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Postfaktische Zeiten: Kein Meinungswandel zum Klimawandel

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USA nach "Harvey" und "Irma"  

Die Leugner des Klimawandels bleiben stur

12.09.2017, 10:31 Uhr | Martin Bialecki, dpa

Postfaktische Zeiten: Kein Meinungswandel zum Klimawandel. Hurrikan "Irma" hinterlässt auch in den USA, wie hier in Everglades City (Florida), Chaos und Zerstörung. Ob Hurrikans auf einen Klimawandel zurückzuführen sind, ist umstritten. (Quelle: Reuters)

Hurrikan "Irma" hinterlässt auch in den USA, wie hier in Everglades City (Florida), Chaos und Zerstörung. Ob Hurrikans auf den Klimawandel zurückzuführen sind, ist umstritten. (Quelle: Reuters)

Befördern zwei schwere Hurrikane binnen kürzester Zeit in den USA die Diskussion über den Klimawandel? Ja, aber nur auf einer Seite. Anderen gelten "Harvey" und "Irma" als Gottes Werk - und der Linken als Beitrag für das eigene Setzen von Themen in der Medienberichterstattung.

"Irma" war der schwerste Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. "Harvey" der mit dem meisten Wasser. Nie sind zwei verheerende Stürme der Kategorie 4 binnen eines Jahres in den USA an Land gegangen. Man könnte prima diskutieren, ob und was das mit dem Klimawandel zu tun hat. Es ist alles nicht so einfach. Nicht in einer Zeit, in der jeder das Recht auf eigene Fakten reklamiert. Hier die Klimaforscher, dort die Abstreiter. 

Der Forscher Michael Mann schrieb in der "Washington Post": "Hurrikane bekommen ihre Energie vom warmen Wasser des Ozeans, und die Ozeane erwärmen sich wegen einer menschengemachten Ansammlung von Treibhausgasen in der Atmosphäre, vor allem wegen des Verbrennens von Kohle, Öl und Gas. In den vergangenen zwei Jahren haben wir in beiden Hemisphären die stärksten Stürme erlebt. Wärmere Luft nimmt mehr Feuchtigkeit auf. Die Meeresspiegel steigen. Wir sprechen von fundamentalen physikalischen Prinzipien."

An den Straßenrändern und in den Gräben von Islamorda in den Florida Keys (USA) liegt, was Hurrikan "Irma" übrig gelassen hat. (Quelle: AP/dpa/Charles Trainor Jr/Miami Herald)An den Straßenrändern und in den Gräben von Islamorda in den Florida Keys (USA) liegt, was Hurrikan "Irma" übrig gelassen hat. (Quelle: Charles Trainor Jr/Miami Herald/AP/dpa)

Andere Forscher verweisen darauf, dass der Klimawandel Hurrikane nicht "mache", es habe diese Stürme zu jeder Zeit gegeben. Das Entstehen und der Verlauf von Hurrikans seien ausgesprochen komplex. Die amerikanische Klima- und Wetterbehörde NOAA mahnt zur Vorsicht, die Zusammenhänge wären noch lange nicht zu Ende erforscht. Die NOAA fordert eindringlich, das zu tun. Tom Bossert vom Heimatschutzministerium sagt am Montag ausweichend: "Wir brauchen eine längere Trendanalyse."

Trump hat mit Klimaschutz nichts am Hut

Bosserts oberster Dienstherr hat mit Forschung und Wissenschaften nichts am Hut: der Schwergewichtsweltmeister der Klimaskeptiker, US-Präsident Donald Trump. Er hält Erderwärmung und Klimawandel bestenfalls für unbewiesen. Schnellstmöglich entfernt er sein Land von allen Regulierungen seines Vorgängers, wo "Klimaschutz" draufsteht. Aus dem unter Barack Obama verhandelten Klimaabkommen von Paris wollen die USA aussteigen.

Ein zerstörtes Haus in Ponte Vedra Beach, US-Staat Florida. (Quelle: AP/dpa/Gary Lloyd McCullough/The Florida Times-Union)Ein zerstörtes Haus in Ponte Vedra Beach im US-Bundesstaat Florida. (Quelle: Gary Lloyd McCullough/The Florida Times-Union/AP/dpa)

Ja, sagt Trump, das seien Stürme katastrophalen Ausmaßes gewesen. Dass er dabei an einen möglichen Zusammenhang mit dem Klimawandel dachte, muss man nicht annehmen. Das konservative und erst recht das rechte Lager streuen schon seit Tagen, die Linken würden "Harvey" und "Irma" sicher zu besonders grimmigen Gallionsfiguren der eigenen Sache stilisieren wollen. "Jetzt kommen sie wieder mit ihrem "Ich hab's euch ja gesagt"", schimpft die rechte Internetseite "The Daily Signal". "Anstatt sich um Opfer und schnelle Hilfe zu kümmern."

Prediger führen "göttliche" Diskussionen

Apropos Opfer: Noch weiter entfernt von einer sachlichen Diskussion kann man die gewaltigen Stürme auch religiös aufladen. Die "Washington Post" hat das zusammengestellt: Der TV-Prediger Jim Bakker sagte, Gott habe "Harveys" Fluten gesandt. Als Strafe. Als "Irma" auf die USA zuzog, erhoffte Pastor Kevin Swanson, dass der Oberste Gerichtshof nur rasch Abtreibungen und Homo-Ehe für illegal erklären würde! Dann würde Gott den Hurrikan schon von den USA weglenken.

Die Klimapolitik der US-Regierung hat auch Kritiker, wie hier im Juni bei einer Kundgebung vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin. (Quelle: Reuters/Fabrizio Bensch)Die Klimapolitik der US-Regierung hat auch Kritiker, wie hier im Juni bei einer Kundgebung vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin. (Quelle: Fabrizio Bensch/Reuters)

Der ultrarechte Hetzer Alex Jones sah in den Stürmen kein Werk Gottes, wunderte sich aber trotzdem. Warum die Regierung keine "Technologie" gegen sie eingesetzt habe, bevor die Hurrikane an Land gingen? Der zeitliche Zusammenhang mit der nahen Premiere des Hollywood-Blockbusters "Geostorm" könne wohl kein Zufall sein: "Gerade wo wir diese Superstürme haben, kommt 'Geostorm'". Perfektes Timing, oder?"

Verschwörungstheorien nicht nur bei Rechtsextremen

Rush Limbaugh, ein anderer oberster Verschwörungstheoretiker der rechten US-Talkradios, darf in diesem Chor nicht fehlen. "Es gibt dieses dringende Bedürfnis, das Klimaschutzthema voranzubringen. Und Hurrikane sind eines der besten Mittel dafür", raunt er. Krude Theorien hat die Rechte aber nicht exklusiv. "Harvey" sei gekommen, weil Texas als wichtigster Ölstandort der USA ein wahnsinnig schlechtes Karma habe, heißt es in Kommentaren.

Manche Forscher verweisen darauf, dass der Klimawandel einen Hurrikane nicht "mache", es habe diese Stürme schon immer gegeben. Für diesen US-Bürger auf Tybee Island (Georgia), der vor seinem gefluteten Haus steht, wohl kein Trost. (Quelle: AP/dpa/Stephen B. Morton)Manche Forscher verweisen darauf, dass der Klimawandel einen Hurrikane nicht "mache", es habe diese Stürme schon immer gegeben. Für diesen US-Bürger auf Tybee Island (Georgia), der vor seinem gefluteten Haus steht, wohl kein Trost. (Quelle: Stephen B. Morton/AP/dpa)

Die Schauspielerin und Trump-Gegnerin Jennifer Lawrence sagte, es falle schwer, in den Stürmen keinen Beleg für göttliche Wut an den herrschenden politischen Zuständen zu sehen. Millionen hören diese "Argumente", glauben ihren Absendern. Der Autor Kurt Andersen sieht derartige Diskussionen im Magazin "Atlantic" als klaren Beleg dafür, dass Teile der USA ihren Verstand verloren haben.

Katastrophen und große Not führen die Menschen in den USA persönlich regelmäßig zusammen. Über alle Grenzen hinweg, oft selbstlos, spontan und offen. Für die Diskussion über den Klimawandel gilt das nicht. Sie ist zu aufgeladen. Wie so oft in dieser Ära, glaubt jeder fest weiter an das, was er schon vorher geglaubt hat. "Irma" hin, "Harvey" her.

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