27.07.2013, 13:47 Uhr | AFP, dpa
Helmut Kohl (links) und der von der RAF entführte Hanns Martin Schleyer (Quelle: dpa)
Der damalige CDU-Vorsitzende Helmut Kohl wollte sich nach Darstellung von Altkanzler Helmut Schmidt im Herbst 1977 während der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer als Geisel zur Verfügung stellen.
"Helmut Kohl hat damals angeboten, sich austauschen zu lassen", sagte Schmidt (SPD) in einem Gespräch, das er gemeinsam mit Schleyers Sohn Hanns-Eberhard mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" führte.
"Nicht ehrenhaft, es war verrückt. Die Idee, sich als Geisel gegen Hanns Martin Schleyer austauschen zu lassen, war eine Schnapsidee", sagte Schmidt.
Seine eigene Entscheidung, die Forderungen der RAF abzulehnen und den Austausch Schleyers gegen inhaftierte Häftlinge zu verweigern, sei zu diesem Zeitpunkt längst gefallen gewesen, sagte Schmidt.
Gleichzeitig machte der Altkanzler deutlich, dass er dazu auch heute kaum eine Alternative sieht: "Ich würde wahrscheinlich genauso handeln", sagte der 94-Jährige. Die Freilassung von Terroristen im Austausch für den entführten CDU-Politiker Peter Lorenz 1975 sei ein Fehler gewesen.
Schmidt sagte, er fühle sich mitschuldig an Schleyers Tod - wie Kohl, Franz Josef Strauß (CSU) oder Hans-Dietrich Genscher (FDP) auch. Aber danach habe es keine Geiselnahme mehr gegeben.
Schmidts Bekenntnis habe ihm Respekt abgenötigt, sagte Hanns-Eberhard Schleyer. Ein Trost sei das Eingeständnis der Mitschuld aber nicht gewesen.
Es wäre besser gewesen, Schmidt hätte ihn und die anderen Mitglieder der Familie Schleyer von Anfang an über seine ablehnende Haltung zur Forderung der Terroristen informieren lassen. "Dann hätten wir uns nicht so an diese Hoffnung geklammert, dann wäre die Familie nicht so enttäuscht worden."
Der frühere Bundeskanzler äußerte Verständnis dafür, dass Schleyer 1977 sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen war, um die Regierung zum Einlenken zu bewegen. "Wenn ich mich an Ihre Stelle denke - was ich damals auch gemacht habe - finde ich das völlig verständlich und richtig, was Sie getan haben", sagte Schmidt.
Hanns Martin Schleyer wurde am 5. September 1977 von der Roten Armee Fraktion (RAF) entführt. Schmidt verfolgte eine harte Linie und verhandelte nicht mit den Terroristen. Daraufhin ermordete die RAF Schleyer nach sechs Wochen.
27.07.2013, 13:47 Uhr | AFP, dpa
Kommentare
/ 257Top Partner
Diesen Artikel...
Mit diesem Clip ist das Mädchen ein kleiner Star im Internet. zum Video
Das skurrile Penthouse ist unter Steinen und Sträuchern verborgen. mehr
Erkunden Sie die neue T-Online.de und gewinnen Sie einen von 20 Tolino Shine eReader! mehr
Im Südosten noch sonnig, aus Nordwesten Schauer und Gewitter. 18 bis 26 Grad. Deutschlandwetter
Jetzt für Neukunden 50% reduziert - 6 Fl. + 2 Gl. nur 24,90 €! Versandfrei bei Reichsgraf von Plettenberg.
Die ESA wirbt für eine bessere Vorhersage des Weltraumwetters. Aus gutem Grund. mehr
Die blutsaugenden Quälgeister unter dem Mikroskop betrachtet. zum Video
Ungefährlich sind die neuen Tiere nicht. mehr
Scheinbar mühelos können die Orcas das Tempo halten. zum Video
Forschern gelingt eine Sensation: Das weltweit größte Bild des Nachthimmels ist neun Gigapixel groß. mehr
Die spektakulärsten Aufnahmen der NASA von der Erde. zum Video
Hochwertige Apothekenkosmetik z.B. von Vichy, Eucerin, Avène usw. zu günstigen Preisen. mehr
Damenmode in bis zu 25 Spezialgrößen. Alle Modelle auch in Kurzgrößen. bei AtelierGS
Radio mit integrierter Wetterstation & nostalgischem Design für nur 29,99 €. bei Hugendubel.de
Krisen & Konflikte
Panorama
Parteien
Wissen