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Veranstalter: Es wird keine Loveparade mehr geben

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Veranstalter: Es wird keine Loveparade mehr geben

25.07.2010, 15:38 Uhr | dapd, dpa

Veranstalter: Es wird keine Loveparade mehr geben. Panik an der Todesfalle: Jugendliche stürmen in Panik den Hang vor dem Tunnel hinauf (Foto: dpa)

Panik an der Todesfalle: Jugendliche stürmen in Panik den Hang vor dem Tunnel hinauf (Foto: dpa)

Nach der Massenpanik bei der Loveparade hat der Organisator Rainer Schaller das Aus der Loveparade für die Zukunft verkündet. Aus Respekt vor Opfern und Angehörigen werde es die Veranstaltung nicht mehr geben. In einem Tunnel vor dem Gelände starben mindestens 19 Menschen, mehr als 340 weitere wurden verletzt. Augenzeugen und die Polizeigewerkschaft äußerten scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen bei dem Raver-Spektakel.

Nach der tödliche Massenpanik hat die Staatsanwaltschaft offiziell die Ermittlungen gegen unbekannt aufgenommen - wegen fahrlässiger Tötung. "Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat sofort ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte Detlef von Schmeling vom Polizeipräsidium Duisburg. Zwei Strafanzeigen gingen bisher ein. Die Ermittlungsbehörde hat das Sicherheitskonzept der Loveparade von den Veranstaltern und der Stadt Duisburg beschlagnahmt. Die Papiere seien bereits am Samstagnachmittag sichergestellt worden.

Die meisten Toten seien auf der westlichen Seite der Zugangsrampe gefunden worden. 18 Opfer seien bislang identifiziert, die Angehörigen seien informiert. Unter den Opfern befanden sich demnach auch ein Niederländer, ein Australier, ein Italiener und ein Chinese. Die Toten waren zwischen etwa 20 und 40 Jahre alt.

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Krisenstabsleiter Rabe verteidigte den Veranstaltungsplatz auf dem alten Güterbahnhof. Er könne grundsätzlich bis zu 300.000 Menschen aufnehmen. Er sei zum Zeitpunkt der Unglücks nicht vollständig gefüllt gewesen. Zuvor hatte es Kritik gehagelt, weil das alte Bahnhofsgelände Platz für maximal 250.000 Menschen habe. Zur Loveparade waren nach Angaben der Behörden etwa 1,4 Millionen Menschen nach Duisburg gekommen. Bereits im Vorfeld der Technoparade hatte es Zweifel gegeben, ob das Gelände und der Zugang für die Menschenmassen geeignet sein würden.

Tunnel war ein tödliches Nadelöhr

Bis kurz vor der Katastrophe gab es nur einen Zugang zum Festgelände, und der war lediglich durch einen 16 Meter breiten und 100 Meter langen Straßentunnel unter den Bahngleisen zu erreichen. Dort entstand ein unerträgliches Gedränge, als tausende Besucher noch zur Veranstaltung hin, andere wiederum zurück wollten. Nach Angaben von Stadtverwaltung und Polizei waren eine ganze Reihe von Besuchern auf die schmale Treppe geklettert, die aus dem Tunnel herausführte, und abgestürzt - andere hätten in Panik vergeblich versucht, die Sicherheitszäune um das abgeriegelte Gelände zu erklimmen. Viele sind in dem Andrang zusammengebrochen. Gefallene Besucher sind buchstäblich tot getrampelt worden.

Von Schmeling sagte, dass die Polizei kurz vor dem Unglück eine zweite Zugangsrampe geöffnet habe, damit der Druck auf den ersten Zugang nachlasse. Teil des Sicherheitskonzeptes sei gewesen, den Zugang zum Tunnel zu regulieren, sagte von Schmeling. Das sei den ganzen Tag über durch die Polizei erfolgt. Der Zugang zum Gelände sei aber nie gesperrt gewesen.

Zum Zeitpunkt der Katastrophe hat es nach Informationen von Schmeling noch Platz auf der Rampe gegeben. "Es liegen keine Erkenntnisse vor, nach denen es einen so großen Druck auf den Tunnel gegeben hat, dass es zu diesem Unglück kommen musste", sagte von Schmeling. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nannte das Sicherheitskonzept stichhaltig und sagte, wahrscheinlich seien "individuelle Schwächen" Auslöser der Katastrophe gewesen. Nach Polizeiangaben sind mehr als 4000 Beamte im Einsatz gewesen.

Polizeigewerkschaft beschuldigt Stadt und Veranstalter

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat die Schuld für die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade der Stadt und den Veranstaltern gegeben. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der "Bild"-Zeitung: "Letztlich sind Stadt und Veranstalter für die Tragödie verantwortlich." Wendt führte weiter aus, er habe schon vor einem Jahr gewarnt, Duisburg sei kein geeigneter Ort für die Loveparade. "Die Stadt ist zu klein und eng für derartige Veranstaltungen." Der Polizeigewerkschafter sieht das Problem nicht beim Festival-Gelände selbst, sondern bei den Wegen dorthin. Eine Schuld der Polizei sieht Wendt nicht.

Darüber hinaus hat die Polizeigewerkschaft in Nordrhein-Westfalen den Veranstaltern eine teils fahrlässige Vorbereitung vorgeworfen. Die 19 Toten und 340 Verletzte seien Opfer "materieller Interessen eines Veranstalters, der unter dem Deckmäntelchen der "Kulturhauptstadt 2010"" Druck ausgeübt habe, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Orscheschek, in einer Mitteilung.

Panikforscher sieht "Tunnelmanagement" als Ursache

Panikforscher Michael Schreckenberg, der in die Planung der Loveparade einbezogen war, bekennt: "Wir haben gewarnt, aber wir hätten vielleicht stärker warnen müssen." Der Professor verrät, dass das Sicherheitskonzept keineswegs von 1,4 Millionen Menschen ausging, sondern von maximal 500.000 - verteilt über die Stadt. Der Tunnel, an dessen Rampe die meisten Menschen starben, habe aber nur eine Kapazität von 20.000 Menschen pro Stunde. Bis zu 250.000 Raver sollten durch dieses Nadelöhr auf das Gelände geschleust werden - und wieder runter.

Er habe den Veranstaltern zuvor gesagt: "Wenn der Tunnel die Lösung ist, muss das bis ins Letzte durchgeplant werden." Das Tunnelmanagement sei Sache des Veranstalters gewesen. Er habe auch eine Videoüberwachung der Rampe angeraten, der Veranstalter habe dies aber abgelehnt: "Das war nicht gewollt."

Auch hätte die Treppe an der Rampe, an der die meisten Toten gefunden wurden, besser abgeschirmt, "vielleicht sogar besser gesprengt werden sollen". Schreckenberg sieht "Schuldige auf beiden Seiten", meint damit auch risikofreudige Kletterer unter den Besuchern, lässt aber indirekt erkennen, dass die Planung zwar "bestens" gewesen sei, das "Tunnelmanagement" des Veranstalters aber das Problem gewesen sein könnte. "Wenn der Tunnel geschlossen wird, sollten die Notausgänge geöffnet werden", sagt er. Außerdem bräuchten die Menschen Ansprache, dann verhielten sie sich auch in solchen Situationen kooperativ. "Die Menschen brauchen eine Perspektive, dass und wann es weitergeht. Dann bleiben sie auch ruhig", weiß der Forscher.

Aus Sicherheitsgründen wurde die Loveparade nicht sofort abgebrochen. Ohnehin herrschten nach der Katastrophe teilweise chaotische Zustände. Die Panik entstand in einem Tunnel der Karl-Lehr-Straße vor dem eigentlichen Loveparade-Gelände am alten Güterbahnhof der Stadt. Bundespräsident Christian Wulff reagierte bestürzt auf das Unglück. Er forderte zugleich eine rückhaltlose Aufklärung. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ erklären: "Ich bin entsetzt und traurig angesichts des Leids und des Schmerzes."

Zuschauer über Autobahn abgeleitet

Die Notausgänge der Loveparade-Geländes wurden nach dem tragischen Unfall geöffnet. Die Zuschauer wurden nach Angaben der Stadt Duisburg über die Autobahn 59 und die Anschlussstelle Hochfeld auf die Düsseldorfer Straße abgeleitet. Alle noch ankommenden Besucher wurden am Hauptbahnhof angehalten, wieder umzukehren. Die Räumung des Geländes habe "reibungslos geklappt", sagte ein Polizeisprecher.

Loveparade kommt nicht nach Gelsenkirchen

Der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, verkündete das Aus der Technoparade. "Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären", sagte er. "Mir ist alles daran gelegen, die Geschehnisse vollständig aufzuklären." Die Technoparty - die vor 21 Jahren in Berlin gegründet wurde - findet damit auch nicht wie geplant im kommenden Jahr in Gelsenkirchen statt.

Die insgesamt dritte Loveparade im Ruhrgebiet und die 19. insgesamt war am Nachmittag friedlich gestartet. Ab 14 Uhr rollten 15 sogenannten Floats über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs der Ruhrgebietsstadt. Erstmals fuhren die Paradewagen nicht wie in früheren Jahren durch die Innenstadt, sondern auf einem abgesperrten Gelände im Kreis. Schon zwei Stunden vor dem Startschuss hatte in der Duisburger Innenstadt am Mittag Ausnahmezustand geherrscht, als sich Hunderttausende Elektro- und Technofans ihren Weg dorthin bahnten. Die Polizei hatte die Innenstadt weiträumig abgesperrt, um den zu kontrollieren. Die Loveparade, die bis 2006 in Berlin stattfand und danach in wechselnden Städten des Ruhrgebiets, stand in diesem Jahr unter dem Motto "The Art of Love" (die Kunst der Liebe).

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