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US-Schule schickt bewaffnete Lehrer in den Unterricht

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US-Schule schickt Lehrer mit Waffen in den Unterricht

31.07.2013, 09:36 Uhr | AP/dpa

Lehrer und andere Beschäftigte der High School in Clarksville trainieren den Ernstfall. (Quelle: AP/dpa)

Lehrer und andere Beschäftigte der High School in Clarksville trainieren den Ernstfall. (Quelle: AP/dpa)

Cheyne Dougan ist Vizedirektor der Clarksville High School im US-Staat Arkansas. Wenn er nach Ende der Sommerferien in die Schule zurückkehrt, wird er eine Waffe bei sich tragen. Und nicht nur er. Mehr als 20 Lehrer und Verwaltungsbeamte der High School werden unter Jacken oder Blusen mit einem Holster ausgestattet sein. 

Das Schulpersonal zieht damit die Konsequenz aus dem Blutbad an der Sandy-Hook-Grundschule in Connecticut im vergangenen Dezember. Damals starben 20 Kinder und sechs Erwachsene. Das Blutbad hat eine heftige Debatte über bessere Schutzmaßnahmen ausgelöst - von verschärften Waffenkontrollgesetzen bis hin zu bewaffneten Sicherheitskräften und Lehrpersonal in Schulen.

Trick macht Lehrer zu Wachleuten

Die Waffenlobby NRA (National Rifle Association) hält Letzteres für den besten Schutz vor ernster Bedrohung. Aber sogar in den konservativsten US-Staaten sind Vorstöße in dieser Richtung meistens gescheitert, sei es wegen Widerstandes beim Lehrpersonal oder Warnungen von Versicherungsgesellschaften, dass "bewaffnete Schulen" höhere Beiträge entrichten müssten. 

Foto-Serie: Bewaffnete Lehrer

Die Clarksville High School greift bei ihrem Schritt zu einer Art Trick. Sie beruft sich auf ein - wenig bekanntes - Gesetz in Arkansas, das lizenziertes bewaffnetes Sicherheitspersonal auf dem Schulgelände erlaubt. Dougan und die anderen Mitarbeiter haben sich einem Training unterzogen - und werden nun als Wachleute betrachtet, gedeckt von dem Gesetz.

"Licht ausmachen und hoffen: Das ist kein Plan"

"Bisher hat man uns mit dem Plan ausgestattet, die Türen zu verschließen, das Licht auszumachen und das Beste zu hoffen", sagt Schulrat David Hopkins. Aber da es immer wieder zu Gewalttaten in Schulen komme, sei die Schulbezirksleitung zum Schluss gekommen: "Das ist kein Plan."

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Im sehr konservativen Arkansas ist privater Waffenbesitz gang und gäbe, die Waffengesetze sind lasch. Nach Angaben des staatlichen Bildungsministeriums ist es aber bis jetzt noch nie vorgekommen, dass das Gesetz benutzt wurde, um Lehrer mit Waffen auszurüsten. Am weitesten ging bisher eine Schule, in der seit Jahren mehrere Waffen für den Notfall unter Verschluss gehalten werden. Nur einige wenige eigens dafür trainierte Verwaltungsmitarbeiter - und keine Lehrer - haben Zugang zu dem Arsenal. 

Schule ist nicht besonders gefährdet

In Clarksville, einer 9200-Seelen-Gemeinde rund 160 Kilometer nordwestlich von Little Rock, geht man viel weiter. Nicht, dass die Stadt mit ihrem jährlichen Pfirsich-Festival bekannt für gefährliche Schulen wäre. Aber Hopkins schildert, er sei nach dem Blutbad von Connecticut von Anrufen besorgter Eltern überflutet worden, die besseren Schutz gefordert hätten - auch die Bewaffnung der Lehrer. Er selbst und andere Schulleiter hätten keinen Grund gesehen, Wachleute anzuheuern anstatt sich auf das eigene Personal zu verlassen. 

Der Staat schiebt dem Vorhaben keinen Riegel vor, aber ist nicht glücklich darüber. Bildungsminister Tom Kimbrell persönlich lehnt eine Bewaffnung von Lehrern und anderem Schulpersonal ab, er hält die Einstellung von Sicherheitsbeamten für besser. 

"Schreckliche" Idee

Donna Morey, die frühere Präsidentin der Arkansas Education Association, kann da nur zustimmen. Sie nennt die Idee, Lehrer mit Waffen auszustatten, "schrecklich". Die Gefahr, dass ein Schüler versehentlich von einer Kugel getroffen werde oder sich eine Waffe aneigne, sei weitaus größer als der Nutzen einer solchen Maßnahme. "Wir meinen schlicht, dass Lehrer die Aufgabe haben sollen, Schülern etwas beizubringen, und nicht die, eine Waffe zu tragen", sagt Morey. 

Wer sich an dem Programm beteiligten will, erhält eine einmalige Zahlung von 1100 Dollar (830 Euro) für den Kauf einer Handfeuerwaffe und eines Holsters. Der Schulbezirk blättert Hopkins zufolge etwa 50.000 Dollar für die Munition und das Training hin, das eng darauf zugeschnitten sei, auf Schützen auf dem Schulgelände zu reagieren. Der Bezirk werde an jeder Schule Schilder mit dem Hinweis auf bewaffnete Wachleute aufstellen. Aber die Identität der Lehrer und Schulmitarbeiter, die ein Holster trügen, bleibe geheim.

Schüler sind gespalten

Sydney Whitkanack kommt jetzt ins siebte Schuljahr, und sie hat nichts dagegen, wenn Lehrer oder andere Mitarbeiter bewaffnet herumlaufen. Sie sei sozusagen mit Waffen in ihrer Umgebung groß geworden, sagt die Schülerin. 

Sherry Wommack sieht das anders. Das Programm ist nach ihren Angaben ein Grund dafür, dass sie ihren Sohn aus der Schule nimmt und zu einer anderen schickt. Sie glaube nicht, dass Lehrer Entscheidungen über Leben oder Tod fällen sollten, wenn Schüler involviert seien, sagt die Mutter. "Ich meine, dass Polizisten dafür da und auch dafür ausgebildet sind - nicht Lehrer."

31.07.2013, 09:36 Uhr | AP/dpa

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