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Drama in Unterensingen: Vater rechtfertigt sich bei Facebook

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Familiendrama in Baden-Württemberg  

Bei Facebook rechtfertigt der Vater seine Tat

22.04.2017, 13:50 Uhr | Von Christine Luz, dpa

In dem kleinen Ort Unterensingen in Baden-Württemberg werden am Freitagmorgen zwei Kinderleichen gefunden. (Screenshot: Süddeutsche Mediengesellschaft / SDMG)
Vater rechtfertigt Tat bei Facebook

In dem kleinen Ort Unterensingen in Baden-Württemberg werden am Freitagmorgen zwei Kinderleichen gefunden.

Die Polizei sichert den Tatort in Unterensingen. (Quelle: T-Online / Süddeutsche Mediengesellschaft)


In einem kleinen Ort werden zwei Kinderleichen gefunden. Der Verdacht fällt auf den Vater, der sich selbst das Leben nahm. Einträge bei Facebook enthüllen sein mutmaßliches Motiv.

Absperrbänder flattern vor einer Straße in dem beschaulichen Ort Unterensingen in Baden-Württemberg. Aus einem mehrstöckigen, hellen Wohnhaus mit grauen Fensterläden tragen Männer zwei weiße Särge. Am Freitagmorgen haben Ermittler hier einen grausigen Fund gemacht: zwei tote Kinder, ein vierjähriger Junge und seine acht Jahre alte Schwester. Getötet vom eigenen Vater, so der aktuelle Ermittlungsstand.

Die Polizei sichert den Tatort in Unterensingen. (Quelle: dpa/Sdmg / Woelfl/SDMG)Die Polizei sichert den Tatort in Unterensingen. (Quelle: Sdmg / Woelfl/SDMG/dpa)

Früher am Morgen, kurz vor sieben Uhr, ging der erste Notruf bei der Polizei ein. Eine Anruferin meldet, dass ein Mann außerhalb eines Brückengeländers steht. Rettungskräfte rücken an, können aber nicht mehr verhindern, dass sich der Mann in den Tod stürzt. Erst danach werden die Ermittler zum Wohnhaus des 45-Jährigen gerufen, wo sie die Kinderleichen entdecken. Die Mutter bekommt psychologische Hilfe.

Mord wegen Affäre?

Die Polizei spricht von einem Familiendrama. Wie konnte es so weit kommen? Auf seiner Facebook-Seite postete der Mann noch am Morgen - offenbar kurz vor seinem Sprung - mehrere Beiträge und schilderte darin seine Sicht. Seine Frau habe seit mehreren Monaten eine Affäre, schrieb er darin.

"Die Vorstellung, dass ich unsere Kinder nicht mehr jeden Tag sehe, dass ein anderer Mann sie anfasst, sie ins Bett bringt, sie in den Schlaf streichelt bringt mich um den Verstand." Reicht das als Motiv aus, um seine eigene Familie auszulöschen? Viele äußern sich auf der Facebook-Seite fassungslos.

Die Polizei will sich zu den Hintergründen der Tat nicht äußern, bestätigt aber, dass sie soziale Medien in ihre Ermittlungen miteinbezieht. Die Ermittler äußerten sich auch nicht dazu, wie und wann genau der Junge und das Mädchen ums Leben kamen - und ob die Mutter selbst ihre toten Kinder als erste fand. Eine Obduktion Anfang nächster Woche soll Licht in die Todesumstände bringen. Eine Erklärung für die Familientragödie wird sie nicht liefern. 

Immer wieder ähnliche Fälle

Immer wieder schockieren Fälle in Deutschland, in denen Väter ihre eigenen Kinder umbringen. In Hamburg fand die Polizei im März die Leichen eines 53-Jährigen und seines neun Jahre alten Sohnes - beide starben an einer Vergiftung. Im vergangenen Jahr tötete ein zur Tatzeit ebenfalls 53-Jähriger in Ravensburg seine Frau und seine zwei Stieftöchter mit Beil und Messer. Der Mann nahm sich in Untersuchungshaft das Leben.

Ebenfalls 2016 soll ein damals 42-Jähriger in Munderkingen versucht haben, seinen sechs Jahre alten Sohn und sich selbst mit einem Holzkohlegrill umzubringen, den er im Schlafzimmer entzündete. Der Junge starb an einer Kohlenmonoxidvergiftung, der Vater überlebte.

Anmerkung der Redaktion: Suizidalität ist ein schwerwiegendes gesundheitspolitisches und gesellschaftliches Problem. Wenn Sie selbst zu dem Kreis der Betroffenen gehören, finden Sie z.B. Hilfe bei der Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de). Unter den Rufnummern 0800-1110111 oder 0800-1110222 sind die Berater rund um die Uhr erreichbar. Die Anrufe sind anonym.

Hilfe für Angehörige und Betroffene bietet auch der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker durch Telefon- und E-Mail-Beratung: Unter der Rufnummer 01805-950951 und der Festnetznummer 0228-71002424 sowie der E-Mail-Adresse seelefon@psychiatrie.de können die Berater kontaktiert werden. Direkte Anlaufstellen sind zudem Hausärzte sowie auf Suizidalität spezialisierte Ambulanzen in psychiatrischen Kliniken.

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