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Straßenbau in China: Herr Luo sagt Nein

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Herr Luo sagt Nein

23.11.2012, 17:42 Uhr | Von Didi Tang, dapd

Ehepaar wehrt sich gegen Straßenbau in China (Quelle: AP)

Allein auf weiter Flur: Das Haus von Ehepaar Lou (Quelle: AP)

Mitten auf der breiten Straße, eingekreist von frischem schwarzem Asphalt, steht ein vierstöckiges Haus. Es war einmal ein Reihenhaus, doch seine Nachbarn sind verschwunden, weg, platt gemacht für die nagelneue Ausfallstraße zum neuen Bahnhof am Stadtrand von Wengling in der chinesischen Provinz Zhejiang. Alle sind dem Bauprojekt gewichen, nur der Entenfarmer Luo Baogen und seine Frau nicht. Herr Luo hat Nein gesagt.

Bilder von Luos Haus allein auf weiter Flur verbreiteten sich diese Woche in China im Internet. Es ist das neueste Symbol des Widerstands von Hausbesitzern gegen kommunale Behörden, die ganze Viertel zugunsten von Entwicklungsprojekten dem Erdboden gleich machen und den Eigentümern nach deren Ansicht viel zu wenig Entschädigung anbieten. Solche Streitigkeiten gibt es häufig. Es gibt sogar einen Namen für die Häuser, die stehen bleiben und stur aus der Landschaft ragen: "Nagelhäuser" werden sie genannt, weil ihre Besitzer sich partout nicht umnieten lassen wollen.

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Manche Eigentümer greifen zu gewaltsamen Maßnahmen. Einige haben sich als Protest selbst angezündet. Häufig halten sie Wache rund um die Uhr, weil die Baufirmen dann doch davor zurückscheuen, die Häuser abzureißen, wenn noch Menschen darin sind.

Entschädigung weit unter Baukosten

Im Fall von Herrn Luo beschlossen die Stadtplaner, dass sein 1600 Einwohner zählendes Dorf Xiayangzhang einem neuen Gewerbegebiet mit Anbindung an den Bahnhof weichen müsse, wie der Ortsvorsteher Chen Xuecai am Telefon berichtet. Die meisten Familien hätten die angebotene Entschädigung 2007 angenommen. Luo und eine Handvoll Nachbarn anderswo im Baugebiet aber wollen mehr. "Wir möchten ein neues Haus auf einem Doppelhausgrundstück mit einfacher Innenausstattung", erklärt der 67-Jährige Journalisten.

Luo hatte sein Haus für rund 600.000 Yuan (75.000 Euro) gerade erst fertiggestellt, als die Behörden ihm für den Auszug die übliche Summe von 220.000 Yuan (27.000 Euro) boten. Er lehnte ab. Inzwischen ist die Offerte auf 260.000 Yuan (32.000 Euro) gestiegen. "Die Luos sind keine reichen Leute", sagt Ortsvorsteher Chen und räumt ein, dass sie sich schlecht leisten können, mit ihrem Haus einen so hohen Verlust zu machen. "Aber Vorschrift ist Vorschrift."

Behörde erwartet Einlenken

Die neue Straße zum Bahnhof, auf der Luos Haus wie eine merkwürdige Verkehrsinsel steht, ist in den letzten Wochen fertig geworden. Für den Verkehr freigegeben ist sie noch nicht. Ungewöhnlich ist, dass Luos Haus so lange stehen bleiben durfte. Normalerweise machen die chinesischen Behörden nicht viel Federlesens; da werden kurzerhand die Versorgungsleitungen gekappt oder die Häuser abgerissen, wenn die Bewohner gerade nicht da sind.

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Luo hat immer noch Strom und Wasser. Seine Frau und er schliefen in verschiedenen Teilen des Hauses um zu verhindern, dass an einer Ecke mit der Zerstörung begonnen wird, erzählt er. Der stellvertretende Ortsvorsteher Luo Xuehua, ein Vetter des Entenfarmers, glaubt nicht, dass der Streit noch lange dauert. Er erwarte, dass sich Luo Baogen bald mit den Behörden einig werde, sagt er. Dessen Forderungen hält er aber für unrealistisch. "Wir können ihm einfach nicht geben, was er verlangt", erklärt er. "Das ist unmöglich."

Quelle: Von Didi Tang, dapd

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