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Justizskandal Harry Wörz: Wenn der Rechtsstaat Leben zerstört

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Justizskandal Harry Wörz  

Wenn der Rechtsstaat das Leben zerstört

16.01.2014, 19:59 Uhr | dpa

Justizskandal Harry Wörz: Wenn der Rechtsstaat Leben zerstört. Harry Wörz wurde ein Opfer der deutschen Justiz (Quelle: dpa)

Harry Wörz wurde ein Opfer der deutschen Justiz (Quelle: dpa)

Es ist einer der größten Justizskandale in der Geschichte: Viereinhalb Jahre verbrachte Harry Wörz unschuldig hinter Gittern. Insgesamt 13 Jahre musste der Bauzeichner aus der Gegend von Pforzheim in Baden-Württemberg um die Anerkennung seiner Integrität kämpfen.

Man warf ihm vor, am 29. April 1997 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau - eine Polizistin - mit einem Schal stranguliert zu haben. Solange, bis sie fast hirntot war. Erst im Frühjahr 2009 sprach ein Richter des Landgerichts Mannheim Wörz von jeglicher Schuld frei.

Vom Staat um das Leben betrogen

Rechtskräftig wurde dies durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs Karlsruhe im Dezember 2010. Bis zum heutigen Tag wird ein Mann um sein wahres Leben und seine Lebensfreude betrogen.

Noch immer distanziert sich sein Sohn von ihm, noch immer hat Wörz vom Staat keine vollständige finanzielle Entschädigung erhalten. Einseitige Ermittlungen, die von vornherein andere als Täter ausschlossen, das Verwechseln von Akten und das Verschwinden von Beweismitteln, Beleidigungen durch Polizisten: Das alles prägte den Leidensweg des 1966 geborenen Mannes, der sich lange kaum zu wehren wusste.

Sämtliche Akten im Kopf

Der zu Unrecht verdächtigte und verurteilte Mann ist zwar mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen. Doch sein Leben ist geprägt von dem Justizskandal. Seine Gedanken kreisen um den Prozess, die Akten, die Haft.

"Ich kriege ja nichts Neues in den Kopf hinein", beschreibt Wörz seine Situation. "Dafür habe ich sämtliche Akten im Kopf. Wenn Sie mich jetzt fragen: 'Was steht im dritten Ordner auf Seite 347?' Dann kann ich Ihnen das ganz genau sagen: Da geht es um Hausdurchsuchungen. Doch was kann ich mit diesen Aktenkenntnissen schon anfangen? Nichts."

Fernsehfilm will Zuschauer sensibilisieren

Der Fall von Harry Wörz wird nun in einem Spielfilm des Südwestrundfunks dargestellt. Der Fernsehdirektor des Senders sagt: "Die Stärke des Rechtsstaats sollte sich auch darin beweisen, dass Fehler korrigiert werden können und mit den Opfern dieser Fehler angemessen umgegangen wird."

Zu einer entsprechenden gesellschaftlichen Sensibilisierung wollen die Fernsehmacher offensichtlich beitragen. Von einem sensiblen Umgang des Rechtsstaats mit seinem Justizopfer kann man nicht sprechen. Wörz kämpft bis heute um Schadensersatz.

Film stellt berechtigte Fragen

Die Macher des Fernsehfilms haben die Gerichts- und Anwaltsakten ausgiebig studiert. Ihre Recherche verdichtet sich zu der Frage: Warum die Hatz auf den Bauzeichner, der gleich am Morgen nach der Tat von einem Riesenaufgebot von Polizisten, Hunden und gezückten Waffen zu Boden gestreckt wurde?

Schließlich hatten sowohl der Vater von Wörz' Frau als auch deren damaliger Geliebter zunächst Verdacht erregt. Beide arbeiteten jedoch bei der Polizei. Ernsthafte Ermittlungen gegen sie wurden bereits am ersten Tag fallen gelassen. Hackte da vielleicht einfach nur eine Krähe einer anderen kein Auge aus?

Oder gab es andere Motive, die Suche nach dem Täter auch nach dem Freispruch Wörz' nicht wieder aufzunehmen? Verbittert sagte der arbeitslose Wörz, der inzwischen neu verheiratet und Vater einer kleinen Tochter ist, aber Kopf und Herz nicht freibekommt von den Schrecken der Vergangenheit, über einige ihm bekannte Vertreter der Staatsgewalt: "Für mich ist das Pack, richtiges Pack. Es macht einen traurig."

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