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Aschewolke nach Vulkanausbruch: Flugverbote gelockert, Reisende heimgeholt

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Im Sichtflug an der Asche vorbei: Flugverbote werden gelockert

20.04.2010, 10:02 Uhr | dpa, dpa

 

Aufatmen unter der Aschewolke: Auf Sichtflug konnten die Fluggesellschaften in Deutschland nach dem Vulkanausbruch auf Island am Montag ihre ersten Passagierflüge wieder starten lassen. Damit sollen im Ausland gestrandete Passagiere zurückgeflogen werden - auf Sicht, wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in Berlin nach einer Telefonkonferenz mit seinen Amtskollegen der EU-Staaten bestätigte. Gleichzeitig werden die in Europa geltenden Flugverbote nun schrittweise gelockert.

Beim Fliegen auf Sicht soll die Vulkanasche um- oder unterflogen werden. Zehn Airlines Anträge hatten nach Auskunft des Verkehrministeriums Anträge auf kontrollierte Sichtflüge gestellt, die von Radarlotsen unterstützt werden. Der Luftraum in Europa soll nur noch dort gesperrt bleiben, wo eine bestimmte Konzentration der Asche überschritten wird, erklärte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas.

Sichtflüge unterhalb der Aschewolke

Der Sichtflug ist völlig legal. Die Passagiermaschinen bleiben unterhalb der Aschewolke. Die Piloten sind dabei wie Autofahrer im Straßenverkehr nach dem Prinzip "Sehen und Gesehen werden" unterwegs. Dabei kommt es darauf an, dass der Pilot genügend Sicht hat - Flüge in Wolken wären also verboten. Die Lufthansa-Flüge sind sogenannte kontrollierte Sichtflüge, bei denen Radarlotsen Hilfe und Anweisungen geben. Dann sind auch größere Höhen möglich.

Zuerst kam Condor

Offiziell hatte die deutsche Flugsicherung zuvor entschieden, die Flughäfen bis mindestens 2 Uhr in der Nacht zum Dienstag geschlossen zu halten - nur die Sichtflüge dürfen landen. Am Drehkreuz in Frankfurt am Main landete als erstes eine Maschine des Ferienfliegers Condor. Sie kam aus der Dominikanischen Republik, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Eine Maschine der Lufthansa startete am Abend in Frankfurt. In München landete eine Maschine von Air Berlin aus Palma de Mallorca. Vom Flughafen Berlin-Tegel hob ein Flugzeug von Air Berlin, der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, nach Palma de Mallorca ab. Sie nimmt wieder einen eingeschränkten Betrieb auf.

Betrieb auf deutschen Flughäfen läuft an

Am Dienstag werden rund 15.000 gestrandete Urlauber in Deutschland erwartet, die die Lufthansa mit 50 Jets aus aller Welt holen will. Die erste Maschine startete am Montagabend in Frankfurt. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) lehnte diese Sichtflüge jedoch als "unverantwortlich" ab. "Entweder der Luftraum ist sicher, oder er ist es nicht", sagte ein Sprecher. Im Ausland sitzen insgesamt noch etwa 100.000 deutsche Pauschaltouristen fest, teilte das Außenministerium mit.

Am Nachmittag ging's los

Noch am Montagabend sollten mehrere Ziele im Inland, in Europa und in Übersee angesteuert werden, wie das Unternehmen mitteilte. Eine Maschine aus Palma de Mallorca sei bereits um 15.23 Uhr in München gelandet. In Berlin-Tegel hob kurz nach 17 Uhr erstmals seit Verhängung des generellen Flugverbots ein Jet nach Palma de Mallorca ab. Die Fluggesellschaft Germanwings will am Dienstagmorgen ebenfalls wieder einen eingeschränkten Flugbetrieb starten.

Europas Luftraum wird neu aufgeteilt

Der Luftraum über Europa wird nun in drei Zonen eingeteilt: In der ersten gilt ein absolutes Flugverbot, im zweiten können die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie Flugzeugen das Abheben erlauben, und im dritten Bereich ohne Asche-Gefahr ist das Fliegen unbegrenzt erlaubt. Entscheidendes Kriterium werden Satellitenbilder und Daten der Aschewolke sein. Darauf hätten sich die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten geeinigt, sagte EU-Verkehrskommissar Kallas. Er kündigte an, dass die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol bis Dienstag früh entscheiden wird, wo die Zonen verlaufen und welche Daten dafür ausschlaggebend sind. "Es wird keinen Kompromiss auf Kosten der Sicherheit geben", betonte der Kommissar.

Forschungsflugzeug untersucht Aschewolke

Ein Messflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) war am Montagnachmittag gestartet, um die Verbreitung der Vulkanaschewolke über Deutschland zu untersuchen. Das Flugzeug vom Typ Falcon 20 E war bis an die holländische Grenze geflogen, um die Dichte der Ascheteilchen in der Luft sowie ihre Größe zu messen. Ergebnisse sollen voraussichtlich in den nächsten Tagen vorliegen. Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich bestätigten unterdessen nach Messungen mit Wetterballons, Lasern und Messflugzeugen, dass die Aschewolke über Europa tatsächlich die für Flugzeuge gefährlichen Vulkanaerosole enthält. Sie gelten als gefährlich für Flugzeuge, da sie in der Hitze der Triebwerke schmelzen und zu Glasablagerungen führen können.

Millionenschwere Verluste pro Tag

Die Airlines verlieren nach Angaben der Internationalen Luftfahrtvereinigung IATA täglich mindestens 150 Millionen Euro wegen der Flugverbote. Hinzu kämen indirekte Kosten. Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air Berlin hatten kritisiert, die Verbote seien nur unzureichend begründet. Sie basierten bisher nur auf Daten eines Computermodells in Großbritannien. Zudem fehlten eigene Messungen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin wies dies zurück und verteidigte die Flugverbote. "So lange nicht auszuschließen ist, dass hier ein Risiko für Mensch und Leben besteht, so lange muss Sicherheit vorgehen", sagte er. Rückendeckung erhielt sein Minister Ramsauer im Konflikt mit den Fluggesellschaften von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Grünen.

Wirtschaft klagt über Milliardenverluste

Nach Berechnung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) entgeht den deutschen Unternehmen insgesamt wegen des Flugverbots täglich gar rund eine Milliarde Euro an Umsatz. Ein großer Teil könne jedoch wieder hereingeholt werden, sobald die Flugzeuge nach dem Abzug der Vulkanasche-Wolke wieder starten können.

Task Force soll Schaden mindern

Bundesregierung und Industrie vereinbarten, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, um den wirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten. Die Task Force kam am Montagnachmittag in Berlin zum ersten Mal zusammen. Für nächste Woche wurde ein weiteres Treffen anberaumt. Die EU-Kommission will staatliche Finanzspritzen für Unternehmen erleichtern. "Wir sind bereit, ähnlich zu reagieren wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001", sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

EU: Immer weniger Flugverbote

Die Zahl der Flugverbote ging bereits in der Nacht zum Montag zeitweise zurück. Nach Angaben der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel wurde der Luftraum vor allem im Süden am Mittelmeer und in großen Teilen Skandinaviens zumindest zeitweise wieder freigegeben. In Spanien waren alle Flughäfen geöffnet, es wurden aber bis zum Mittag fast ein Drittel der 5200 geplanten Flüge gestrichen. Der britische Luftraum sollte am Dienstag teilweise wieder geöffnet werden. In Frankreich sollen ab Dienstagmorgen Luftkorridore von Paris zu den Flughäfen im Süden des Landes eröffnet werden. Am Sonntag hatte sich die Sperrung zeitweise von Mallorca bis Nordnorwegen und von Irland bis zur Türkei erstreckt. Am Montag fielen noch etwa 70 Prozent der sonst gut 28.000 Flüge EU-weit aus - am Sonntag waren es noch knapp 80 Prozent gewesen.

Mehr Passagiere bei der Bahn

Das Flugverbot am Himmel bescherte den Fernzügen der Deutschen Bahn knapp ein Drittel mehr Fahrgäste als normal. In den vergangenen Tagen seien bis zu 30 Prozent mehr Reisende in ICE und Intercity unterwegs gewesen. Auch bei den Fernbussen habe die Nachfrage stark angezogen. Fahrten in westeuropäische Metropolen wie London und Paris seien ausgebucht.

Weniger Asche, mehr Lava

Der Gletschervulkan auf Island stößt zunehmend weniger Asche und dafür mehr Lava aus. Ein Sprecher des Meteorologischen Institutes in Reykjavik erklärte am Montag: "Das sind gute Nachrichten für Flugreisende in Europa." Es sei "ziemlich unwahrscheinlich", dass diese Entwicklung jetzt erneut umschlägt. Überwachungsflüge hatten bestätigt, dass die für den Flugverkehr in Europa gefährliche Aschewolke über dem Eyjafjalla-Gletscher nur noch eine Höhe zwischen 500 Metern und maximal drei Kilometern erreicht. Zudem zeigte auch die helle Färbung der Rauchsäule einen wesentlich verminderten Ascheanteil an. In den vergangenen Tagen war die Säule aus Rauch und Asche auf eine Höhe von bis zu elf Kilometern gelangt.

 
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