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Costa Concordia: Francesco Schettino wird mit Katastrophe konfrontiert

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Die Fehler des Kapitäns und die blonde Frau

18.07.2013, 11:32 Uhr | dpa, je

Costa Concordia: Francesco Schettino wird mit Katastrophe konfrontiert. Prozess um "Costa-Concordia"-Unglück: Francesco Schettino und Domnica Cemortan (Quelle: dpa, AP/dpa)

Der Kapitän und die blonde Moldauerin: Welche Rolle spielte Domnica Cemortan in der Unglücksnacht? Und welche Rolle wird sie im Prozess spielen? (Quelle: dpa, AP/dpa)

 

Fehler um Fehler bekommt Kapitän Francesco Schettino im Prozess um den Untergang der "Costa Concordia" vom Gericht vorgehalten. Doch welche Rolle spielt die hübsche blonde Moldauerin, die gleich am ersten ganzen Prozesstag im Gerichtssaal erscheint und der so mancher Prozessbeobachter eine entscheidende Rolle zuschreibt.

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Domnica Cemortan heißt die junge Frau; sie ist 26. Schon Wochen nach dem Unglück tauchten Gerüchte und Berichte auf, sie habe eine Romanze mit dem Kapitän gehabt und ihn womöglich in der Unglücksnacht abgelenkt. Außerhalb des Gerichts hat sie dies - trotz widersprüchlicher angeblicher Interviews und belastender Funde aus dem Schiffswrack - widerholt bestritten.

Dennoch tritt die Frau aus Moldawien nicht nur als einer von mehr als 400 Zeugen auf, sondern sie steht auch auf der langen Liste der Nebenkläger. Am ersten kompletten Prozesstag im eigens umfunktionierten Teatro Moderno sorgt sie mit ihrem Auftritt im blauen Minirock zwar für Aufsehen, zur Sache sagt sie aber natürlich noch nichts. Nur außerhalb des Gerichtssaals beschwert sie sich gegenüber "bild.de", dass Francesco Schettino allein auf der Anklagebank sitzt und niemand von der Reederei.

"Für die Fehler der anderen"

Wird sie ihn also entlasten oder doch belasten? Der erste Prozesstag (der Auftakt vor einer Woche war kurz nach Beginn abgebrochen worden) gehörte allerdings naturgemäß nicht ihrer Zeugenaussage, sondern der Anklageerhebung. Mehr als eine halbe Stunde lang bekam Schettino zu hören, welche Fehler nach Auffassung der Ermittler zur Katastrophe des Kreuzfahrt-Riesen mit 32 Toten führten.

Die Anwälte des Kapitäns hatten noch vor der Verlesung der Anklageschrift gefordert, Schettino nicht für die Fehler seiner Crew zur Rechenschaft zu ziehen.
"Schettino ist sicher verantwortlich für seine Handlungen", sagte sein Anwalt Donato Laino. "Aber er kann nicht für die Fehler der anderen geradestehen." Schettino selbst, von vielen "Kapitän Feigling" genannt, erschien braun gebrannt und in dunklem Anzug vor Gericht.

Die Verlesung der Anklagepunkte verfolgte der einzige Beschuldigte mit verschränkten Armen und auf Anweisung des Richters im Stehen. Das Schriftstück zählt unter anderem alle 32 Opfer der Katastrophe auf und beschreibt ihr Schicksal. Schettino muss sich unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes noch während der Evakuierung verantworten.

Absprachen werden als Skandal gewertet

Fünf weitere Beschuldigte hatten sich mit der Staatsanwaltschaft auf Absprachen über das Strafmaß geeinigt. Die Reederei Costa Crociere, zu deren Flotte die "Costa Concordia" gehört, war dank der Zahlung einer Strafe zunächst einem Prozess entgangen. Nicht nur die Verteidigung, auch viele Prozessbeobachter kritisierten dieses Vorgehen.

Für viele Opfer-Anwälte sind die Absprachen zwischen den fünf Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft ein Skandal. "Auf der Anklagebank sollte nicht nur der Kapitän Schettino sein", sagte etwa Massimiliano Gabrielli. Sein Kollege Fabio Targa klagte: "Es ist tief ungerecht, dass Personen, die schwere Schuld haben, quasi ohne Strafe davonkommen." Das Gericht in Grosseto entscheidet am Samstag, ob es die geplanten Absprachen über das Strafmaß zulässt.

Schettinos Verteidiger beantragten erneut eine ausgehandelte Strafe von drei Jahren und fünf Monaten für ihren Mandaten. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. Mit einem solchen Versuch waren sie schon in den Voranhörungen gescheitert. Anwalt Domenico Pepe betonte, Schettinos einziger Fehler sei es wahrscheinlich gewesen, zu sehr der Crew vertraut zu haben.

Staatsanwalt hat keine Zweifel

Die "Costa Concordia" war im Januar 2012 zu nahe an die Toskana-Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war havariert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, unter ihnen auch zwölf Deutsche. Zwei Opfer werden noch heute vermisst.

Dem Unglückskapitän Schettino drohen mehrere Jahre Haft. Die Anklage sieht in ihm den Hauptverantwortlichen für das Drama. Nach Ansicht von Staatsanwalt Francesco Verusio bestehen an Schettinos Schuld keine Zweifel, nur die Höhe der Strafe müsse festgelegt werden.

"Wir sind optimistisch, dass der Prozess in kurzer Zeit zu Ende geht, innerhalb der ersten Hälfte des Jahres 2014", sagte er. Angesichts von mehr als 400 Zeugen und einer langen Liste von Nebenklägern könnte sich das Verfahren jedoch hinziehen. Und die Aussage von Domnica Cemortan steht auch noch aus.


 
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