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Helmut Schmidt: "Bin verstrickt in Schuld"

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Helmut Schmidt: "Bin verstrickt in Schuld"

27.04.2013, 16:03 Uhr | dpa

Helmut Schmidt: "Bin verstrickt in Schuld". Helmut Schmidt (Quelle: dpa)

Ex-Kanzler Schmidt zeigte sich zutiefst gerührt von der Preisverleihung (Quelle: dpa)

Helmut Schmidt ist kein Mensch, der seine Gefühle nach außen trägt. Auch bei der Verleihung des Hanns-Martin-Schleyer-Preises am Freitagabend in Stuttgart zeigte sich der 94-Jährige gefasst, obwohl ihn die Ermordung Schleyers durch die RAF auch nach 36 Jahren noch aufwühlt.

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Vielleicht lag es daran, dass die Botschaft der Schleyer-Stiftung bereits vorher klar war: eine Geste der Versöhnung der Familie mit dem Altkanzler und dessen Entscheidung, die Hanns Martin Schleyer 1977 das Leben kostete.

"Bin verstrickt in Schuld"

Diese Schuld räumte Schmidt im Stuttgarter Neuen Schloss erneut ein: "Mir ist sehr klar bewusst, dass ich - trotz aller redlichen Bemühungen - am Tode Hanns Martin Schleyers mitschuldig bin." Worte, bei denen die rund 250 Ehrengäste den Atem anhielten.

Schmidt war Kanzler, als der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977 von der Roten Armee Fraktion (RAF) entführt wurde. Der Sozialdemokrat verfolgte eine harte Linie und verhandelte nicht mit den Terroristen. Daraufhin ermordete die RAF Schleyer nach sechs Wochen. 30 Jahre später sagte Schmidt bereits in einem "Zeit"-Interview: "Ich bin verstrickt in Schuld - Schuld gegenüber Schleyer und gegenüber Frau Schleyer."

Witwe von Schmidts Entscheidung enttäuscht

Schleyers Witwe Waltrude warf Schmidt seinerzeit vor, das Leben ihres Mannes für die Staatsräson geopfert zu haben. Die RAF bot während der Entführung an, Schleyer freizulassen, wenn wichtige Terroristen, darunter Andreas Baader und Gudrun Ensslin, aus der Haft entlassen würden. Schmidt lehnte dies ab.

"Ich habe mich nie damit abgefunden, dass der Staat meinen Mann geopfert hat", sagte Waltrude Schleyer noch kurz vor ihrem Tod 2008. "Wenn meine Mutter noch gelebt hätte, wäre eine solche Entscheidung, wie den Preis an Helmut Schmidt zu vergeben, sehr schwierig gewesen", wurde Schleyers ältester Sohn Hanns Eberhard, selbst Mitglied der Jury, am Freitag in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert.

Umso größer erscheint die Geste Hanns Eberhard Schleyers, den Alt-Bundeskanzler selbst für den nach seinem Vater benannten Preis vorzuschlagen. Es ist eine späte Versöhnung, mit der die Familie Schleyer ihren Frieden mit Helmut Schmidt macht.

Schmidt zutiefst gerührt

Schmidt zeigte dann doch Emotionen: "Umso mehr möchte ich mich vor der heutigen Entscheidung der Familie Schleyer verbeugen. Es rührt mich heute zutiefst, dass die Familie Schleyer öffentlich ihren Respekt gegenüber meiner damaligen Haltung zum Ausdruck bringt."

Schmidts langjähriger politischer Weggefährte, der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d'Estaing, würdigte den Sozialdemokraten in seiner Laudatio als "großen Kanzler" und fügte hinzu: "Ich kenne keine Laster, die Helmut Schmidt hat - außer vielleicht das Rauchen." Schmidt rauchte während des 90-minütigen Festaktes - entgegen allen Gewohnheiten - keine einzige Zigarette.

 
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