05.08.2013, 09:42 Uhr | dpa
Nach landesweiten Protesten hat Marokkos König Mohammed VI. die Begnadigung eines Kinderschänders aus Spanien rückgängig gemacht.
Der Monarch habe sich angesichts der "Schwere des Verbrechens und aus Respekt vor den Opfern" zu diesem Schritt entschlossen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur MAP unter Berufung auf eine Mitteilung des Hofs.
Jetzt sollten die Justizministerien Spaniens und Marokkos das weitere Vorgehen gegen Daniel Fino Galván absprechen. Zudem sollten die Umstände der "bedauernswerten Freilassung" des Mannes untersucht werden, hieß es.
Galván hatte sich zwischenzeitlich aus Marokko abgesetzt und war zurück nach Spanien gereist. Der 64-Jährige sei am Montag in der Stadt Murcia im Süden des Landes festgenommen worden, teilte das Innenministerium in Madrid mit.
Galván war 2011 wegen Vergewaltigung von elf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen vier und 15 Jahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er war Anfang der Woche im Rahmen einer Amnestie des Königs für insgesamt 1044 Menschenauf freien Fuß gesetzt worden. Anlass der Begnadigung war der 14. Jahrestag der Thronbesteigung gewesen.
Die Begnadigung hatte große Empörung ausgelöst. Vor der ungewöhnlichen Mitteilung des Königshauses, das praktisch nie Handlungen des Monarchen rechtfertigt oder erklärt, hatte die marokkanische Polizei am Freitag Proteste Tausender Menschen gegen den königlichen Erlass brutal niedergeschlagen.
Dabei seien allein bei einer Kundgebung vor dem Parlament in Rabat Dutzende verletzt worden, berichteten das Nachrichtenportal Afrik und andere Medien.
Für Dienstag und Mittwoch hatten Menschenrechtsgruppen zu einer Großdemonstration in Casablanca, der bevölkerungsreichsten Stadt des Landes, aufgerufen. Ob diese Proteste auch nach der Annullierung des Erlasses stattfinden sollen, war vorerst nicht bekannt.
Mit Blick auf die Empörung in Marokko in den vergangenen Tagen hatte das Außenministerium in Madrid betont, die Liste der von der Amnestie Begünstigten sei von den marokkanischen Behörden zusammengestellt worden. Die oppositionellen Sozialisten in Spanien kündigten an, am Montag im Madrider Parlament eine Stellungnahme von der konservativen Regierung einzufordern.
Medienberichte, wonach es sich bei dem aus dem Irak stammenden Galván um einen früheren Spion handelt, der für seine "Verdienste" in Spanien einen neuen Namen und einen Pass erhalten haben soll, wurden zunächst weder von Madrid noch von Rabat kommentiert.
05.08.2013, 09:42 Uhr | dpa
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