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Gustl Mollath lebt nach Freilassung "beschissen"

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Nach Freilassung  

Gustl Mollath lebt "beschissen"

11.12.2013, 10:00 Uhr | t-online.de, agr, dpa

Gustl Mollath lebt nach Freilassung "beschissen". Gustl Mollath spricht über sein neues Leben in Freiheit (Quelle: dpa)

Gustl Mollath spricht über sein neues Leben in Freiheit (Quelle: dpa)

Der Fall Gustl Mollath ist sicher eine der spektakulärsten Justizpossen in der Geschichte der Bundesrepublik. Sieben Jahre saß der 57-Jährige gegen seinen Willen in der Psychiatrie. Er selbst behauptete stets, es handele sich um eine Verschwörung gegen ihn. Anfang August dieses Jahres wurde er tatsächlich freigelassen. In einem Interview mit dem "Focus" erklärt er nun, wie es ihm in der Freiheit ergeht.

"Meine Lage ist sehr schwierig. Ginge es nach unserem sogenannten deutschen Rechts- und Sozialstaat würde ich heute unter der Brücke sitzen. Denn aus der Psychiatrie wurde ich plötzlich auf die Straße gesetzt", sagt Mollath. Er habe für seine Entlassung nichts vorbereiten können.

Er lebe "beschissen" und müsse jeden Tag zusehen, wie er sein Überleben sichern könne. "Ich wohne mal hier, mal dort. Häufig günstige Unterkünfte, hin und wieder auch mal ein Kloster. Wenn ich nicht einen guten Freund hätte, der mir unter die Arme greift, wäre die Lage desolat", so Mollath.

Die Zeit in der Psychiatrie verfolgt ihn

Die Zeit in der Psychiatrie verfolge ihn noch immer. Seine Nächte endeten nach drei bis fünf Stunden, weil er gegen drei oder vier Uhr morgens aufwache.

Das sei die Zeit, in der die Wärterinnen in der Psychiatrie die Zimmer ausleuchteten. "Da standen dann nachts plötzlich schlecht aussehende, überfressene Damen im eigenen Zimmer. So eine Horrorfratze vor dem eigenen Gesicht - davon träumt man", beschreibt Mollath.

Mollath bestritt Vorwürfe stets

Tagsüber vertreibe er sich die Zeit mit dem Reparieren von Autos - Mollath war früher Tuning-Experte.

Mollath war 2006 in die Psychiatrie eingewiesen worden, weil er seine Frau geschlagen und die Reifen Dutzender Autos zerstochen haben soll.

Der 57-Jährige bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Justizopfer. Außerdem glaubt er, dass der ganze Fall ein Komplott gegen ihn ist, nachdem er Schwarzgeldgeschäfte seiner als Bankberaterin bei der HypoVereinsbank tätigen Frau in Millionenhöhe aufgedeckt und sie angezeigt habe.

Strafverfahren wurde neu aufgerollt

Das Oberlandesgericht Nürnberg (OLG) hatte Anfang August beschlossen, das Strafverfahren gegen Mollath wiederaufzunehmen. Mit dieser Anordnung war das Urteil gegen den Nürnberger aus dem Jahr 2006 nicht mehr rechtskräftig. Damit entfiel auch die Grundlage für seine Unterbringung. Mollaths Verteidiger Gerhard Strate sah "den Rechtsstaat in Bayern wiederhergestellt".

Hintergrund ist ein ärztliches Attest, mit dem Mollaths inzwischen geschiedene Frau die tätlichen Angriffe ihres Manns belegen wollte. Dieses Attest sei als "unechte Urkunde" zu werten, urteilte das OLG. Demnach stammte das Attest zwar von einem approbierten Arzt. Es habe aber nur den Namen der Praxisinhaberin genannt, so dass der Eindruck entstanden sei, es handle sich in dem Befund um deren Meinung.

Über Bayern hinaus für Empörung gesorgt

Der unterzeichnende Arzt, der Sohn ihrer Hausärztin, der als Weiterbildungsassistent in der Praxis beschäftigt war, habe zwar "i.V." für in Vertretung geschrieben. Dies aber so klein, dass es im Original nicht zu erkennen gewesen sei. Weil das Attest aber für das Urteil von 2006 von Bedeutung gewesen sei, müsse der Fall neu aufgerollt werden.

Der Fall Mollath hatte über Bayern hinaus für heftige Empörung gesorgt, Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) war zeitweise politisch schwer unter Druck geraten. Ende 2012 hatte sie dann selbst einen Wiederaufnahmeantrag wegen möglicher Befangenheit eines Richters angeordnet.

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