21.04.2012, 09:06 Uhr | dapd, dpa
Dieser Fall hatte ganz Amerika in Atem gehalten: Vor 33 Jahren verschwand ein sechsjähriger Junge in Manhattan. Die US-Bundespolizei FBI sucht nun wieder nach sterblichen Überresten des Opfers.
"Wir versuchen, die Nachforschungen auch im Interesse der Familie abzuschließen", wurde der FBI-Sprecher Tim Flanelly von der "New York Times" zitiert. Grund ist das Versprechen des Oberstaatsanwaltes von Manhattan, die Suche nach vermissten Kindern auch nach Jahren weiterzuverfolgen.
Der Fall bewegte die Gemüter in der Ära von Präsident Ronald Reagan. Das Verschwinden des kleinen Etan Patz hatte vor drei Jahrzehnten eine weltweite Suchaktion ausgelöst. Um ihn wiederzufinden, wurde erstmals die Methode angewandt, sein Foto auf Milchtüten zu drucken. Der Präsident rief den 25. Mai zum Tag der vermissten Kinder aus. Alle Bemühungen blieben vergebens. 2001 hatte ein Richter in New York Etan für tot erklärt.
Vor laufenden Kameras von zwölf Satelliten-Stationen begannen Ausgrabungsarbeiten an der Ecke Prince Street/Wooster Street im heutigen Trend-Viertel SoHo. Von dem Einsatz mit Presslufthämmern und Schaufeln im Keller eines Mietshauses erhofft sich die Polizei nun Kleiderreste oder auch Blutspuren des Jungen.
Als Hauptverdächtiger galt bisher ein Mann, der wegen sexueller Belästigung von Kindern bis November hinter Gittern sitzt. Er war mit Etans Babysitterin befreundet und gab im Verhör zu, den Jungen am Tag seines Verschwindens gesehen zu haben. Mit einer Entführung und Ermordung des Kindes habe er aber nichts zu tun.
Nach Angaben aus Polizeikreisen war der verdächtigte Mann kürzlich erneut verhört worden. Daraufhin hätte sich die Untersuchung wieder auf das Mietshaus konzentriert. Ein Spürhund des FBI habe schließlich bei der Durchsuchung des Kellers den Geruch von menschlichen Überresten erschnüffelt, sagte Polizeikommissar Raymond Kelly.
Das Haus, auf das sich die Fahnder jetzt konzentrieren, liegt weniger als einen Straßenblock von Etans damaliger Wohnung entfernt. Nach Angaben der Zeitung war der Keller bei der New Yorker Polizei Ende der 70er Jahre als geheimer Ort für Sex-Treffen bekannt.
Etan hatte im Mai 1979 den Fußweg von seiner Wohnung zum Schulbus erstmals allein zurücklegen dürfen. Er kam nie an der Haltestelle an. Sein Fall galt vielen Eltern in den USA als Warnung, ihre Kinder nicht allein auf die Straße zu lassen.
Quelle: dapd, dpa
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