25.06.2013, 14:18 Uhr | t-online.de, dpa
Die bundesweite Anschlagsserie auf Lkw ist aufgeklärt: Die Polizei nahm am Sonntag einen 57-jährigen Mann fest, der die Taten gestand. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Das gab das Bundeskriminalamt auf einer Pressekonferenz bekannt. Als Motiv nannte der Fahrer einer Speditionsfirma "Ärger und Frust im Straßenverkehr".
Seit 2008 hatte er mindestens 762 Mal auf Autotransporter geschossen. Bei seiner Festnahme stellten die Beamten unter anderem 1300 Schuss Munition und verschiedene Waffen sicher. Der verheiratete 57-Jährige hatte offenbar keine Komplizen. BKA-Präsident Jörg Ziercke nannte den Fall "bislang einzigartig in der Kriminalgeschichte".
In der ersten Vernehmung hatte der Mann die Tat abgestritten. Nach einiger Zeit willigte er jedoch ein, die Polizisten zu seinem Waffenversteck zu führen. Schließlich legte er doch ein Geständnis ab. Allerdings berief er sich dabei auf Erinnerungslücken und ging bislang nicht auf einzelne Fälle ein. Außerdem gab er an, es nur auf Sachschäden abgesehen zu haben. Er sei ein guter Schütze und habe niemanden verletzen wollen. Allerdings war 2009 eine Frau durch einen seiner Schüsse schwer verletzt worden. Deshalb muss der mutmaßliche Täter auch mit einer Anklage wegen "versuchter Tötung" rechnen.
Laut BKA hat der Mann angegeben, einmal von einem Transporter abgedrängt und dabei fast einen schweren Unfall gehabt zu haben. Auch habe er sich häufig über die anderen Fahrer geärgert und von einem "Krieg" auf deutschen Autobahnen gesprochen.
Die Schüsse sah er demnach als eine Art "Selbstjustiz". "Man kann ihn als frustrierten Einzelgänger mit Hass auf andere Personen und Affinität zu Waffen charakterisieren", sagte der leitende Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder.
Ziercke sagte, die Fahnder seien dem Fahrer mit Hilfe automatischer Kennzeichenlesegeräte auf die Schliche gekommen. Die Geräte wurden in diesem Frühjahr an sieben Autobahnabschnitten von Aachen Richtung Bayern und Baden-Württemberg eingesetzt.
Wenn Lkw beschossen wurden, seien deren Bewegungsdaten mit denen anderer Wagen auf der Strecke in Verbindung gebracht worden. So kristallisierte sich ein Lkw einer Spedition in Monschau in der Eifel heraus. Dessen Fahrer und sein Handy seien dann weiter überwacht worden, um den Täter eindeutig zu identifizieren.
Der BKA-Präsident wies den Vorwurf von Datenschützern zurück, die Kennzeichenerfassung sei unverhältnismäßig gewesen. Der rheinland-pfälzische Beauftragte Edgar Wagner kritisierte, es gebe "für diese bundesweit erstmals eingesetzte Ermittlungsmethode aus Datenschutzsicht keine hinreichende gesetzliche Ermächtigungsgrundlage".
Wenn keine Schüsse gemeldet wurden, seien die Daten nach zehn Tagen ungelesen gelöscht worden, sagte Ziercke. Im Gegenteil: Die Polizei habe selber mit großem Aufwand Daten sammeln müssen, die bei der Lkw-Maut Toll Collect ohnehin vorlägen. "Durch Mautdaten hätten wir viel früher diese Tatserie unterbinden können", sagte er. Deren Nutzung sei verboten, und er wolle keine Diskussion darüber anfangen. Er frage sich aber, wen das Recht in einem solchen "absoluten Ausnahmefall" schütze.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von einem wichtigen Fahndungserfolg. Es sei gelungen, "einen hochgefährlichen Täter dingfest zu machen". "Wir haben das Fahren auf den deutschen Autobahnen wieder sicherer gemacht", resümierte Ziercke.
Seit Herbst 2012 ermittelten 90 Beamte in der "Besonderen Aufbauorganisation Transporter". Neben dem BKA waren Polizisten aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beteiligt.
Besonders betroffen waren nach früheren BKA-Angaben die A 3 von Köln bis Nürnberg, die A 4 zwischen Aachen und Köln, die A 5 zwischen Karlsruhe und Kirchheim, die A 6 von Walldorf bis Nürnberg und die A 61 von Walldorf bis Kerpen. Auch aus Belgien, Österreich und der Schweiz seien Schüsse gemeldet worden, hieß es.
25.06.2013, 14:18 Uhr | t-online.de, dpa
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