05.01.2013, 14:49 Uhr | AFP
Der Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat sich knapp drei Wochen nach der Tat erstmals öffentlich geäußert. "Ich kann nicht in Worte fassen, wie brutal der Angriff war", sagte der Mann einem indischen TV-Sender. "Selbst Tiere verhalten sich nicht so."
"Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen", ergänzte der 28-Jährige, der telefonisch aus der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh mit der Nachrichtenagentur AFP sprach.
Die Medizinstudentin war am 16. Dezember in Neu Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden. Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb.
Ihr Freund, der verprügelt und ebenfalls aus dem Fahrzeug geworfen wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen. Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt.
Die Täter haben noch versucht, die Frau und ihren Freund mit dem Bus zu überfahren, als die beiden auf der Straße lagen. zum Video
Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer Tortur verletzt auf der Straße lagen. Er habe bei vorbeifahrenden Rikscha- und Autofahrern um Hilfe gewunken, doch vergeblich. "Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet", sagte er.
Auch dieser warf der Mann Versäumnisse vor. Seine Freundin sei in eine Klinik gebracht worden, wo auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden sei. "Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde", sagte der Mann.
Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe den Bus zunächst gar nicht besteigen wollen. "Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles außer Kontrolle", führte er aus.
Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf Vergewaltiger eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund. Seine Freundin habe versucht, mit dem Handy die Polizei zu alarmieren, aber die Männer hätten es ihr weggenommen, sagte er.
"Sie haben mich mit einem Knüppel geschlagen und meine Freundin zu einem Sitz nahe der Fahrerkabine gezerrt", sagte der junge Mann. Dort hätten die sechs Männer die Freundin "vergewaltigt und auf die schlimmsten möglichen Arten an den intimsten Stellen des Körpers geschlagen".
Der Freund des Vergewaltigungsopfers versuchte, die Gewalttat zu verhindern - doch ohne Erfolg: "Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen", sagte er.
Zweieinhalb Stunden Horror
Die Tortur soll sich über zweieinhalb Stunden hingezogen haben. Danach hätten einige der Angreifer schließlich davon gesprochen, dass die Frau jetzt tot sei.
"Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke", sagte der Freund. "Ich zittere vor Qualen", fügte er hinzu. Gegen fünf Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.
Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, sie verfüge über eindeutige Beweise gegen die fünf unter Mordanklage stehenden mutmaßlichen Täter. DNA-Tests hätten ergeben, dass auf Kleidung der Angeklagten gefundenes Blut von der 23-jährigen Studentin stamme, sagte ein Staatsanwalt. Zudem seien Besitztümer der jungen Frau und ihres Freunds bei den Männern gefunden worden.
Quelle: AFP
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