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Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan schockiert die Fachwelt

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"Er sollte sich schämen"

07.12.2012, 10:30 Uhr | dpa, AFP

Kann mit der Zensur gut leben: Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan (Quelle: dpa)

Kann mit der Zensur gut leben: Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan (Quelle: dpa)

Zensur sei ein notwendiges Übel - so wie Sicherheitskontrollen am Flughafen. Mit diesem Vergleich verteidigt Literaturnobelpreisträger Mo Yan die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in China. Die Empörung ist groß. Kritiker nennen Mo Yan einen "Lakaien" des Systems.

Mit seiner Verteidigung der Zensur ist der chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan in China auf scharfe Kritik gestoßen. "Er sollte sich schämen", sagte der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in Peking. "Er verteidigt dieses bösartige System." Der Regimekritiker verwies darauf, dass in China Schriftsteller und Künstler in Haft gesteckt oder bedroht werden.

Auf einer Pressekonferenz in Stockholm hatte Mo Yan am Donnerstag Zensur als notwendiges Übel beschrieben und mit lästigen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen verglichen. Chinesische Intellektuelle zeigten sich auch empört über sein Schweigen über den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, dessen Freilassung zuvor 134 Nobelpreisträger in einem offenen Brief an den neuen chinesischen Parteichef Xi Jinping gefordert hatten.

"Wie einst das Loblied deutscher Schriftsteller auf Hitler"

"Dass ein Nobelpreisträger die Zensur unterstützt, kann auf keinen Fall akzeptiert werden", sagte der Direktor des Hongkonger Pen-Zentrums unabhängiger chinesischer Schriftsteller, Patrick Poon. "Wir alle sollten uns fragen, ob ein solcher Schriftsteller den höchsten Literaturpreis der Welt verdient hat." Ein Preisträger werde nicht nur an seinen schriftstellerischen Fähigkeiten gemessen, sondern auch an seiner Haltung gegenüber der Meinungsfreiheit.

Drei Tage vor der Verleihung der Nobelpreise wollte Mo Yan an diesem Freitag in Stockholm die traditionelle Nobelvorlesung halten. Der im Exil in den USA lebende chinesische Autor Yu Jie nannte Mo Yan einen "Lakaien" des Systems. "Er verteidigte öffentlich die Zensur der Kommunistischen Partei - das ist wie einst das Loblied deutscher Schriftsteller auf Adolf Hitler und Joseph Goebbels", sagte Yu Jie.

"Mo Yans blinder Glaube an die Staatsgewalt und seine Ignoranz gegenüber persönlichen Rechten verwundert die Menschen", schrieb der im südwestchinesischen Chengdu beheimatete Autor Ran Yunfei im Kurznachrichtendienst Twitter. Mo Yan betrachte die Staatsmacht als den "obersten Richter der Wahrheit", kritisierte Ran Yunfei. Die staatlich kontrollierten Medien in China ließen in ihrer Berichterstattung die Antworten zur Zensur häufig aus und enthielten sich auch jeder Kommentierung.

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"Zensur gibt es praktisch in jedem Land"

Nur die Zeitung "Huanqiu Shibao" erwähnte, dass sich Mo Yan zu Liu Xiaobo nicht äußern wollte. Das Blatt sprach von "wiederholten aggressiven Fragen ausländischer Medien". Wie andere Blätter berichtete die englischsprachige Tageszeitung "China Daily", Mo Yan sei bei der Pressekonferenz in "humorvoller Stimmung" gewesen. Das Blatt bezog sich auf Mo Yans Bemerkung, wie er mit seiner plötzlichen Berühmtheit und Autogrammjägern umgehen müsse.

Das auf Ausländer abzielende Blatt zitierte aber auch ausführlich seine Äußerungen zur Zensur: "Ich ärgere mich über alle Arten von Zensur, genauso wie ich die Sicherheitskontrollen vor Botschaften oder vor dem Besteigen eines Flugzeuges nicht mag. Sie verlangen sogar von einem, die Schuhe auszuziehen und den Gürtel abzulegen. Aber ich denke, Zensur - genau wie Sicherheitskontrollen - ist notwendig. Ich denke, Zensur von Nachrichten gibt es praktisch in jedem Land, auch wenn die Kriterien und das Ausmaß variieren können."

"Seine Äußerungen waren eine mit den chinesischen Behörden abgestimmte Erklärung", sagte dazu der Künstler Ai Weiwei. "Er ist ein Wächter des diktatorischen Systems und zugleich sein Nutznießer."

Mo Yan wies die Kritik an seiner politischen Rolle in China derweil als "Dreckwasser" zurückgewiesen. Bei der Nobelvorlesung drei Tage vor Verleihung der Auszeichnung sagte der 57-Jährige am Freitag in Stockholm, er werde "mit Blumen überhäuft, aber auch mit Steinen beworfen und mit Dreckwasser überschüttet".

Quelle: dpa, AFP

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