15.12.2012, 16:49 Uhr | dpa
Beamte untersuchen das zundfähige Material. Auch unter kontrollierten Bedingungen konnte der Sprengsatz nicht zur Detonation gebracht werden. (Quelle: Meike Boeschmeyer/dapd)
Die Sicherheitsbehörden haben nach dem gescheiterten Terroranschlag im Bonner Hauptbahnhof offenbar einen Tatverdächtigen ermittelt. So sollen sie den dunkelhäutigen Mann identifiziert haben, der die Bombe am vergangenen Montag auf einem Gleis abgelegt hatte, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf die Bundesanwaltschaft berichtet.
Am Montag war am Bonner Hauptbahnhof in einer abgestellten Tasche eine Bombe entdeckt und von einem Spezialkommando entschärft worden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem islamistischen Anschlagsversuch aus und hat die Ermittlungen übernommen.
Der gesuchte Mann stammt den Angaben der Zeitung zufolge aus der Bonner radikalislamistischen Szene, die seit Jahren als besonders militant gilt. Das habe der Bundesanwaltschaft die Möglichkeit gegeben, wegen des Verdachts auf einen versuchten Sprengstoffanschlag durch eine inländische terroristische Vereinigung die Ermittlungen zu übernehmen, schreibt das Blatt.
Der "Focus" berichtet, unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, es könnte sich bei dem gesuchten Mann um Abdirazak B. handeln, den die Beamten bereits zuvor im Visier hatten. Augenzeugen hätten den Mann mit Hilfe eines Phantombilds identifiziert. B. soll Verbindungen zu radikalen Islamisten im Ausland haben, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe stehen.
Die Ermittler suchen zudem nach einem hellhäutigen Mann mit Bart, der die Tasche mit der Bombe an den dunkelhäutigen Mann übergeben haben soll.
Einen Bericht des Westdeutschen Rundfunks (WDR) zufolge suchen die Beamten zudem nach einem dritten Mann aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld, der ebenfalls Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida haben soll. Dies berichtet der Sender unter Berufung auf Sicherheitskreise. Allerdings sei bisher nicht klar, ob der Mann tatsächlich zur Tatzeit am Bonner Hauptbahnhof oder mit der Planung des Anschlags beschäftigt gewesen sei. Laut WDR wird nun also nach mindestens drei Verdächtigen gesucht.
Die Bundesanwaltschaft sieht "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte" dafür, dass es sich bei dem Geschehen um einen versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung "radikal-islamistischer Prägung handelt". Die Bombe bestand nach vorläufigen Erkenntnissen aus einem ungefähr 40 Zentimeter langen Metallrohr, das zündfähiges Ammoniumnitrat enthielt und mit vier Druckgaspatronen umwickelt war. Ein Wecker und verschiedene Batterien sollten als Zündvorrichtung dienen. Weswegen der Sprengsatz nicht detonierte, bleibt weiter unklar.
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann fordert als Konsequenz auf den Anschlagsversuch deutlich mehr Videoüberwachung. "Sie muss an Kriminalitätsschwerpunkten dringend ausgeweitet werden", sagte der CDU-Politiker der "Welt am Sonntag". Technisch müssten diese Kameras grundsätzlich auch mit einer Aufzeichnungsmöglichkeit ausgestattet sein. "Ohne eine solche Möglichkeit ist eine nachträgliche Aufklärung von Straftaten nur selten möglich".
Quelle: dpa
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