07.06.2013, 19:36 Uhr | t-online.de, dpa
Es ist immer noch nicht vorbei. Während in einigen Regionen die Pegel allmählich fallen, ist das gewaltige Elbehochwasser weiter auf dem Weg nach Norden. Zehntausende Helfer kämpfen gegen die Fluten. Besonders dramatisch scheint die Lage unter anderem im brandenburgischen Mühlberg. "Die Stadt ist nicht mehr sicher", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.
Am Freitag entschieden die Behörden, die Stadt mit Nachdruck zu räumen.
Aufrufe zum Verlassen der Stadt sind aus Lautsprecherwagen der Polizei zu hören. Sie fahren durch eine halbleere Kleinstadt, an deren Rand wie bei der Jahrhundertflut 2002 eine fast zehn Meter hohe Wasserwand gegen die teils unsanierten Deiche drückt. Vor vielen Haustüren und Kellerfenstern liegen Sandsäcke, sie sollen im Falle einer Überflutung schützen.
Die Ansage der Beamten klingt entschlossener als am Mittwoch, als sie auf Anweisung von Landrat Christian Jaschinski noch zum freiwilligen Verlassen der Stadt aufgefordert hatten: "Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei. Mühlberg ist nicht mehr sicher, die Deiche können brechen. Verlassen Sie die Stadt, bringen Sie sich in Sicherheit!"
Einige der wenigen Bewohner, die zu sehen sind, gehen in ihre Wohnungen und packen ihre Sachen. Andere stehen zusammen und besprechen, wie es weitergehen soll.
Landrat Jaschinski wird deutlich: "Die Bürger müssen wissen, dass sie sich beim Bleiben in große Gefahr begeben. Ihnen kann dann im Ernstfall kaum geholfen werden", begründet er seine Entscheidung zur Evakuierung.
Sein Sprecher stellt klar: "Wer unbedingt bleiben will, wird nicht in Handschellen abgeführt." Eine Polizeisprecherin versichert: "Hier sind genügend Polizisten, um das Eigentum der Bürger zu sichern. Wir können nur an die Vernunft der Menschen appellieren, zu gehen."
In Magdeburg überstieg der Pegelstand der Elbe derweil den des Hochwassers von 2002. Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die auf beide Länder zuströmenden Wassermassen, die im Süden und Osten bereits große Verwüstungen angerichtet haben.
Noch bevor die Flutwelle den Norden erreicht hat, verlangten mehrere Ministerpräsidenten am Freitag von der Bundesregierung mehr Unterstützung. Das bisherige Angebot von 100 Millionen Euro reiche nicht aus. Allein für die Wirtschaft werden sich die Flutschäden nach Befürchtungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auf mehr als elf Milliarden Euro belaufen. Das Bundesagrarministerium bezifferte die Schäden in der Landwirtschaft mit bundesweit 173 Millionen Euro. Die Summe werde aber wohl noch steigen.
Die Umweltminister der Länder beschlossen in Oberhof, nach der Hochwasserkatastrophe in weiten Teilen Deutschlands eine Fehler- und Schwachstellen-Analyse vorzulegen. Dazu sollte es Mitte Juli in Thüringen eine Sonderkonferenz geben, schlug Thüringens Ressortchef Jürgen Reinholz (CDU) vor.
In Magdeburg steigt das Hochwasser der Elbe deutlich schneller und vermutlich höher als erwartet. Aktuelle Prognosen gingen von einem Höchststand von 7,30 Metern am Sonntag aus, sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper. Am Freitagvormittag zeigte der Pegel in Magdeburg 7,11 Meter. Normal sind dort knapp zwei Meter. Beim letzten Hochwasser von 2002 waren es 6,72 Meter. Trümper sagte, es seien für Magdeburg 2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten angefordert worden.
Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld sind 10.000 Menschen aufgerufen, ihre Wohnungen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Hier versuchen Arbeiter mit schwerem Gerät ein Leck zu schließen, dass sich im aufgeweichten Erdreich zwischen zwei Seen gebildet hat. Durch die Arbeiten bestehe aber auch die Gefahr, dass sich das Loch vergrößert. Dann könnte eine Flutwelle auf Bitterfeld zurollen.
In Halle sinkt derweil der Druck auf die Dämme, bleibt aber nach Angaben des Krisenstabs der Stadt enorm hoch. Im brandenburgischen Mühlberg erreichte die Elbeflut am Freitag ihren höchsten Punkt. Mit 9,88 Metern lag der Wert zehn Zentimeter unter dem der Jahrhundertflut 2002. Die Lage sei weiterhin ernst, hieß es.
Bundesweit sind 70.000 Feuerwehrleute im Einsatz, teilte der Deutsche Feuerwehrverband mit. Das Verteidigungsministerium sprach von mehr als 11.300 Bundeswehrsoldaten, die derzeit gegen die Fluten kämpfen.
In Niedersachsen hoffen die Menschen wieder: Nachdem die Prognosen für die höchsten Pegelstände zwei Tage in Folge nach unten korrigiert wurden, setzen jetzt viele Anwohner darauf, dass es für sie diesmal doch nicht so schlimm kommt wie bisher befürchtet.
In Bayern zieht sich das Hochwasser langsam zurück und die Pegelstände fallen. Allerdings sind für das Wochenende wieder Unwetter vorhergesagt. Die Wasserstände könnten dann wieder leicht steigen.
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07.06.2013, 19:36 Uhr | t-online.de, dpa
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