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Amoklauf USA: Kinder in Newtown von bis zu elf Kugeln getroffen

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Kinder von bis zu elf Kugeln getroffen

17.12.2012, 11:05 Uhr | dpa, dapd

Attentäter Adam Lanza erschoss 27 Menschen und sich selbst. (Quelle: AP)

Attentäter Adam Lanza erschoss 27 Menschen und sich selbst. (Quelle: AP)

Das ganze Ausmaß des Horrors an der Grundschule von Newton im US-Bundesstaat Connecticut wird erst nach und nach deutlich: Die Opfer des Amokläufers, darunter 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren hätten "verheerende Verletzungen" aufgewiesen.

Mehrfach sei auf die kleinen Körper geschossen worden, bis zu elf Mal, teilte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver sichtlich erschüttert mit.

Die Leichen der Mädchen und Jungen wurden nach Angaben des Experten von den Eltern zunächst per Fotos identifiziert. Das sei etwas leichter für sie gewesen, sagte Carver. Die meisten Kugeln stammten demnach aus einem halbautomatischen Gewehr - einer Bushmaster, Kaliber 223. Sie seien von einer Art, die schwere Schäden im Gewebe verursache.

Die sechs getöteten Erwachsenen waren nach Angaben der Gerichtsmedizin alle Frauen. Bei den 20 getöteten Kindern handelte es sich um acht Jungen und zwölf Mädchen, alle im Alter von sechs und sieben Jahren. Nur eine Frau überlebte ihre Schusswunden. Von ihr erhoffen sich die Behörden weitere Erkenntnisse über den Ablauf der Tat.

Video
Grundschul-Massaker: alle Opfer identifiziert
Grundschul-Massaker: alle Opfer identifiziert (Foto: AP)

Der Vater der getöteten Emilie (6) meldet sich zu Wort. zum Video

Die Behörden veröffentlichten am Samstag eine Liste der Todesopfer. Darauf fand sich unter anderen die Direktorin der Schule, die nach Angaben von Mitarbeitern der Stadtverwaltung versuchte, den Schützen den stoppen. Auch die Schulpsychologin wurde getötet.

"Sehr gute Beweise" gefunden

US-Medien berichteten unter Berufung auf die Ermittler, dass der 20-jährige Adam Lanza eine Auseinandersetzung mit Schulangestellten gehabt haben soll, bevor er am Freitag erst seine Mutter tötete, in die Schule fuhr, um dort 20 Kinder und sechs Erwachsene zu erschießen, und sich anschließend selbst das Leben nahm.

Nach Angaben aus Polizeikreisen wurde bei Lanza kein Abschiedsbrief gefunden. Polizeisprecher Paul Vance betonte aber, dass Ermittler "sehr gute Beweise" gefunden hätten, die möglicherweise Aufschluss über das Motiv des Täters geben könnten. Worin diese bestehen, sagte Vance jedoch nicht.

Mutter nahm Sohn auf Schießstände mit

Die Mutter des Amokläufers von Newtown war nach einem Bericht der "New York Times" eine Waffennärrin. Sie habe ihren Sohn zu Schießständen mitgenommen. "In einer Kneipe am Ort erzählte sie mitunter von ihrer Waffensammlung", heißt es in dem Bericht am Sonntag. Die 52-Jährige war am Freitag ermordet entdeckt worden, bevor der Zwanzigjährige zu der Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut fuhr. Am Ende tötete er sich selbst.

In dem Zeitungsbericht heißt es unter Berufung auf Informationen von Ermittlern, dass die Mutter des Schützen fünf Waffen besessen habe. Diese seien auf ihren Namen registriert gewesen. Die drei halbautomatischen Waffen, die in der Schule in der Nähe der Leiche des Schützen entdeckt wurden, liefen ebenfalls auf ihren Namen. Laut "New York Times" besaß die Frau zudem noch zwei Jagdgewehre.

Die 52-Jährige sei seit 2008 von ihrem Mann geschieden und habe mit dem Sohn zurückgezogen in einem großen Haus im Kolonialstil in Newtown gelebt. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, mit psychischen Problemen ihres Sohnes fertig zu werden, schreibt die Zeitung. Die Mutter habe ihren Sohn für einige Zeit aus einer Schule in der Stadt genommen und daheim unterrichtet, weil sie mit der Schule nicht zufrieden gewesen sei. Welche Schule ihr Sohn besuchte, blieb aber weiter offen.

Vater des Täters wendet sich an die Öffentlichkeit

Die Ermittler fanden entgegen ersten Angaben bisher offenbar keine Verbindung zwischen Lanzas Mutter und der Schule. Zunächst hatte es geheißen, sie habe in der Grundschule als Lehrerin gearbeitet. Die Polizei geht davon aus, dass Adam Lanza vor vielen Jahren die Sandy-Hook-Grundschule besuchte. Sie hatte jedoch noch keine Erklärung, warum er am Freitag ausgerechnet dorthin fuhr.

Sowohl der Vater als auch der Onkel des Schützen wandten sich am Samstag an die Öffentlichkeit. Der Vater , Peter Lanza, erklärte in einer Stellungnahme, die Familie trauere mit all jenen, die von dieser Tragödie betroffen seien. "Worte können nicht ausdrücken, wie traurig wir sind", erklärte Lanza.

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Alle Verwandten seien fassungslos und suchten nach Antworten. In New Hampshire erklärten unterdessen die Angehörigen der getöteten Mutter des Täters, sie trauerten mit den Menschen in Newtown und allen Amerikanern. Ein Sheriff in Kingston verlas eine Stellungnahme, in der es hieß, die gesamte Familie sei traumatisiert.

Lanza litt möglicherweise an einer Persönlichkeitsstörung, in Ermittlungskreisen war vom Asperger-Syndrom, einer leichten Form des Autismus', die Rede. Experten erklärten jedoch, es gebe keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Syndrom und einem gewalttätigen Verhalten.

"Wenn der Junge sich verbrannt hätte, hätte er das nicht bemerkt"

Nach Beschreibung eines Lehrers konnte Lanza anscheinend keinen seelischen oder körperlichen Schmerz fühlen. Lanza habe eindeutig Probleme gehabt, sagte Richard Novia, der bis 2008 für die Sicherheit in dem Schulbezirk von Newtown verantwortlich war.

"Wenn der Junge sich verbrannt hätte, hätte er das nicht bemerkt oder gespürt", sagte Novia am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Novia sprach von Episoden, während derer sich Lanza plötzlich vollständig in sich zurückzog. Er beschrieb den Jungen als klug, aber verängstigt und nervös, niemand sei ihm wirklich nahe gekommen.

Waffenlobby stellt sich wieder quer

Derweil hat in den USA wieder einmal eine neue Debatte um die traditionell laxen Waffengesetze begonnen. Sowohl Präsident Barack Obama, als auch New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg meldeten sich neben anderen bereits zu Wort. Sofortiges Handeln sei notwendig, sagte er. Es habe genug Rhetorik in der Vergangenheit gegeben.

Doch die Waffenlobby stellte sich prompt gegen jede Einschränkung. In einem Interview der "Huffington Post" sagte der Waffenbefürworter Steve Dulan, auch in waffenfreien Zonen wie Schulen sollten Pistolen oder Gewehre erlaubt sein. Damit hätte die Tragödie vielleicht nicht verhindert, aber die Opferzahl minimiert werden können.

Republikaner Huckabee: mehr Gott und Religion in den Schulen

Obama hatte bereits in der Vergangenheit mehrfach versprochen, sich für schärfere Waffengesetze einzusetzen. Nach dem tödlichen Angriff in einem Kino in Aurora im US-Staat Colorado und auch nach dem Attentatsversuch auf die Abgeordnete Gabby Giffords. Doch die von Obama vorgeschlagenen "effektiven Schritte" bei den Waffengesetzen fanden nie statt. Denn den Demokraten ist seit langem klar, dass sie mit einer härteren Position bei Waffen viele Wähler vergrämen könnten.

Und viele sehen es vermutlich auch wie der frühere republikanische Präsidentschaftsbewerber Mike Huckabee: Der sagte auf dem erzkonservativen TV-Sender Fox News, mit strengeren Gesetzen lasse sich ein derartiges "Blutbad" nicht verhindern. Stattdessen brachte er als Rezept mehr Gott und Religion in den Schulen ins Gespräch.

Am Sonntag wird Barack Obama in Newtown erwartet. Er will bei einer Gedenkfeier sprechen und die Familien der Opfer treffen.

Quelle: dpa, dapd

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