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Ölkatastrophe immer schlimmer - Florida in Gefahr

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Ölpest immer schlimmer - Florida in Gefahr

04.05.2010, 14:11 Uhr | dapd, dpa

Ölpest immer schlimmer - Florida in Gefahr. Ölkatastrophe: Ein Boot bringt eine Ölsperre vor der amerikanischen Küste aus. (Foto: AP)

Schadensbegrenzung: Ein Boot bringt eine Ölsperre vor der amerikanischen Küste aus. (Foto: AP)

 

Trotz des Kampfes gegen die Ölverseuchung im Golf von Mexiko breitet sich der schmierige Teppich immer weiter aus - und es scheint auch knapp zwei Wochen nach der Bohrinsel-Explosion kein Ende in Sicht. Jetzt treibt ihn der Wind auch in Richtung der Strände Floridas. Der Ölfilm sei bis zu 80 Kilometer breit und etwa 130 Kilometer lang, sagte Admiral Thad Allen. Präsident Barack Obama selbst sieht inzwischen die Gefahr einer Umweltkatastrophe von nie dagewesenem Ausmaß, und sie könnte den britischen Ölriesen BP teuer zu stehen kommen. Nach Experten-Schätzungen muss sich der Konzern auf Milliardenkosten einstellen.

Obamas Innenminister Ken Salazar hält es für möglich, dass es noch drei Monate dauert, bis das Problem im Griff ist. So wächst die Befürchtung, dass die Schäden für das hochsensible Ökosystem in der Küstenregion noch größer werden als die beim Exxon Valdez-Unglück 1989 vor Alaska. Damals verendeten mindestens 250.000 Seevögel, weil knapp 40.000 Tonnen Rohöl ins Meer geströmt waren. Zigtausenden Fischern in der Küstenregion im Süden der USA droht schon jetzt das Aus: Die US-Behörden haben ein vorläufiges Fangverbot verhängt. Die US-Bundesstaaten Louisiana, Florida, Alabama und Mississippi riefen den Notstand aus.

Noch kein verklumptes Öl an der Küste

Aber einige kleine Lichtblicke gibt es: Bis zum Montagmittag (Ortszeit) wurde entgegen ursprünglichen Befürchtungen kein schwer verklumptes Öl vor die Küste des Bundesstaates Louisiana geschwemmt. Nach Angaben des Senders CNN ist dieser zähe Teppich noch bis zu 14 Kilometer vom Land entfernt. Erklärt wurde das damit, dass sich die Winde zu drehen begonnen haben, sie werden außerdem schwächer. Wann und wo nun mit dem Eintreffen der zähen Ölmasse zu rechnen ist, war unklar.

Druck auf Ölkonzern BP wächst

Bei der Lösung des Kernproblems, dem aussprudelnden Öl aus gleich drei Lecks in 1500 Meter Tiefe, gibt es nach wie vor keine Fortschritte. Weiter strömen am Tag schätzungsweise knapp 700 Tonnen Rohöl ins Meer. So wächst auch der Druck auf den britischen Ölriesen BP. Obama machte das Unternehmen am Sonntag bei seinem Besuch in der Region in scharfem Ton für die Ölpest verantwortlich und bekräftigte: "BP wird die Rechnung dafür bezahlen".

Kosten von bis zu acht Milliarden Dollar

Währenddessen sagte ein BP-Sprecher, "es ist zu früh, um eine Summe abzuschätzen." Die Zeitung "Financial Times" rechnete aus, dass dem Ölkonzern Kosten von bis zu acht Milliarden Dollar drohen könnten - Schadenersatz für die Fischerei- und Touristikbranche eingeschlossen. Finanzexperte Neil McMahon bezog sich für seine Schätzung auf frühere Ölkatastrophen und kalkulierte die Inflation mit ein.

"Der Betrag steigt mit jedem Tag"

Derzeit koste der Einsatz gegen den Ölteppich etwa 6,5 Millionen Dollar (4,9 Millionen Euro) täglich. "Der Betrag steigt mit jedem Tag", so der BP-Sprecher. Er bekräftigte, es gelte weiter die Aussage von Firmenchef Tony Hayward: "Wir übernehmen die volle Verantwortung für den Ölteppich und wir werden ihn entfernen, und wenn Leute legitime Schadenersatzforderungen stellen, werden wir sie akzeptieren." Weiter erklärte der Sprecher, dass die Höhe der drohenden Schadenersatzforderungen offen sei.

BP baut weiter an der Kuppel

BP hatte die Ölbohrung veranlasst. Die von dem Konzern geleaste Bohrinsel "Deepwater Horizon" war am 22. April nach einer Explosion gesunken. BP-Chef Hayward sagte dem britischen Nachrichtensender BBC laut Internet: "Ich stimme dem Präsidenten zu, dass die höchste Priorität im Moment ist, das Leck zu beseitigen und den Schaden zu mildern." Der Chef von BP Amerika, Lamar McKay, sagte, die Hoffnungen ruhten nun darauf, in den nächsten sechs bis acht Tagen als kurzfristige Möglichkeit eine "Kuppel" über das Bohrloch zu stülpen.

Chemikalie am Bohrloch eingesetzt

BP hat außerdem mit einer Maßnahme begonnen, die es so noch nie gegeben hat - und die gute Wirkung zeigt, wie Admiral Allen sagte. Eine Chemikalie wird durch ein Rohr unmittelbar in die Nähe der Lecks in knapp 1500 Meter Tiefe geleitet, um das austretende Öl am Aufsteigen zu hindern. Bisher wurden derartige Mittel bei Ölkatastrophen auf der Oberfläche angewendet, um den Ölteppich auseinanderzubrechen, erläuterte ein Experte des Senders MSNBC.

Fischfang verboten

Zunächst waren dünne Ausläufer des Ölfilms in die Kanäle zwischen den kleinen Inseln vor der Küste Louisianas geschwappt. Verschlimmert wurde die Situation durch stürmisches Wetter: Die Wellen behinderten das Auslegen schwimmender Barrieren und das Absaugen des Öls. Die US-Behörde für Ozeanographie verfügte ein Fischereiverbot für die am stärksten gefährdeten Küstenregionen vom Mississippi-Delta in Louisiana bis zum westlichen Florida. Wissenschaftler sollen prüfen, ob der Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten noch sicher ist.

Jahrzehntelange Folgen

In einigen Küstengebieten wurden erste verschmutzte Vögel gefunden. "Dieses Ereignis ist so groß und es dehnt sich so schnell aus, dass der Mensch eigentlich keine effektiven Antworten darauf geben kann", sagte Richard Charter von der US-Umweltschutzgruppe Defenders of Wildlife dem Sender CNN. Die Ölkatastrophe werde jahrzehntelange Folgen haben.

 
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