "shameless Mick" nach dem Tod von sechs seiner Kinder. Er zündete sein eigenes Haus in Derby an und tötete damit sechs seiner Kinder - für diese Tat ist ein 56 Jahre alter, 17-facher Vater in England zu lebenslanger Haft wegen Totschlags verurteilt worden. (Quelle: dpa)

Auf einer Pressekonferenz in Derby 2011 erklärte sich "shameless Mick", neben ihm seine Frau, nach dem selbst gelegten Hausbrand, bei dem sechs seiner Kinder starben. Das Urteil gegen ihn lautet lebenslänglich (Quelle: dpa)

Er zündete sein eigenes Haus in Derby an und tötete damit sechs seiner Kinder - für diese Tat ist ein 56 Jahre alter, 17-facher Vater in England zu lebenslanger Haft wegen Totschlags verurteilt worden. Seine 32-jährige Frau und ein ebenfalls beteiligter Freund müssen 17 Jahre ins Gefängnis. Der als "Shameless Mick" (schamloser Mick) landesweit bekannte Brite begründete die Tat mit einem Sorgerechtsstreit.

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Was der Vater getan habe, sei "beispiellos" und "außerhalb der Vorstellungskraft jedes gesunden Menschen", erklärte die Richterin in Nottingham zur Begründung des Urteils. Nach der Verkündung war im Gerichtssaal Applaus ausgebrochen. Einer schrie, er wünsche dem Verurteilten den Tod.

Dieser hatte im Mai 2011 Feuer in seinem Wohnhaus gelegt, obwohl sich sechs seiner Kinder darin aufhielten. Sein Plan war, die Kinder zu retten, als Held dazustehen und die Schuld für das Feuer auf eine Ex-Geliebte zu schieben. Damit hatte er sich an ihr rächen wollen, weil sie ihn zusammen mit den vier gemeinsamen Kindern verlassen hatte. So sollten auch die wieder zu ihm zurückkommen.

Doch die sechs Jungen und Mädchen im Alter von fünf bis 13 Jahren - fünf davon gemeinsame Kinder des Ehepaares, eines aus einer früheren Beziehung der Frau - starben im Feuer beziehungsweise im Krankenhaus.

Mindestens 15 Jahre hinter Gittern

Vor allem die englische Boulevardpresse berichtet umfassend über "Shameless Mick". Zuletzt veröffentlichte die "Daily Mail" einen Brief, in dem er krudeste Gedanken in Erwartung des Urteils äußerte und sich gleichsam in Feierlaune präsentierte. Seinen Beinamen erhielt der Brite nach einem Fernsehauftritt, in dem er unverblümt Forderungen an den Sozialstaat stellte und mit seinem unorthodoxen Lebensstil angab.

"Shameless Mick" gilt als Muster der oft als verlottert verschrienen englischen Unterschicht. "Widerliches Produkt des britischen Wohlfahrtsstaates" titelte die "Daily Mail". Gegenwärtig wird nicht nur beim konservative Boulevardblatt allerdings auch darüber diskutiert, inwiefern die Medien ihn ein Stück weit inszeniert haben.

Dem Urteil zufolge muss der Brite mindestens 15 Jahre hinter Gittern bleiben. Danach wird nach englischem Recht überprüft, ob der Mann noch eine Gefahr für andere darstellt. Er könnte theoretisch freikommen, bleibt aber für den Rest seines Lebens unter Beobachtung und auf Bewährung.

Ein Mann ohne "moralischen Kompass"

Die Ehefrau und der Bekannte müssen mindestens die Hälfte der 17 Jahre in Haft absitzen, danach könnten sie auf Bewährung freikommen.

Die Richterin beschrieb den Vater als treibende Kraft hinter der Tat, und als einen "erschreckend gefährlichen Mann" ohne jeglichen "moralischen Kompass". Er habe die Frauen in seinem Leben terrorisiert.

Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt, unter anderem auch wegen der Lebensumstände des Mannes: Er hat 17 Kinder von verschiedenen Frauen und lebte über Jahre sowohl mit seiner Ehefrau als auch seiner Geliebten zusammen in dem Haus in Derby. Beide Frauen waren teilweise gleichzeitig von ihm schwanger. Als die Geliebte jedoch auszog, drohte der Mann Rache an.

Spender ermöglichen angemessene Beerdigungen

Nach dem Feuer waren viele Spenden für die Beerdigung der sechs Kinder gesammelt worden. Bei dieser konnten die Eltern aber nicht dabei sein, weil sie als Verdächtige bereits in Haft saßen. Bei einer Pressekonferenz hatten sie zuvor geweint und sowohl ihre Trauer als auch ihre Unschuld beteuert.

Der Brandstifter soll angeblich noch versucht haben, die von den Flammen bedrohten Kinder durch ein Fenster zu retten. Das Feuer breitete sich aber größer und schneller aus als erwartet. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "Plan, der katastrophal und tragisch schief lief".

Debatte über Schmarotzertum

Die Wut der Nation geht nun über einem Mann nieder, der Jahrzehnte vom Staat lebte, sich weigerte, einen Job anzunehmen, und bereits wegen Mordversuchs an einer Ex-Freundin sieben Jahre im Gefängnis gesessen hat.

Schatzkanzler George Osborne kommentierte: "Es ist richtig, dass wir uns als Regierung, Gesellschaft und Steuerzahler die Frage stellen, warum wir Lebensstile wie diesen finanzieren. Es muss etwas getan werden." Erst Tage zuvor waren soziale Einschnitte in Kraft getreten, mit dem das Land gegen seine hohe Verschuldung vorgeht.

Ein Verwandter der Geliebten des Mannes erklärte gegenüber dem Sender ITV, die Aufmerksamkeit müsse nun endlich weg von den Tätern und zurück zu den verstorbenen Kindern gehen: "Es hat sich alles immer nur um ihn gedreht, so sollte es nicht sein. Wir sollten daran denken, dass sechs Kinder ihr Leben verloren haben."

 
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