Nach 22 Jahren erstmals in Freiheit
Zum Tode verurteilte Frau verlässt das Gefängnis07.09.2013, 09:20 Uhr | dpa
Nach mehr als zwei Jahrzehnten in einer Todeszelle ist eine gebürtige Berlinerin aus einem Gefängnis im US-Staat Arizona freigekommen. Debra Milke verließ am Freitag die Haftanstalt in Phoenix gemeinsam mit ihrem Anwalt. Unterstützer hinterlegten ihre Kaution von etwa 190.000 Euro, wie die Lokalzeitung "Arizona Republic" berichtete.
Bis zur Fortsetzung ihres Berufungsprozesses, dessen Zeitpunkt noch offen ist, ist die 49-Jährige unter Einschränkungen auf freiem Fuß. Dies hatte die zuständige Richterin festgelegt. Milke war 1991 verurteilt worden, weil sie 1989 angeblich zwei Männer zur Ermordung ihres vierjährigen Sohnes angestiftet haben soll.
"Die Beweise reichen nicht aus, und die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß genug, dass die Angeklagte die ihr zur Last gelegten Verbrechen begangen hat", teilte die Richterin ihren Entschluss über Twitter mit.
Milke musste für ihre Freilassung unter Auflagen allerdings zunächst die Kaution aufbringen. Zudem muss sie ein Gerät bei sich tragen, mit dem sie jederzeit aufzufinden ist. Darüber hinaus gelten für sie feste Zeiten, an denen sie in dem Haus sein müsse, das Freunde ihr in der Stadt Phoenix zur Verfügung gestellt haben.
Debra Milkes Mutter kämpft seit Jahren für ihre Tochter - unterstützt von Prominenten wie Uschi Glas, Günther Jauch oder Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. "Das ist ein ganz, ganz großer Gewinn. Wir freuen uns", sagte Glas. "Für mich war immer klar, dass sie unschuldig ist."
Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung will die Schauspielerin Milke in den USA besuchen. Milke war 1964 als Tochter einer Deutschen und eines US-Soldaten in Berlin geboren worden.
Das Urteil war stets umstritten, weil es fast ausschließlich auf einem Geständnis basierte, das Milke nie abgelegt haben will.
"Ich bin unschuldig", hatte sie in der Lokalzeitung "New Times" beteuert. Ihr Ex-Mann sagte dem TV-Sender Fox News, Milke sei hinter Gittern besser aufgehoben.
Ein Berufungsgericht in San Francisco hatte das Urteil im vergangenen März aufgehoben: Es gebe keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten. Es ist bislang unklar, wann das neue Hauptverfahren beginnt. Milke musste nach Anweisung des Berufungsgerichts auf freien Fuß gesetzt werden, wenn der Prozess nicht bis zum 7. Oktober startet.
Die Richterin will zunächst entscheiden, ob sie die Aussage eines Hauptbelastungszeugen als Beweismittel zulässt. Der Ermittler hatte im ursprünglichen Prozess ausgesagt, dass Milke ihm die Mitschuld an dem Mord gestanden habe. Für diese Behauptung gibt es aber weder Beweise noch Zeugen. Der Polizist hatte überdies seitdem in anderen Fällen vor Gericht unter Eid falsch ausgesagt.
07.09.2013, 09:20 Uhr | dpa
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